Auf der Bühne

Aus einer Kindheitsidee heraus gründete Ali Mahlodji whatchado.com, das „Handbuch der Lebensgeschichten“, eine Online-Plattform, auf der Menschen in Videos von ihren Berufen erzählen. Der Unternehmer ist getrieben von der Idee, Jugendlichen eine Vielzahl von Perspektiven aufzuzeigen und sie zu ermutigen, ihre Talente und Träume zu leben. Mahlodji weiß, wovon er spricht: Der Schulabbrecher hat selbst die unterschiedlichsten Jobs ausprobiert, immer auf der Suche nach Vorbildern und einer Richtschnur, bis er die Selbstständigkeit wagte. Whatchado arbeitet mit über 300 internationalen Organisationen zusammen und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Autos, die sich selbst steuern. Software, die selbstständig lernt. Händler, die voraus sehen, wann welches Produkt gekauft wird: Claudia Dietze freut sich auf die digitale Welt von Morgen. Technologie gibt die Freiheit, eine bessere Zukunft zu gestalten, findet sie. 1999 hat die Diplom-Ökonomin zusammen mit dem Software-Ingenieur Stefan Richter die Software-Firma Freiheit.com gegründet, die heute als eine der besten des Landes gilt. Das internationale Team besteht fast nur aus Informatikern, Physikern und Mathematikern. Sie entwickeln Software-Produkte für große Unternehmen. Zu den Kunden gehören Daimler, Volkswagen, METRO, Tchibo und Enfore von Marco Börries.

Rupert Voß hat als Sozialunternehmer schon viele Projekte mit gesellschaftlicher Relevanz gestemmt: Inspiriert von der Arbeit mit Auszubildenden entwickelte er in seinen handwerklichen Betrieben ein Konzept, um straffällige, gewaltbereite Jugendliche wieder in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu integrieren. In seinem neuesten Projekt „Dahoam im Inntal“ geht es um generationsübergreifendes Wohnen und die Stärkung dörflich-etablierter Netzwerke. Im bayerischen Brannenburg ist so ein wegweisendes Wohn- und Lebensraumprojekt entstanden, das bisher einzigartig in Deutschland ist. Mit 300 Eigentums- und Mietwohnungen, kombinierten Gewerbe- und Wohneinheiten, einem Montessori-Kinderhaus, mit Diensten für Betreuung im Alter sowie mit Spielplätzen, Gemeinschaftsgärten und einem Bürgercafé ist „Dahoam im Inntal“ ein Leuchtturm für modernen Wohnungsbau mit gesellschaftlichem Mehrwert.

Catharina Bruns streitet für eine neue Kultur der Selbstständigkeit, die sich nicht allein mit Rahmenbedingungen und schönen Büroräumen befasst, sondern mit Inhalten und echter Unabhängigkeit. Ihr Credo: „work is not a job“. Jeder sollte sein Arbeitsleben selbst gestalten können, weil er nur dann Sinn in seinem Tun erfahren kann. „Letztlich geht es um eine neue Kultur der Selbständigkeit, um die Frage, ob wir in der Lage sind, selbstbestimmt und auch ohne Anleitung zu arbeiten – und zwar nicht nur im Konzern. Das darf kein Elitenthema sein. Erst wenn wir alle mitgestalten, schöpft unsere Gesellschaft ihr Potenzial aus.“ Bruns selbst hat mehrere Unternehmen gegründet und Bücher über die Arbeit von morgen geschrieben.

Wer mit 16 als Schüler seine erste Firma gründet und sie später mit viel Medienaufmerksamkeit an Sun Microsystems ins Silicon Valley verkauft, hat früh gelernt, groß zu denken. Mit seiner neuen Geschäftsidee will Marco Börries jetzt nicht weniger als einen Weltkonzern begründen: Enfore soll 200 Millionen Kleinunternehmer zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit verhelfen. Der Clou: Die Hardware, ein Kassenterminal, muss gekauft werden – die Software, die Warenwirtschaft, Logistik und Online-Shop ermöglicht, gibt es gratis dazu. Börries sammelte rund 40 Millionen Euro Startkapital und gewann die Telekom als Vertriebspartner. Sein Traum: ein neues Ökosystem für kleine Einzelhändler, Friseure oder Restaurants. Größenwahnsinnig oder genial? Mal schauen.

Jost Stollmann hat sich als Gründer von CompuNet und als Kandidat für das Wirtschaftsministerium im Schattenkabinett von Gerhard Schröder einen Namen gemacht und brand eins immer wieder mit seinem Optimismus und seinen frühen Ideen einer Wissensgesellschaft inspiriert. Inzwischen hat der Weltumsegler in Australien erfolgreich das Fintech-Unternehmen Tyro aufgebaut, das auf einem neuen elektronischen Zahlungssystem basiert – und ist weiterhin am Großen und Ganzen interessiert: „Wir brauchen wieder Aufbruchstimmung, diesmal sollte es ein sozialer Aufbruch sein.“

Frank Roebers kennt Krisen genauso wie Höhenflüge: Als Vorstandsvorsitzender der Synaxon AG, mit über 3400 Partnern Europas größte IT-Verbundgruppe, führt er sich und sein Unternehmen immer wieder an Grenzen. Roebers steht für konsequente Transparenz und Offenheit. So etablierte er das Wiki-Prinzip, das allen Mitarbeitern das gesamte Wissen innerhalb der Firma zugänglich macht. Regeln verändern, anonym Vorschläge zur Abstimmung bringen: Das ist nicht nur erlaubt, sondern gewünscht. Roebers hält diese radikale Führungskultur für notwendig, um Transformation überhaupt möglich zu machen.

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