Was wurde aus …

Seit 1974 gibt es Linda auf dem deutschen Markt. 2004 hatte der Saatgutkonzern Europlant die Kartoffel vorzeitig von der Saatgutliste streichen lassen, um sie aus dem Handel zu nehmen. Denn nach 30 Jahren entfällt das Sortenschutzrecht für Kartoffeln und der Konzern hätte kein Geld mehr mit den Lizenzrechten verdienen können.

Damit war es Bauern plötzlich nicht mehr erlaubt, Linda als Pflanzkartoffel zu vermehren. Diese taten es aber doch, gründeten unter der Führung des Biobauern Karsten Ellenberg aus Barum (Kreis Uelzen) den Freundeskreis „Rettet Linda“ und sorgte mit Unterstützung von Verbraucherverbänden für viel öffentlichen Wirbel. Selbst Prominente wie Alfred Biolek oder Ulrich Wickert sprachen sich für Linda aus.

Daraufhin verlängerte das Bundessortenamt in Hannover die Zulassung um weitere zwei Jahre, bis zum 30. Juni 2007. Europlant legte dagegen Widerspruch beim Amt ein und verklagte die Bauern vor dem Verwaltungsgericht in Hannover. Sowohl der Widerspruch als auch die Klage wurden abgewiesen.

Eine weitere Klage reichte Europlant bei einem Schiedsgericht für Saatgut und Sortenschutzstreitigkeiten bei der Landwirtschaftskammer Hannover ein. Am 27. Juli 2005 entschied das Schiedsgericht: Die Bauern dürfen die Pflanzkartoffeln nicht in den Handel bringen, solange nicht das Oberschiedsgericht in Celle darüber befunden hat. Die Kartoffel musste in den Knast. Die Ernte der Bauern wurde unter Aufsicht gerodet und in verplombten Kartoffelscheuen eingelagert.

In der aufgeheizten Atmosphäre kam es im Herbst 2005 zu einer Gerichtsverhandlung am Oberlandesgericht in Celle, bei der erstmals die Möglichkeit eines Vergleichs angesprochen wurde – den Europlant und die Linda-Bauern schließlich am 14. November schlossen.

Glück für Linda: Die verplombten Scheunen durften geöffnet werden, die beschlagnahmten Kartoffeln kamen frei, und wurden nach ihrer Aufbereitung auf den Höfen an Europlant übergeben. Europlant sagte zu, die Kartoffeln als Pflanzkartoffel im Jahr 2006 in Deutschland zu verkaufen. Die anschließende Wahl Lindas zur „Kartoffel des Jahres 2007“ durch Umweltverbände im April 2007 Jahres erschien naheliegend.

Linda half das aber wenig, denn Ende 2007 bedurfte es einer neuen Zulassung der Kartoffel beim Bundessortenamt – und die blieb diesmal aus.

Die Wende kommt nun über einen Umweg aus England. Dort wurde im August 2009 eine Neuzulassung von Linda beantragt – und stattgegeben. Laut EU-Recht darf aber bei uns nicht verboten sein, was in England erlaubt ist. Also beantragte Biobauer Karsten Ellenberg erneut die Zulassung beim Bundessortenamt in Hannover. Und Ende Februar erhielt er die Genehmigung. Damit ist der Weg frei für den lizenzfreien Anbau seiner Lieblingsknolle.

Dem Bundessortenamt scheint das ganze Gerangel um Linda wohl eher unangenehm zu sein. Auf der Webseite des Amtes findet sich kein einziger Hinweis dazu.

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