Werke als Werte

Sind Gemälde und Skulpturen eine gute Geldanlage?, fragte sich der Wirtschaftsprofessor Michael Moses. Als Antwort entwickelte er einen umfassenden „Index der Schönen Künste“. Drei Kunst- und Finanzexperten dachten die Idee noch weiter und legten ein Fonds-Modell auf, in das aufstrebende junge Künstler Werke einzahlen – eine neuartige Mischung aus Künstlersozialkasse und Anlageprodukt.




Michael Moses gibt freimütig zu, dass er nicht viel Ahnung von Kunst hat. Der Management-Professor an der New York University hat weder Kunstgeschichte studiert, noch versteht er sich auf den „Produktionsprozess von Kunst“, wie er nüchtern formuliert. „Mein einziger Versuch, mich als Künstler zu betätigen, war ein Kurs für Landschaftsmalerei in der Toskana gemeinsam mit meiner Frau. Danach war uns beiden klar, dass wir nicht die Laufbahn wechseln sollten.“

Seit 20 Jahren sammelt Moses jedoch Gemälde und hängt sie in seine Wohnung im Greenwich Village oder in sein Büro im siebten Stock der Stern School of Business, einen Steinwurf vom Washington Square Park entfernt. „Manchmal sieht man ein Bild, und es hinterlässt einen bleibenden Eindruck fürs ganze Leben. Wenn man als junges Ehepaar ein Gemälde kauft, achtet man vor allem darauf, ob es über die Couch passt. Erst wenn man älter wird, traut man sich an Kunst heran, die mehr kostet als die Couch oder die gesamte Einrichtung“, erklärt Moses bei einem Gespräch in seinem Büro, dessen Wände bis auf den letzten Winkel mit gerahmten Drucken, Stichen und kleinen Ölgemälden bedeckt sind.

Seit seinem ersten Gemäldekauf hat der 63-jährige Wirtschaftswissenschaftler seine Leidenschaft für die Welt von Pablo Picasso, Henri Matisse und Norman Rockwell in rationale Bahnen zu lenken versucht. Für ihn ist der Kunstmarkt ein Spiel zwischen Angebot und Nachfrage, das genauso wie andere, prosaischere Investitionen, logisch zu erfassenden Regeln unterliegt. Das Werk „Vigil“ von Will Barnet in seinem Wohnzimmer etwa, sagt Moses, hat pro Jahr rund 13 Prozent an Wert zugelegt. Der Professor stochert hier nicht im Nebel, sondern kann auf harte Zahlen verweisen.

Gemeinsam mit seinem Akademikerkollegen Jianping Mei veröffentlicht Moses einen jährlich aktualisierten „Index der Schönen Künste“, der den Wert von Kunstwerken verfolgt, die bei Sotheby’s und Christie’s unter den Hammer kommen. Sein Fazit, nachdem sie mehr als 14.000 Transaktionen ausgewertet haben: Kunst schneidet als Anlageobjekt auf lange Sicht besser ab als festverzinsliche Wertpapiere und mindestens genauso gut wie die Aktien des Standard & Poor’s 500. Und Meisterwerke bringen nicht mehr Ertrag als Gemälde aus dem künstlerischen Mittelfeld.

Gemeinsam mit Mei veröffentlichte Moses 2002 eine weithin beachtete Studie in der American Economic Review. Ihr Versuch der Quantifizierung von Kunst war zwar nicht der erste, aber keiner ihrer Vorgänger verfügte über eine solche Datendichte von wiederholten Verkäufen der gleichen Werke. „Ich hatte den simplen Wunsch zu verstehen, wie sich der Wert von Kunstwerken entwickelt“, sagt Moses. „Das geht allerdings nur, wenn man sie mit einer objektiven Methode erfasst, die sowohl Kunstexperten als auch Ökonomen verstehen und respektieren.“

Kunstwerke werden knapp – und ihre Preise steigen

Ein Index, der ästhetischen Wert, Sammlerwut und Modetrends wie die Vorliebe für bestimmte Schulen oder Kunstperioden in ein ökonometrisches Korsett zu pressen versucht, das sonst Wertpapieren oder Märkten vorbehalten ist, kämpft mit vielen Unwägbarkeiten. Der Markt ist im Vergleich zu Aktien, Währungen oder Warentermingeschäften ungleich heterogener und weniger liquide. Aber er brummt seit Beginn der Zivilisation. Nach Schätzungen des auf den Kunstmarkt spezialisierten Wirtschaftsforschungsunternehmen Kusin & Company in Dallas generierten Kunstwerke in 2001 weltweit Umsätze von 26,7 Milliarden Euro.

