Was wurde aus …

Das Landesgericht für Strafsachen in Wien hat Strasser gestern wegen Bestechlichkeit zu vier Jahren Haft verurteilt. Strassers Anwalt hatte im Prozess argumentiert, sein Mandant habe gedacht, es mit Mitarbeitern eines Geheimdienstes zu tun und das Spiel nur mitgespielt zu haben, um die Agenten zu enttarnen. Strasser selbst sagte vor Gericht: "Mir war klar, das sind Gauner, die sind nicht das, was sie vorgeben."

Der Richter Georg Olschak bezeichnete diese Darstellung als eine der abenteuerlichsten, die er in seiner Karriere gehört habe. Kein Gericht in Österreich werde diese Geschichte glauben. "Wenn die Korruption ganz oben beginnt, besteht für die Justiz akuter Handlungsbedarf" sagte er in seiner Urteilsbegründung. "Korruption oder Freunderlwirtschaft ist keine Neuerscheinung. Was neu ist, ist diese Offenkundigkeit, diese unverschämte Offenheit, mit der sie praktiziert wird. Früher hat man es in Hinterzimmern von Konditoreien gemacht – heute werden Firmen gegründet, die Lobbying betreiben – sie geben sich im EP (Europäisches Parlament) die Klinke in die Hand und merken gar nicht, auf welch schmalem Grat sie sich bewegen. Um diese Gratwanderung aufzuzeigen, bedarf es dieses Urteils.“ Und zum Angeklagten gewandt: „Es hat in der Zweiten Republik wenige Menschen gegeben, die dem Ansehen so viel Schaden zugefügt haben wie Sie. Darum war es notwendig, eine Strafe zu verhängen, die eine abschreckende Wirkung auf mögliche Nachahmungstäter hat. Und davon gibt es wohl einige."

Zu Strassers Version, er habe Agenten enttarnen wollen, sagte Olschak weiter: "Es gibt mit Ausnahme Ihrer Lebensgefährtin nichts, was diese Version stützen würde... Es spricht vor allem Ihr Verhalten selbst gegen die Version des Geheimdienstes. Wer gibt solche belastenden Details preis, wenn er Agenten vermutet? Wer nennt Klienten teils namentlich und teils so, dass leicht auf ihre Identität geschlossen werden kann? Wer beruft sich, teils prahlerisch, darauf, dass er illegale Geschäfte tätigt? Andererseits sind es Unterlassungen, die gegen Sie sprechen: Sie haben Ihren Verdacht nie auch nur angedeutet. Sie haben niemanden ins Vertrauen gezogen. Sie haben Ihrem Steuerberater und Ihrem Anwalt nichts mitgeteilt. Nicht einmal dann, wie er Ihnen mitgeteilt hat, dass die Firmenbuchnummer nicht existiert."

Die beiden Journalisten der »Sunday Times«, Claire Newell und Jonathan Calvert, waren am Vormittag noch via Videokonferenz vom Gericht befragt worden. Calvert belastete Strasser schwer und sagte, dieser habe sich im Lauf der Zeit selbst als Lobbyist ausgegeben: „Am Ende hat er angeboten und versucht, uns zu helfen. Gegen Bezahlung."

Es sei wohl so gewesen, sagte der Richter Olschak zum Angeklagten, „dass bei diesen Treffen ein bisschen das Euro-Zeichen in Ihren Augen geleuchtet hat".

Ernst Strasser verfolgte die Urteilsbegründung mit versteinerter Mine und verließ im Anschluss den Gerichtssaal ohne einen Kommentar abzugeben. Sein Anwalt kündigte an, in Berufung gehen zu wollen.

Das Urteil wurde auf Twitter schnell verbreitet und mit süffisanten Kommentaren bedacht. @BernhardVosicky schreibt zum Beispiel: "four more years".

Ein ausführliches Protokoll des Prozesstages finden Sie unter:
http://derstandard.at/1356427553749/Sunday-Times-Journalisten-sagen-aus