Blick in die Bilanz: Kuka AG

Auf den ersten Blick hat Kuka ein glänzendes Geschäftsjahr hinter sich: Der Spezialist für Industrierobotik machte einen ­Rekordumsatz von gut 2,9 Milliarden Euro, ein Plus von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der weltweite Absatz von Indus­trierobotern legte laut der International Federation of Robotics (IFR) 2015 nur um 15 Prozent zu. Die Kuka AG, die weltweit in allen Geschäftsbereichen zu den Top 5 zählt, unter den Zulieferern für die Automobilbranche sogar die Spitzenposition einnimmt (und unter anderem die prestigeträchtigen Tesla-Fabriken ausrüstet), scheint damit den Markt überflügelt zu haben.

Doch die Lage ist nicht so rosig, wie die Zahlen suggerieren. Das rasante Wachstum bei den Erlösen war nur möglich, weil Kuka Swisslog übernahm, einen führenden Anbieter von automatisierten Transportsystemen und Lagerlogistik aus der Schweiz. Er steuerte gut 620 Millionen Euro an zusätzlichem Umsatz bei. Die hauseigene Sparte Robotics (Herstellung einzelner Roboter), die knapp ein Drittel zum Gesamtumsatz beiträgt, wuchs lediglich um neun Prozent – vor allem wegen schwacher Zahlen im ­Geschäft mit der Automobilindustrie. Obwohl die Branche laut einem Ernst-&-Young-Report ihre Investitionen in neue Fabriken 2015 weltweit um gut 45 Prozent auf rund 52 Milliarden Euro erhöhte, konnte Kuka seinen Umsatz mit diesen Kunden nur um 2,3 Prozent auf 345 Millionen Euro steigern.

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Zwar haben die Bayern mit der Sparte Systems ein zweites Standbein, das mittlerweile die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet. ­Dahinter verbirgt sich die Lieferung maßgeschneiderter Produk­tionsanlagen, unter anderem für die Luftfahrtindustrie. Dieses Geschäft wächst seit vier Jahren mit durchschnittlich gut 18 Prozent, ist aber mit einer operativen Marge (Earnings before Interest and Taxes, EBIT, im Verhältnis zum Umsatz) von 7,8 Prozent deutlich weniger profitabel als Robotics, wo von den Erlösen 11 Prozent hängen bleiben. Das entspricht dem Niveau anderer gut geführter Zulieferer wie etwa Continental.

Das Problem mit der Automobilkundschaft ist deren hoher Auto­matisierungsgrad: Spitzenreiter sind die japanischen Anbieter, bei denen auf 10 000 Beschäftigte heute bereits 1414 Roboter kommen, aber auch in den USA sind es 1141, in Deutschland 1149. Unter den großen Märkten hat einzig China mit nur 305 Robotern je 10 000 Beschäftigte noch großes Potenzial. Kuka hat da­rauf bereits reagiert. In Schanghai errichtete die Firma eine eigene Produktionsstätte, die voll ausgelastet ist. Die Folge: Der Umsatz mit Robotern stieg in China 2015 trotz Konjunkturflaute um gut 41 Prozent. Zudem wurde der Vertrieb massiv aufgestockt (plus 56 Prozent), ebenso wie die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (plus 35 Prozent), die jetzt zum Großteil in die Ent­wicklung von Produkten für Industrien jenseits des Fahrzeugbaus fließen, wo die Roboterdichte noch gering ist. In Deutschland liegt sie im verarbeitenden Gewerbe laut IFR je 10 000 Beschäftigte bei 161 Robotern, weltweit sind es im Schnitt sogar nur 66.

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In diese Strategie passt auch der Erwerb von Swisslog Ende 2014 für 266 Millionen Euro. Zwar ließ er sich nicht ganz aus den liquiden Mitteln bezahlen, die die Firma operativ erwirtschaftet (Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit). Doch Kuka konnte sich die zusätzliche Finanzierung leisten. Die Eigenkapitalquote liegt immer noch bei gut 30 Prozent. Auch Abschreibungen auf Swisslog, vor allem bedingt durch die Aufwertung des Schweizer Franken, steckten die Augsburger locker weg. Sie drückten allerdings den Gewinn, der ohne die Übernahme bei 123 Millionen Euro gelegen hätte, um fast ein Drittel. Immerhin: Ein Plus ist es noch. ---


Kuka wurde 1898 von Johann Josef Keller und Jakob Knappich unter dem Namen Keller und Knappich Augsburg gegründet und war ­zunächst mit Schweißanlagen erfolgreich. Die Firma stellte 1956 die erste automatische Schweiß­straße für Haushaltsgeräte her, 1971 die erste Schweißstraße mit Robotern für Daimler-Benz. Kuka beschäftigt gut 12 000 Mitarbeiter, ist börsennotiert und wird, nachdem sich der Kurs in den vergangenen fünf Jahren mehr als verfünffachte, mit rund 4,3 Milliarden Euro bewertet. Der chinesische Großaktionär Midea will seine Anteile verdoppeln und machte ein Angebot, das Kukas Wert mit 4.6 Milliarden Euro beziffert.

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