„Wer einen bestimmten Status in der Gesellschaft besaß, hat schon immer sein Haus oder seinen Amtssitz mit Kunstgegenständen geschmückt. Das führt dazu, dass das Angebot an Kunstwerken kontinuierlich abnimmt“, sagt Moses. Museen und große Sammlungen sorgen für zusätzlichen Nachfrageschub. „Die Preise für Kunstwerke steigen“, weiß Moses. „Die Frage für Wirtschaftswissenschaftler lautet, ob sie stark genug anziehen, so dass man einen Teil seines Vermögens in Kunst anlegen sollte.“

Nicht immer geht es dabei rational zu. Genauso wie sich Anleger auf ein hoffnungslos überteuertes Strandgrundstück stürzen und dafür Millionen hinlegen – wohl wissend, dass Grund und Boden an sich nicht so viel wert sind und die Immobilie nach ein paar Jahrzehnten der Brandung und Erosion nachgeben könnte –, zahlen Sammler oft Summen für ein

Gemälde, die mit reiner Vernunft oder fundamentalen Werten nicht zu erklären sind. Bei Kunst greift die „Greater Fool Theory“ – die Hoffnung also, dass sich andere Liebhaber finden werden, die bereit sind, für die Parzelle mit Pazifikblick oder den Warhol noch mehr zu zahlen.

Nur so lässt sich beispielsweise erklären, dass das Picasso-Werk „Garçon à la pipe“ im Mai dieses Jahres für die Rekordsumme von 104 Millionen Dollar von einem anonymen japanischen Milliardär ersteigert wurde. Der US-Geschäftsmann John Hay Whitney, der unter anderem den Film „Vom Winde verweht“ produzieren half, hatte das Bild 1950 für 30.000 Dollar erworben.

Solche langfristigen Entwicklungen sind es, die Moses interessieren. Selbst jener Rekord-Picasso etwa warf beim Nachrechnen erstaunlicherweise nur einen jährlichen Ertrag von 16,3 Prozent ab – während der S & P 500 im selben Zeitraum immerhin um 12,1 Prozent zulegte.

In den Mei-Moses-Index werden nur Werke mit nachgewiesener Herkunft aufgenommen, die bei Sotheby’s oder Christie’s in New York mindestens zweimal den Eigentümer wechselten. Bislang sind das gut 7000 Werke seit 1925. Um eine bessere Datendichte zu gewährleisten, haben die beiden Ökonomen zunächst nur seit 1950 versteigerte Werke in drei Kategorien analysiert: alte Meister und Malerei des 19. Jahrhunderts, amerikanische Malerei und Impressionisten sowie moderne Malerei. „Wir haben zwar Daten, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen, aber vor 1875 sind die Angaben zu lückenhaft, um daraus nützliche und vergleichbare Zahlen abzuleiten“, erklärt Moses.

Trotz der wilden Preissprünge für einige wenige Superstars der Malerei und einem weiten Feld unerkannter Genies, die nie mehr als einen fünfstelligen Betrag für ihre Werke erlösen werden, zeigt der Index, dass sich die Investition in Kunst nicht weniger lohnt als die in Aktien. „Wer sich 20 oder 30 Jahre Zeit lässt, für den ist Kunst eine sinnvolle Geldanlage – ohne dass man immer in die Top-Namen investieren muss“, resümiert der NYU-Professor. Mit dem Verlauf des Index lassen sich 70 Prozent der Wertschwankungen der 7000 erfassten Kunstwerke erklären, so Moses.

Eine aussagekräftige Korrelation zu allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie andere Experten vermuten, hat er bisher nicht gefunden – weder zur Inflationsrate noch zu Ölpreisen oder der Börse. Kunst scheint auf lange Sicht nach eigenen Regeln an Wert zu gewinnen, auch wenn externe Faktoren zuweilen für spekulative Blasen sorgen, die Zacken im Index hervorrufen. Und nicht alle Kunstrichtungen legen parallel im Preis zu. Amerikanische Malerei etwa hat seit 1950 die höchsten Wertzuwächse vorzuweisen, was Moses auf das gewachsene Interesse an einheimischer Kunst nach dem 200. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1976 zurückführt. Die Impressionisten hingegen erlebten Mitte der achtziger Jahre mit Wachstumsraten von jährlich fast 30 Prozent eine Blase, die 1989 platzte. Erst jetzt sei der Impressionisten-Index auf das Niveau vor dem Crash zurückgekehrt, erzählt Moses.

