Was wurde aus ...

... aus Protonet?

Protonet-Gründer Ali Jelveh

Aktualisierung: Protonet steht vor dem Aus. Das Unternehmen hat am 8. Februar 2017 einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens am Insolvenzgericht Hamburg gestellt.

Es war ein furioser Start: In nicht mal einer Woche sammelte Protonet im Juni 2014 über die Finanzierungsplattform Seedmatch drei Millionen Euro ein – damals Weltrekord. Das Produkt: eine sechseckige Serverbox, die Daten anstatt in der Cloud sicher zu Hause oder in der Firma vorhalten sollte. Schon bald gab es Zweifel, ob Protonet nicht eher ein gutes Gefühl von Sicherheit und Rebellion vermarkte. Doch der NSA-Skandal sorgte für ausreichend Rückenwind.

Gut zwei Jahre später scheint dieser verflogen zu sein: Gerade mal 2000 Boxen hat das Unternehmen nach eigenen Angaben mittlerweile verkauft. So erschien es als eine gute Nachricht, dass das Protonet-Team um den Gründer und Geschäftsführer Ali Jelveh einen Platz im angesehen US-Gründerzentrum Y Combinator ergattern konnte, das schon Firmen wie Airbnb oder Dropbox gefördert hatte. Dafür wurde eine Firma nach amerikanischen Recht, die Protonet Inc. gegründet, in der die deutsche GmbH nahezu komplett aufgehen sollte. Das sorgte unter den deutschen Crowd-Investoren für Unruhe.

Ein solcher Exit bedeutet normalerweise, dass sie ihr investiertes Geld wiederbekommen, mögliche Gewinne inklusive. Mit Gewinnen sieht es allerdings schlecht aus, denn Protonet Inc. wird nicht etwa für mehrere Milliarden Dollar von Google oder Amazon übernommen, sondern Y Combinator erwirbt für 120 000 Dollar eine Beteiligung von sieben Prozent – das entspricht also einem angenommenen Firmenwert von rund 1,7 Millionen Dollar. Vor zwei Jahren, auf dem Höhepunkt des Crowdfunding-Erfolgs war Protonet fast zehnmal so hoch bewertet worden.

Problem Nummer zwei: Das Geld, um die deutschen Investoren vor der Umwandlung in die amerikanische Inc. auszuzahlen, ist offenbar nicht da. Von Verlusten in Höhe von 800 000 Euro im Jahr 2014 und noch mehr im Jahr 2015 ist die Rede. Protonet will diese Zahlen auf Anfrage nicht kommentieren.

„Da sich in Deutschland der Erfolg nicht abzeichnete (...), haben wir die unternehmerische Entscheidung getroffen, den Weg auf den US-amerikanischen Kapitalmarkt zu gehen“, teilt Protonet-Sprecherin Tamila Mehr per E-Mail mit. Dort gab es immerhin einen ersten Erfolg: Protonet wurden Anfang Juli von insgesamt 15 US-Investoren 1,6 Millionen Dollar zugesagt. Wer die Investoren sind, will man derzeit nicht sagen. Aus öffentlichen Dokumenten geht hervor, dass Jelveh und seine Mitstreiter ursprünglich zwei Millionen Dollar haben wollten.

Während das operative Geschäft künftig über die amerikanische Protonet Inc. und deren deutscher Tochter, die Protonet Betriebs GmbH, abgewickelt wird, verbleiben die Crowd-Investoren in der umfirmierten Protonet Holding GmbH (früher Protonet GmbH).

Wie mögliche Alternativen aussehen könnten, ist unklar: Ein Großteil der Kommunikation findet in einem geschlossenen Seedmatch-Forum statt, zu dem nur Crowd-Investoren und Protonet-Angestellte Zugang haben.

„Zu den genauen Optionen können wir aus Gründen der Vertraulichkeit keine Details nennen“, so Protonet. „Die Kommunikation und Abstimmung wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Wir möchten aber betonen, dass wir in dem von uns erarbeiteten Konstrukt das Ziel verfolgen, möglichst alle Investoren mitzunehmen, sodass sie von zukünftigen Erfolgen Protonets profitieren können.“

Das Magazin »t3n«, dem Screenshots aus dem Forum zugespielt wurden, berichtet von Vorwürfen der Investoren an Protonet: Man werde im Dunkeln gelassen, so die Klage. Einige fürchten durch den Firmenumbau „aufs Abstellgleis geschoben“ zu werden, oder wie bei einem ähnlichen Crowdinvesting-Fall des Unternehmens Lottohelden mit einer minimalen Rendite abgespeist zu werden. Andere werfen Protonet vor, das für die Entwicklung der Private-Cloud-Server zweckgebundene Geld der Crowd-Investoren in die Entwicklung eines neuen Produkts gesteckt zu haben.

Denn mit dem Geschäft in den USA wird Protonet auch sein Produktportfolio verändern: Statt wie bisher auf die „private Cloud“ setzt Ali Jelveh nun auf den Trend Smarthome. Ende des Jahres soll „Zoe“ auf den Markt kommen, wieder eine sechseckige Box. Diese soll über Sprache Geräte im Haus steuern. Neben den 15 bislang anonymen Großinvestoren soll das Geld dabei erneut aus der Crowd kommen: Dieses wurde diesmal bei der US-Plattform Indiegogo eingesammelt. Knapp 320 000 Dollar kamen zusammen.

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