Was wurde aus …

Herbst 2006: SAP ist das erfolgreichste Unternehmen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Fast alle großen Unternehmen arbeiten mit der Software aus Waldorf. Nun sollen die kleinen und mittelständischen Unternehmen folgen.

Dafür wird nach neuen, flexibleren Lösungen gesucht. Der Leiter der 2000 Mann starken Entwicklungsabteilung, der Däne Jim Hagemann Snabe, nennt sie: „Serviceorientierte Architekturen“ – kurz SOA.

Vor zwei Wochen nun ernannte der Aufsichtsrat Jim Hagemann Snabe zu einem der beiden neuen CEOs des Unternehmens. Als einer der Hauptgründe für die Ablösung von Vorgänger Leo Apotheker gilt die schlechte Stimmung in Waldorf.

Präsentierte der Pressesprecher 2006 noch eine anonyme Umfrage, nach der 84
Prozent der Mitarbeiter „stolz waren, für SAP zu arbeiten“, so sank dieser Wert in der Folgezeit rapide. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Die SAPler sind keineswegs mehr so stolz auf ihren Arbeitgeber, wie dies in dem erfolgsverwöhnten IT-Konzern mit seinen hohen Gehältern, Dienstwagenflotten und kostenlosen Kantinenessen lange Zeit der Fall war.

Seit seiner Ernennung spricht Snabe auffällig oft davon, dass die neue Unternehmensspitze Vertrauen zurückgewinnen will. Dabei sind offenkundig nicht nur die Mitarbeiter gemeint, sondern auch die Kunden. Gerade Mittelständler waren in den letzten Jahren mit der Preispolitik und der Qualität von SAP-Produkten unzufrieden. Der Weg aus der Vertrauenskrise, den Snabe aufzeigt, soll nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die Software-Entwickler sollen künftig bei der Produktentwicklung enger mit den Kunden zusammenarbeiten. Das erhöhe auf beiden Seiten die Zufriedenheit.

Ob das reicht?

„Für Vertrauen gibt es keine Formel“, sagte Snabe. „Klar ist, dass es schwer aufzubauen und leicht zu zerstören ist.“

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