Der kleine Unterschied

Welchen Wert hat eigentlich Arbeit? Den, der sich in der Bezahlung ausdrückt?
Der eine lernt elf Jahre – und entscheidet über Leben und Tod.
Die andere ist verantwortlich für die optimale Präsentation von Salzgebäck – der größte anzunehmende Unfall: ein abgelaufenes Verfallsdatum. Unterschiedliche Tätigkeiten, unterschiedliche Qualifikationen, ganz andere Verantwortung.
Am Ende bleibt nur: Der kleine Unterschied




Banker, 36
Vermögensberater, stellvertretender Abteilungsleiter einer Sparkasse, mittlere Kleinstadt

Jahresgehalt: 49.980 Euro (14 Gehälter);
3570 Euro brutto im Monat.
Bezahlung nach BAT, das bedeutet:
Das Monatsgehalt steigt alle zwei Jahre um rund 100 Euro
(bis zum 43. Lebensjahr).

„Mein Job ist die Beratung und Betreuung vermögender Privatkunden. Das beginnt mit der Analyse der Finanzstruktur und endet beim Umsetzen einer konkreten Strategie.
Ich muss immer gut informiert sein, deshalb beginnt mein Tag mit gut einer Stunde Recherche: Tages- und Fachzeitschriften, interne Informationen, Analystenberichte. Manchmal muss darauf gleich reagiert werden, weil Kunden Anlagen in ihrem Portfolio haben, die von den Neuigkeiten betroffen sind.
Pro Tag führe ich zwei bis drei persönliche Beratungsgespräche, viele weitere am Telefon. Jedes Gespräch muss gut vorbereitet sein. Welche Anlagen hat der Kunde, wie steht es mit Vorsorge, Immobilien, steuerlichen Vorgaben? Müssen Lücken geschlossen werden? Mein Alltag ist abwechslungsreich.
Fehler? Ja, die können passieren. Wenn ich eine Order falsch ausführe und dem Kunden dadurch Verluste entstehen, erfährt er davon nichts, die Sparkasse gleicht die Differenz aus. Das passiert einem anfangs ein- oder zweimal.
Daneben gibt es Fehler in der Beratung: Bekannte Tatsachen wurden nicht berücksichtigt, Empfehlungen waren nicht auf die finanziellen Verhältnisse abgestimmt. Dadurch entstandene Verluste können auch nach zwei bis drei Jahren zu Regressforderungen des Kunden führen. Die Schadenshöhe ist nicht begrenzt, es gab schon Fälle, da lagen die Schadenssummen im sechsstelligen Bereich. Das ist aber eine seltene Ausnahme, mir ist das noch nie passiert, obwohl die Beratung in Phasen von Rezession und Börsen-Crash gar nicht so leicht ist.
Meine Arbeitszeit beträgt offiziell 38,5 Stunden, tatsächlich sind es 40 bis 45. Wir führen ein Zeitarbeitskonto. Überstunden sollten eigentlich durch Freizeit ausgeglichen werden, das lässt die Arbeit aber nicht zu. Mit dem 14. Monatsgehalt sind sie deshalb pauschal entgolten. Das bekommt allerdings jeder, egal, ob er Überstunden macht oder nicht. Daneben haben wir ein Prämiensystem. Stimmen die Zahlen der Abteilung, gibt es für alle innerhalb des Teams – wenn die Einzelzahlen zum Teamerfolg passen – eine Ausschüttung. Die Höhe der Gesamtprämie wird vom Vorstand festgelegt.
Ab fünf Jahren Betriebszugehörigkeit erhält jeder Mitarbeiter eine betriebliche Altersrente, die Zusatzversorgungskasse, die komplett vom Arbeitgeber übernommen wird.
Unsere Abteilung besteht aus acht Mitarbeitern, ich bin stellvertretender Abteilungsleiter. Entscheidungen treffe ich im Tagesgeschäft in vollem Umfang, langfristige Entscheidungen und Personalfragen obliegen dem Abteilungsleiter.
Meine Ausbildung? Nach einer Lehre als Bankkaufmann und einigen Praxisjahren besuchte ich verschiedene Aufbaulehrgänge, bevor ich dann an der Sparkassenakademie Baden-Württemberg einen sechsmonatigen Fachlehrgang zum Bank-Betriebswirt machte. Dem folgte später eine vierwöchige Weiterbildung im Bereich der Vermögens- und Anlageberatung. In meinem Beruf sind ein bis zwei Fortbildungen pro Jahr normal. Die Kosten trägt der Arbeitgeber.
Ob ich gerecht bezahlt werde? Wenn ich sehe, was in großen Industrieunternehmen gezahlt wird, ist es unterdurchschnittlich. Verglichen mit Deutschland allgemein, bin ich ganz zufrieden. Vor einigen Jahren noch haben andere Banken bis zu 10.000 Euro im Jahr mehr bezahlt, heute könnte ich auch anderswo nicht mit höheren Bezügen rechnen.“