Für den stabil nach oben zeigenden Trend gibt es mehrere Gründe. Zum einen betrachten die wenigsten Sammler Kunstwerke als reine Anlageobjekte, von denen sie sich so kaltblütig trennen wie von einem Paket Aktien. Der Nutzen eines Kunstwerkes für seinen Eigentümer bestehe aus drei Komponenten, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler: dem Effekt auf das Vermögen, Genuss und Status. Wer genug Geld besitzt, um sich ein Meisterwerk zu ersteigern, für den ist der Nutzen eines Gemäldes als Anlageobjekt äußerst gering. Mit anderen Worten: Ein Millionär kauft ein berühmtes Ölgemälde nicht, um einen besonders großen Gewinn beim Weiterverkauf zu machen. Wäre das sein einziges Anliegen, würde er das Geld in einen Risikokapitalfonds stecken.

Die Freude, ein seltenes Original zu besitzen und als Sammler Teil eines erlauchten Zirkels zu sein, kann ein enormer immaterieller Nutzen sein. Allerdings: „Wer 100 Millionen für einen Picasso anlegt, erntet Erstaunen und Respekt. Aber nehmen wir einmal an, ich würde eine Milliarde zahlen, dann würde mich die Kunstwelt als Trottel oder Angeber nicht mehr ernst nehmen“, spottet Moses.

Es gibt also so etwas wie einen gefühlten Preis für Kunstwerke. Eine realistische Einschätzung des Marktwertes fällt jedoch selbst den Experten der Auktionshäuser schwer. Gut zwei Drittel aller zur Versteigerung ausgeschriebenen Kunstwerke erhalten zu Preisen den Zuschlag, die entweder über oder unter der vorher festgelegten Bandbreite liegen. Eines von drei Auktionsstücken geht gar nicht weg – was den Kunstmarkt im Vergleich zu anderen Märkten nicht gerade effizient oder liquide erscheinen lässt. „Die Zahlen belegen, dass jene Finanzfachleute und Kunsthäuser, die unseren Index kritisieren, selbst Probleme haben, Kunstwerke zu bewerten und richtig auszupreisen“, sagt Moses.

Doch auch wenn man ihren Wert nicht auf den Cent genau beziffern kann, hat Kunst an den eigenen Wänden einen Einfluss auf das Investitionsverhalten, glaubt das New Yorker Ökonomen-Duo. Wer wertvolle Gemälde oder Skulpturen besitzt, kann sie als Sachwerte seinem Portfolio zurechnen und deshalb seine Allokation in andere Anlageklassen ändern – auch ohne die Option, die Kunstwerke rasch wieder abzustoßen. Denn dafür sorgen schon die ungewöhnlich hohen Transaktionskosten von bis zu 25 Prozent des Verkaufspreises, die etwa Auktionshäuser dem Verkäufer in Rechnung stellen. Nach den Berechnungen von Mei und Moses wechselt ein Kunstwerk im Schnitt nur alle 28 Jahre den Eigentümer. Und auch dann ist der Grund nur selten die Gewinnmitnahme, sondern eher ein Todesfall mit nachfolgender Auflösung des Erbes oder der Wunsch, ein anderes, noch teureres Kunstwerk zu erwerben.

Um ein vollständiges Bild des Kunstmarktes zu bekommen, sind Mei und Moses gerade dabei, die Transaktionen für moderne Kunst in New York in ihren Index einzuarbeiten. Im Januar sollen die Daten aus 600 Käufen und Verkäufen Bestandteil der Datenbank sein. Im Frühling 2005 wollen sie zudem einen Index von in London gehandelter Kunst vorstellen.

Die gründliche Wert-Besichtigung hat einen handfesten praktischen Zweck. Was der Kunstmarkt braucht, glaubt Moses, sind eine transparentere Preisgestaltung, niedrigere Transaktionskosten und marktgängige Anlageformen: „Der Kunstmarkt befindet sich heute dort, wo der Immobilienmarkt vor 30 Jahren war.“ Damals konnte man entweder ein ganzes Gebäude kaufen oder den Großen beim Spekulieren zusehen. Heute gibt es offene und geschlossene Immobilienfonds, Immobilientrusts (REITs) oder durch Hypotheken gesicherte Wertpapiere, so dass individuelle Anleger mit jeder Art von Risikoprofil am Markt teilnehmen können. „Warum“, fragt Moses, „sollte man nicht beispielsweise eine Option auf die Wertsteigerung des Lebenswerkes eines Künstlers oder einen Index einer bestimmten Gattung erwerben können, und das alles für ein paar Prozent Provision, anstatt sich auf ein einzelnes Bild festzulegen?“

