Part Time Scientists

Früher traute man ihm nicht viel zu. Heute greift Robert Böhme nach den Sternen.
Der Teamleiter und seine Kollegen Thomas Kunze und Karsten Becker (v. l.)

Wie plant man eine Mondmission?

Tatsächlich ganz klassisch mit einem Businessplan. Mittlerweile wohl die zwanzigste Fassung.

Das klingt mühselig.

Wir hatten zunächst sehr banale Fragen: Wie sieht ein Businessplan überhaupt aus? Wie sortiert man das Zahlenwerk? Gibt es Standards? Eine große Hürde ist das Thema Steuern gewesen. Da wir mit vielen Maschinen arbeiten, mussten wir uns ganz schnell mit Abschreibungen beschäftigen, die gehörigen Einfluss auf die Rentabilität nahmen. Wir fanden vor allem im Internet Massen von nicht brauchbaren Informationen.

Was hat konkret geholfen?

Wir haben uns an einem Businessplan von einer Firma aus der Logistik-Branche orientiert. Auch wenn er thematisch nicht passte, hat er uns methodisch geholfen. Wir haben gemerkt, wie wichtig ein Branchenreport ist, um eine belastbarere Zahlenbasis zu entwickeln. Für unser Thema fanden wir den „Space Report“ der Space Foundation. Der erwies sich für uns als sehr hilfreich. Die Hauptprobleme waren aber andere.

Nämlich?

Wir brauchten Kontakte zu Experten und Spezialisten, aber auch Geld. Und das bekommt man nur, wenn man etwas vorweisen kann. Der Businessplan hat keinen begeistert, die Prototypen schon. Trotzdem geht es zu keinem Zeitpunkt ohne Businessplan. Wir müssen ja Gehälter bezahlen. Inzwischen haben wir elf feste Mitarbeiter. Unsere Mondreise ist im Grunde eine Aneinanderreihung von Prototypen und jedes gelöste Problem stellt ein Erlösmodell dar. Es ist ein ständiges Wechselspiel zwischen Prototypen- und Businessplanentwicklung.

Wie können Sie mit Ihrer Arbeit Geld verdienen?

Ein kleines Beispiel: Wir haben eine besonders kleine Kamera gebaut, mit der man auf dem Mond filmen kann. Nun können wir andere Firmen bei ähnlichen Vorhaben beraten. Ein großes Beispiel: Über einen unserer Prototypen konnten wir die NASA auf uns aufmerksam machen und herausfinden, wofür man dort Geld ausgeben würde, zum Beispiel für Tests auf dem Mond oder die Durchführung von Materialproben an ihrem Mondauto, das dort seit der Landung von Apollo 17 herumsteht.

Ist das bereits ein Geschäftsmodell?

Es entwickelt sich Schritt für Schritt. Aus kaufmännischer Sicht wäre es auch sinnlos gewesen, ein Unternehmen zu gründen, das einen „One shot“ zum Mond plant. Wir haben uns als Dienstleister für den Zugang zum Mond positioniert. Dafür vertreiben wir schon jetzt einzelne Elemente unseres Roboters. Große Firmen wissen dann, dass eine private Firma eine Mondmission für 30 Millionen Dollar schaffen kann.

Reicht das schon aus, um profitabel zu werden?

Langfristig auf jeden Fall, kurzfristig nicht. Dafür muss man verstehen, welchen Hebel eine erfolgreiche Mondfahrt für unsere Einnahmen hätte. Wenn wir den Machbarkeitsnachweis erbringen, wird jeder unsere Module haben wollen. Wenn unser Roboter und unsere Kamera auf dem Mond sind, steigt der Preis unserer Komponenten.

Sie machen also keinen Gewinn, wenn Sie den Wettbewerb gewinnen?

Nur in der Folge durch den oben genannten Machbarkeitsnachweis und die mögliche Aufmerksamkeit. Die Kosten sind vor allem durch den Start bestimmt, die Rakete alleine kostet 22 Millionen Dollar. Uns war ja früh klar, dass eine Mondmission allein kein Geschäftsmodell sein kann.

Wie lösen Sie das Problem, dass sie bis zur Mondmission mehr Kosten als Einnahmen haben?

Wir haben Googles Milestones Award gewonnen und 750.000 Dollar erhalten und kooperieren seit 2015 mit Audi. Das hilft. Außerdem vermarkten wir seit Anfang des Jahres ein eigenes Produkt. Es geht um Bildverarbeitung und Virtual Reality. Zudem sind einige Firmen daran interessiert, dass wir ihre Technik bei der Mondexpedition einsetzen. So kommen wir an Partner, die quasi ein Eintrittsgeld bezahlen und unsere Finanzierungslücke bis zur Mondmission überbrücken.

Im Blog von Jan Evers spricht Robert Böhme über weitere Aspekte der Gründungsförderung.

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