Lehrerin, 41
Grund- und Hauptschullehrerin in einer Kleinstadt in Baden-Württemberg

Jahresgehalt: 40.800 Euro.
Besoldungsgruppe A12, Dienstaltersstufe 8.
Grundgehalt 3140 Euro brutto plus Familienzuschlag (104 Euro) plus Landesanteil (156 Euro), gesamt: 3400 Euro brutto.
Das entspricht 2511 Euro netto, aufgrund geringerer Steuern für Beamte.
12 Gehälter, kein Urlaubs- und kein Weihnachtsgeld.

„An der Grundschule unterrichte ich alle Fächer. Die neuen Unterrichtsformen legen großen Wert auf Individualisierung, jedes Kind soll dort abgeholt werden, wo es vom Lernvermögen her steht. Frontalunterricht ist out, stattdessen gibt es Lerntheken und Lernzirkel. Das erfordert natürlich viel mehr Vorbereitung. Unterrichtsmaterialien muss man aufgrund der knappen finanziellen Mittel häufig selbst basteln, manchmal gemeinsam mit den Eltern.
Dazu kommen – vor allem durch die neuen Bildungspläne – diverse Konferenzen wie Fach-, Gesamtlehrer- (alle drei Wochen etwa zwei Stunden) und Schulkonferenz. In den ersten drei Wochen des neuen Schuljahres haben wir uns an fünf Nachmittagen getroffen, um die neuen Lehrpläne zu erarbeiten.
Immer mehr Raum nehmen Gespräche mit Eltern ein, die bis zum Kontakt mit dem Jugendamt gehen können. Einmal im Halbjahr findet ein Elternabend statt, an Elternsprechtagen bieten wir neben der Sprechstunde Gelegenheit zu Einzelgesprächen. Dazu kommen Schullandheimaufenthalte und Aktivitäten wie Lese-Nachmittag, Adventsfeiern, Theaterstücke einüben. Weil die Schule von der Gemeinde bezahlt wird, wird zudem erwartet, dass wir uns an örtlichen Festen beteiligen – mit dem Chor oder durch Plakatemalen. Fortbildungen finden meist nachmittags statt.
Die Hauptverantwortung haben wir gegenüber den Schülern – das kann bei einer Klasse von bis zu 33 Kindern ganz schön anstrengend sein. Unsere Bewertung hat großen Einfluss auf das Selbstverständnis und Selbstwertgefühl der Kinder und natürlich auch direkte Auswirkungen auf deren Schullaufbahn, auf die Versetzung und den Besuch weiterführender Schulen. Zudem haben Schulnoten starke Auswirkungen auf das Familienklima.
Neben den rein fachlichen Inhalten verbringen wir immer mehr Zeit damit, den Kindern ein ordentliches Sozialverhalten mitzugeben, Respekt, Wortwahl, Höflichkeit. Werte, die Kinder in der Familie oft nicht mehr mitbekommen. Verantwortung haben wir aber auch gegenüber den Eltern und dem Schulträger, also dem Land.
Offiziell haben wir im öffentlichen Dienst eine 38-Stunden-Woche. Ich habe ein volles Deputat, ich unterrichte also 28 Wochenstunden. Für die Vor- und Nachbereitung werden vom Arbeitgeber, dem Bundesland, weitere 45 Minuten pro Unterrichtsstunde veranschlagt. Schon allein damit komme ich auf 42 Stunden – Schulaktivitäten wie Konferenzen, Bus- und Pausenaufsicht, Elterngespräche nicht eingerechnet. Statistisch haben Lehrer eine 54-Stunden-Woche, verrechnet man die mit den längeren Ferien, bleibt immer noch eine 45-Stunden-Woche.
Hilfsmittel bekommen wir nicht. Wir bringen unsere eigenen Stifte, Papier und sonstige Arbeitsmittel mit, von der Schule wird nichts gestellt, auch keine Verpflegung. Oft genug muss heute sogar das Unterrichtsmaterial selbst vorbereitet werden.
Die Mindeststudiendauer an der Pädagogischen Hochschule beträgt sechs Semester, ich habe mein Studium, Grund- und Hauptschullehrerin Schwerpunkt Grundschule, in acht Semestern gemacht. Dann macht man das erste Staatsexamen und anschließend anderthalb Jahre Referendariat. In dieser Zeit rackert man sich wirklich ab. Man hat einen Lehrauftrag von zwölf Stunden, wird ständig selbst geprüft, muss Seminare besuchen und wird ausgebildet. Dafür bekommt man etwa 900 bis 1000 Euro.
Danach folgt das zweite Staatsexamen. Wenn man Glück und einen sehr guten Schnitt hat – meiner lag bei 1,3 – wird man dann eingestellt. Wünsche für den Einsatzort kann man zwar anmelden, berücksichtigt werden sie nur bedingt. Die Umzugskosten werden vom Arbeitgeber nicht übernommen. Die ersten Jahre ist ein Lehrer angestellt, danach verbeamtet.
Ich bin zufrieden, ich möchte nichts anderes machen. Das Schöne an meinem Beruf ist ein Lächeln von den Kindern oder eine positive Rückmeldung. Wenn ich sehe, was in der freien Wirtschaft verdient wird, werde ich allerdings schon manchmal neidisch. Andererseits: Mein Mann ist in der Wirtschaft – und momentan arbeitslos. Da bin ich doch froh, dass ich Beamtin bin.“