Links und Literatur

Mutual Art Inc / Artist Pension Trust
Jianping Mei, Michael Moses: Art as an Investment and the Underperformance of Masterpieces. In: American Economic Review, 2002, Vol. 92, No. 5, S. 1656–1668

600.000 Pfund für eine Zahnbehandlung

An der Umsetzung eines solchen innovativen Konzeptes für den Kunstmarkt arbeitet einen knappen Kilometer nördlich von Moses’ Büro ein Team von Finanz- und Kunstexperten. Der israelische Technologie-Unternehmer Moti Shniberg hat gemeinsam mit dem Wirtschaftswissenschaftler Dan Galai und dem renommierten Museumsmann David Ross – ehemaliger Direktor des Museum of Modern Art und des Whitney Museum of American Art – das Unternehmen Mutual Art Inc. aus der Taufe gehoben. Das Trio mit Sitz an der Fifth Avenue plant, Fonds aufzulegen, die aus Kunstwerken bestehen. Damit wollen sie nicht nur ein neues Investmentprodukt kreieren, sondern auch eine Art Rentenversicherung für Künstler: Wer als Mitglied in einem der geplanten zwölf Fonds aufgenommen wird, zahlt eigene Kunstwerke ein und erwirbt damit das Anrecht, 20 Jahre später eine Rente zu beziehen. „Ich habe genügend Bekannte und Freunde, die Künstler sind. Bei ihnen kann ich sehr direkt miterleben, dass sie oft keinerlei soziale Absicherung oder Altersversorgung haben“, sagt Shniberg.

Künstler gehen am Anfang ihrer Karriere oft Tauschgeschäfte ein, um Rechnungen zu bezahlen. Das führte dieses Jahr zu dem sonderbaren Ergebnis, dass ein britischer Zahnarzt plötzlich auf der Liste der 100 einflussreichsten Kunstliebhaber der Welt im Magazin Art Review auftauchte. Der Grund: Dr. Adrian Mullish hatte in den neunziger Jahren unter anderem Damien Hirst behandelt und sich seine Füllungen und Kronen mit Werken bezahlen lassen, die heute rund 600.000 Pfund wert sind. „Da wird viel unnötig verschenkt. Mit etwas Nachdenken sind wir auf eine einfache Lösung gekommen, um Künstlern ein Sicherheitsnetz zu bieten“, sagt Shniberg, der sein Vermögen mit Marketing-Software verdiente.

Er holte sich den Risiko-Management-Experten Galai an Bord, der unter anderem an der Universität Chicago gelehrt und einen Volatilitätsindex namens VIX für die Optionsbörse CBOE entwickelt hatte. Nach gut drei Monaten Tüftelei hatten die beiden gemeinsam mit dem Kunstveteranen Ross das Geschäftsmodell für einen neuartigen Künstlerfonds entwickelt, das sie gleich zum US-Patent anmeldeten. „Die Idee ist faszinierend“, beschreibt Galai sein Interesse an Shnibergs Projekt. „Ich befasse mich nicht nur seit mehr als 30 Jahren mit innovativen Finanzinstrumenten, sondern sammle auch Kunst. Wir haben ein Produkt entwickelt, das eine reizvolle Geldanlage ist und gleichzeitig Künstlern hilft.“ Die örtlich begrenzten Künstlerfonds funktionieren als Risiko-Pool, wie ihn sich Moses wünscht. Ein Auswahlkomitee aus vier bis fünf Kunstfachleuten lädt pro Stadt 250 Künstler ein, die nach einem Staffelungsschlüssel über 20 Jahre hinweg 20 Kunstwerke dem Trust übereignen. Shnibergs Unternehmen verwaltet die Gemälde, Skulpturen oder Installationen treuhänderisch, leiht sie an Galerien oder Museen aus und verkauft ausgesuchte Stücke nach frühestens fünf bis sieben Jahren, wenn die Marktbedingungen stimmen.

Für ihre Werke erhalten die Künstler maximal 100 Optionsscheine oder Punkte, die sie zu späteren Rentenbezügen berechtigen – egal, ob sie zu hoch dotierten Stars werden oder ein Leben lang im Verborgenen pinseln. Um die Spanne zwischen einigen wenigen Superstars und der Masse weniger erfolgreicher Künstler abzufedern, erklärt Galai, werden die Erlöse aus eventuellen Verkäufen zu gleichen Teilen dem jeweiligen Urheber gutgeschrieben und kommen dem gesamten Pool aller 250 Fonds-Anteilseigner zugute. Ab dem zwanzigsten Jahr ihrer Mitgliedschaft können die Künstler eine Pension beziehen, bis zum fünfzigsten Jahr seines Bestehens will der Fonds seine gesamte Kunstsammlung verkauft haben. Das Geld wird in herkömmliche Anlageprodukte investiert.

