Sylvia Pichler: Zilla Taschen

Ein Brotbeutel aus knittriger Goldfolie? Das ist doch Quatsch! Aber wenn man die kleine Tasche in die Hand nimmt, fühlt sie sich überraschend angenehm an: fest und griffig. Das liegt an einer Schicht Aluminium im Stoff, die Halt gibt und dafür sorgt, dass sich der obere Rand wie bei einem Brotbeutel einfach umklappen lässt. „Stellen Sie sich die Tasche zu einem Abendkleid vor“, sagt Sylvia Pichler. „Das ist ein Statement!“


Südtirol war lange keine Design-Region, doch langsam ändert sich das. Das Designstudium an der Freien Universität Bozen ist sehr gefragt, und inzwischen gibt es auch einige junge Designer wie Pichler. Die 38-Jährige hat bereits als Architekturstudentin Taschen genäht, anfangs aus jenem orangefarbenen Schwamm, mit dem man früher Briefmarken befeuchtete. Damit war sie so erfolgreich, dass sie sich noch als Studentin ganz auf die Taschenproduktion verlegte und ihr eigenes Label gründete: „Zilla“, nach der in Südtirol gängigen Kurzform von Cecilia. Für Pichler steht der Name für „Damen, die gehäkelt oder gestrickt haben. Und ich mache eben Taschen aus Baumaterialien.“

Sie müsse immer alles anfassen, sagt sie. „In meiner Studienzeit kam das 3-D-Zeichnen auf, aber ich habe lieber Modelle gebaut. Ich muss was mit den Händen tun.“ Deshalb ist es ihr auch wichtig, dass ihre Taschen ein haptisches Erlebnis sind. Früher arbeitete sie mit Fußabtretern oder Luftfiltern, heute benutzt sie Schwamm, Holz, Aluminium und sogar Stein. Manche Materialien lässt sie sogar eigens produzieren, etwa mit Baumwolle oder Leder beschichtetes Aluminium.

Mit einem Brotbeutel auf den roten Teppich

Die Neigung zu Material aus dem Baubereich erklärt sie ganz simpel – sie ist damit von klein auf vertraut. Die Designerin ist die Tochter des Architekten Walter Pichler, einem der Gründer von Stahlbau Pichler, in dessen Bozner Zentrale sich auch das Büro von Zilla befindet. Stahlbau Pichler ist ein Spezialist für die Realisierung anspruchsvoller moderner Architektur, wie etwa Renzo Pianos Neubau des Naturkundemuseums in Trient. Betrachtet man das futuristische Gebäude und dann Sylvia Pichlers Taschen, wird die Nähe von Vater und Tochter deutlich: Beide bekennen sich zum visionären, utopischen Entwurf. Die Zukunft – made in Südtirol.

Zu ihrer Vision gehört auch, dass Sylvia Pichler nicht billig in Asien fertigen lässt, sondern in einer norditalienischen Manufaktur. Ihre Taschen verkauft sie weltweit – am besten in Hongkong. Handarbeit aus Europa – exportiert nach China? Das klingt ebenso absurd wie: mit einem Brotbeutel auf dem roten Teppich. Aber so ist das mit der Zukunft: Sie erscheint fern und unrealistisch – bis sie Alltag wird.