Was wurde aus ...

… Peter Abualzolof?

Salam a'lekum Peter!”, schrieb Shai Hoffmann. “Ich habe einen Artikel über dich in brand eins gelesen.“ Er sei übrigens jüdisch – „aber viel wichtiger: ein Mensch“. Ob er Abualzolof in Ramallah besuchen könne? Die Antwort kam am selben Tag: „Sag Bescheid, wenn du in Ramallah bist, dann treffen wir uns.“

Als Hoffmann, dessen Eltern in den Siebzigerjahren aus Israel nach Deutschland ausgewandert waren, seinen Verwandten von seinem Plan erzählte, erklärten die ihn für verrückt: Als Jude nach Ramallah? Ein Wahnsinn, viel zu gefährlich! Die Warnungen überraschten Hoffmann, Gründer einer Marketingagentur in Berlin, nicht: 2003 lynchte eine wütende Menge in Ramallah zwei israelische Soldaten, die sich verlaufen hatten. Derzeit greifen fast täglich Palästinenser Israelis auf der Straße an; die Stimmung ist aufgeheizt wie lange nicht. Dennoch brach Hoffmann am 13. Januar mit einem arabischen Sammeltaxi von Jerusalem nach Ramallah auf.

Peter Abualzolof erwartete ihn im Büro seines Startups Mashvisor. Inzwischen hat der Ibtikar-Fund 200.000 US-Dollar in die Firma investiert; Abualzolof hat vier Vollzeitkräfte eingestellt; Mashvisor wurde auf dem Seedstars-Wettbewerb in Ramallah zum besten palästinensischen Startup gekürt; und demnächst wird Abualzolof in die Schweiz reisen, um dort beim internationalen Seedstars-Wettbewerb anzutreten. Er hat also viel zu tun, trotzdem nahm er sich Zeit für den ungewöhnlichen Gast. Erst führte Hoffmann ein Video-Interview mit ihm für sein Blog, danach unterhielten die beiden sich. Hoffmann erzählte von seinen Projekten in der Social-Entrepreneurship-Szene; Abualzolof erklärte, dass er seine eigene Firma auch als soziales Startup begreife, weil er damit Jobs schaffen und Jugendlichen eine Perspektive geben wolle. Abualzolof schlug Hoffmann vor, bei dessen nächstem Besuch in Ramallah zusammen auszugehen.

Als Hoffmann im Bus zurück nach Jerusalem saß, konnte er kaum glauben, dass er Angst gehabt hatte, nach Ramallah zu fahren. Und er hat, wie er später erzählt, neue Hoffnung geschöpft, dass Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern möglich wäre, wenn  sich beide Seiten nur stärker um wirtschaftliche Entwicklung und Vertrauensbildung bemühten. „Ich hoffe, dass Menschen wie Peter einen Wandel anstoßen können“, resümiert er. „Ich glaube, wenn man es schafft, den vielen jungen arbeitslosen Palästinensern Arbeit zu geben, wenn sie ihr eigenes Geld verdienen und Wertschätzung erfahren, dann werden viel weniger von ihnen extremistischen Ideologien verfallen.“