Was wurde aus …

(c) Herrenknecht AG

Hauptperson der Geschichte von damals war Martin Herrenknecht selbst: ein lautstarker aber wortkarger Chef, der mit seinen Tunnelvortriebsmaschinen unsere Welt Stück für Stück in einen Emmentaler Käse verwandelt.

In den Nebenrollen vier dicke Damen: Sissi und Heidi, Gabi 1 und Gabi 2, jeweils über 400 Meter lang und 3000 Tonnen schwer. Die vier Tunnelvortriebsmaschinen von Herrenknecht sollten sich 57 Kilometer weit durch den Schweizer Sankt Gotthard bohren und damit den längsten Eisenbahntunnel der Welt schaffen. Freilich hatten sich die Maschinen damals erst 2575 Meter weit in den Berg gefräst.

Am 15. Oktober 2010 war es nun so weit: Die dicke Sissi brach als erste durch und öffnete damit die Oströhre. „Der freie Blick aufs Mittelmeer“ war geschafft und die Schweiz feierte die erste Röhre wie einen Staatsakt. Im Frühjahr 2011 soll die Weströhre folgen und 2017 die ersten Hochgeschwindigkeitszüge mit 250 km/h durch den Berg rollen. Eine Fahrt von Zürich nach Mailand dauert dann nur noch 2 Stunden und 40 Minuten – statt wie bisher 4 Stunden und 10 Minuten. Vor allem aber sollen die Tunnel den Güterverkehr beschleunigen und von der Straße holen.

Die Herrenknecht AG profitiert nicht nur vom Tunnel in der Schweiz. Auf der ganzen Welt schreitet die Urbanisierung voran, werden U-Bahnen gebaut, alte Versorgungsröhren für Wasser oder Gas erneuert und neue Pipelines gelegt. Und fast überall, wo es groß und schwierig wird, ist Herrenknecht mit dabei. Seit 2003 haben sich die Mitarbeiterzahl und der Umsatz fast verdreifacht. Aktuell beschäftigt Herrenknecht 3165 Menschen, rund 2000 davon am Hauptsitz in Schwanau. Der Umsatz liegt bei 866 Millionen Euro und die Nachfrage nach weiteren Tunnelvortriebsmaschinen steigt ständig.

Nächste Herausforderung ist ein Autotunnel in Italien, zwar nur 2,5 Kilometer lang, dafür 3 Fahrspuren breit. Der dafür gebaute Bohrkopf bringt es auf stattliche 15,55 Meter Durchmesser – Weltrekord! Aber auch die ganz kleinen Röhren werden zum guten Geschäft für Herrenknecht. Möglich macht dies das neu entwickelte „Direct Pipe“-Verfahren, mit dem Pipelines in einem Arbeitsschritt gebohrt und verlegt werden können. Selbst kurvige Strecken sind dabei kein Problem. Das Verfahren kam bisher in Deutschland und den Niederlanden zum Einsatz und unlängst das erste Mal auch in den USA. Dort half es mit, die Gasversorgung von Houston nach Florida zu erweitern. Für die nächsten Pipelines ist Herrenknecht bereits fest eingeplant.