Umsorgen, bekannt machen, Begierde wecken

„Das Risiko lässt sich gut kalkulieren“, sagt Galai, der in Jerusalem an der Hebrew University, School of Business Administration lehrt, wenn er nicht in New York ist. Selbst wenn weniger als ein halbes Prozent der 250 Teilnehmer eines Fonds zu Stars werden, deren Werke siebenstellige Beträge kosten, könne jeder der Beteiligten mit 750.000 bis 1,5 Millionen Dollar Guthaben rechnen. Und das, obwohl die meisten Kunstwerke einzahlen werden, die zum Zeitpunkt der Übereignung an den Trust nicht mehr als 10.000 Dollar wert sind. Zu dem Wertzuwachs der Kunstwerke über die Laufzeit des Fonds (erwartet werden 12 bis 13 Prozent) gesellt sich der Wertzuwachs der erlösten Gelder, die von professionellen Managementfirmen angelegt werden (noch einmal 12 bis 13 Prozent).

Für David Ross füllt der Fonds eine echte Lücke. „Wir helfen Künstlern, die eine besondere Sorte von Produzenten sind. Sie geben oft die Früchte ihrer Arbeit weg, bevor sie an Wert gewinnen. Wir nehmen ihre Kunst so ernst, als ob sie bares Geld wäre.“ Entscheidend ist dabei für Ross, dass ein Komitee die Kunstszene vor Ort kennt und jene Künstler aussucht, deren Werke Qualität, Originalität und Ausdauer besitzen. „Wir sind nicht wie eine Galerie, die eine schnelle Nummer für eine Ausstellung sucht und dann den nächsten nimmt. Wir wollen jemanden auswählen, den wir mit nach Hause nehmen können“, sagt Ross. „Wir wollen die Kunstwerke umsorgen, bekannt machen und ihren Wert managen, so dass sie in der Öffentlichkeit zu Objekten der Begierde werden.“

Dazu müssen Künstler nicht einmal jedes Jahr ihr bestes Stück beisteuern. „Das sollten sie besser an eine Stiftung oder eine Galerie verkaufen. Ebenso wenig wollen wir aber den Ladenhüter“, erklärt Ross. Als Beispiel nennt er den Bildhauer Charles Ray aus Los Angeles. Er modelliert lebensechte Menschen aus Glasfaser und Stahl. Als Ross 1992 seine Skulptur „Boy“ für das Whitney-Museum kaufte, zahlte er 35.000 Dollar. „Heute sind seine Skulpturen 1,3 Millionen wert, und es gibt eine Warteliste. Charles wird garantiert in unserem Los-Angeles-Fonds sein“, schwärmt der Museumsfachmann.

Wer ständig neue Kandidaten sichtet, die ihre Pinselstriche in eine gute Pension umwandeln wollen, sammelt schnell eine wertvolle, ständig aktualisierte Kunstdatenbank an. Auch diesen Aspekt wollen sich Shniberg und Galai patentieren lassen. Denn nach den Künstlern soll sich auch die anlegende Öffentlichkeit ein Scheibchen Künstlerruhm abschneiden können. „Die Pensionsfonds sollen die Basis für weitere Dienstleistungen und Produkte werden“, sagt Galai. „Man kann Gruppen von Kunstwerken zur Grundlage für verschiedene Wertpapier-Instrumente machen und verkaufen.“ Am Ende könnte von Los Angeles über Tokio bis Berlin eine ganze Reihe neuer Kunst-Indizes und Index-Zertifikate entstehen. 

Die Kunst der Bewertung von Kunst

Für ihren „Index der Schönen Künste“ werteten Michael Moses und Jianping Mei alle Kataloge von Christie's und Sotheby's seit 1950 aus. In den Index aufgenommen wurden jene Werke, die mehrfach öffentlich verkauft wurden. Jede Transaktion wurde zu einem Datensatz. Für die erste Version des Index verwendeten Moses und Mei insgesamt 4896 solcher Datensätze.

Zur Berechnung des Index nutzen die beiden das so genannte „Repeat Sales Regression“-Modell, eine gebräuchliche Methode, um aus Kauf- und Verkaufspreis für einzelne Stücke einen Durchschnitt zu errechnen. Als Korrekturfaktoren rechneten sie die Performance von fünf anderen Indizes mit ein: Art Index, DJ Industrial Total Return Index, US Government Bonds Total Return Index, US Corp Bond TRI und US T-Bill TRI.