Chirurg, 35
Assistenzarzt in einer Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, 700 Betten,
5. Ausbildungsjahr zum Facharzt für Allgemeinchirurgie

Jahresgehalt: 34.200 Euro; 2850 Euro brutto ohne Zulagen für Bereitschaftsdienste; 12 Gehälter; weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld;
keine Sozialleistungen.

„Derzeit arbeite ich in der Rettungsstelle, das heißt, ich bin entweder auf Station oder im Operationssaal. Etwa 20-mal im Monat operiere ich selbst, das ist nicht viel. Wenn ich assistiere, führe ich die Kamera, sauge Flüssigkeit ab, binde Gefäße ab, reiche Instrumente und schneide auch selbst. Eine OP kann sechs bis sieben Stunden dauern. In dieser Zeit darf nicht gegessen oder getrunken werden.
Auf der Station bearbeite ich Neuzugänge, nehme Notfälle auf, bereite Patienten für die Operation vor, berate sie. Bestimmt 40 Prozent der Arbeitszeit verbringe ich mit Verwaltungsarbeit, mit Briefen an die Krankenkassen, mit OP- und Entlassungsberichten und mit Patientenakten. In der Rettungsstelle bin ich immer mal wieder allein, wenn der Unfallchirurg kurzfristig in den OP gerufen wird. Da kommt es vor, dass ich Entscheidungen treffen und Handlungen durchführen muss, die über mein Wissen hinausgehen. Dann gucke ich ins Buch und hoffe, dass alles klappt. Bisher habe ich Glück gehabt, aber mit einem Bein steht man immer im Knast. Natürlich geht es nicht ständig um Leben und Tod. Manchmal verursacht eine falsche Untersuchung nur hohe Kosten. Theoretisch muss die Krankenkasse vorher immer gefragt werden, praktisch geht das natürlich nicht.
Wir haben eine Kernarbeitszeit von 6.30 bis 16.45 Uhr, Spätdienst von 12 bis 21 Uhr. Der Bereitschaftsdienst geht von 17.45 bis 9.45 Uhr am nächsten Morgen. Davon habe ich fünf bis sechs im Monat, je nach Krankenstand und Urlaubszeit. Das Gesetz schreibt Ruhezeiten vor, aber in der Praxis kommt man gelegentlich um 23 Uhr nach Hause und muss am nächsten Morgen wieder um 6.30 Uhr antreten.
Meine Ausbildungszeit dauert elf Jahre: Vier vorklinische Semester, die mit dem Physikum abschließen, acht klinische mit erstem und zweitem Staatsexamen. Nach einem praktischen Jahr folgt das dritte Staatsexamen, und man ist teilapprobiert. Ich habe dann noch 18 Monate als Arzt im Praktikum draufgesattelt, das ist inzwischen abgeschafft. Ja, dann fünf Jahre als Assistenzarzt, und man kann sich zur Facharztprüfung anmelden. Wer nicht alle vorgeschriebenen Operationen und Therapiekonzepte nachweisen kann, muss sie gezielt nachholen und verliert weitere Zeit.
Alle Fortbildungen zahlen wir selbst, immerhin gewährt der Arbeitgeber fünf Fortbildungstage. Zudem stellt er sechs Kleidungsstücke: zwei Hosen, zwei Oberteile, zwei Kittel. Theoretisch soll das zum Wechseln reichen und innerhalb von 24 Stunden gereinigt zurückkommen. Praktisch kann es bis zu zwei Wochen dauern. Und weil man die Kleidung oft auch während der Schicht wechseln muss, wäscht jeder selbst.
In Anbetracht der Verantwortung und der körperlichen und seelischen Belastung finde ich mein Gehalt nicht angemessen. Aber es ist gut und macht Mut, wenn die Patienten ihre Angst verlieren und Vertrauen fassen. Meine Motivation von einst ist allerdings dahin.“

Verkäuferin, 35
Angestellte in einem Lebensmittelmarkt, Kleinstadt

Jahresgehalt: 30.360 Euro; 2300 Euro brutto plus 60 Prozent Urlaubsgeld (tariflich) und 60 Prozent Weihnachtsgeld (freiwillig).

„Ich bin für Süßwaren und Salzgebäck zuständig. Montag und Donnerstag kommt neue Ware, die räume ich ein, baue sie auf und schaue, dass alles sauber und gut aussieht. Den restlichen Tag sitze ich an der Scannerkasse. Wenn nicht viel los ist, gehe ich an den Regalen entlang, ziehe die Ware wieder vor. Ab und zu kommt ein Vertreter, dann bestelle ich, was fehlt. Die großen Bestellungen für Weihnachten und Ostern mache ich zusammen mit einer Kollegin. So viel Freiheit ist sehr ungewöhnlich. Vorher war ich bei einem Lebensmittel-Discounter, da wurden die Bestellungen von der Zentrale aufgegeben, später sogar die Regale von einer Firma eingeräumt. Ich saß nur an der Kasse und hatte überhaupt keine Verantwortung.
Fehler sind nicht so tragisch. Wenn ich mich an der Kasse vertippe, merke ich es meist bei der Endsumme und entschuldige mich. Wenn ich falsch bestelle und sich etwas schlecht verkauft, baue ich es noch einmal schöner auf oder reduziere den Preis, bevor das Verfallsdatum abläuft. Und achte darauf, dass ich es beim nächsten Mal gar nicht oder in geringerer Menge bestelle.
Meine Arbeitszeit ist tariflich geregelt: 37,5 Stunden die Woche. Wir arbeiten im Zwei-Schichtsystem von 7 bis 14 und von 14 bis 20 Uhr. Abends kann es mal eine viertel oder halbe Stunde länger gehen. Wir arbeiten im Wechsel mal sechs, mal vier Tage die Woche. Ich arbeite jeden zweiten Samstag. Überstunden fallen kaum an, wenn doch, werden sie durch Freizeit abgegolten. Ich habe eine Viertelstunde Pause, das reicht, weil ich am Tag nur sechs Stunden arbeite. Die Firmenkleidung wird gestellt und gewaschen.
Ich komme aus dem ehemaligen Jugoslawien, habe dort die Hauptschule abgeschlossen und in Deutschland gleich angefangen zu arbeiten. Eine Ausbildung habe ich nie gemacht – die meisten meiner Kolleginnen haben eine Verkäuferausbildung absolviert. Die Lehre dauert drei Jahre, ein Jahr später ist man Fachverkäuferin.
Ich bin zufrieden, aber natürlich könnte es auch mehr Gehalt sein. Mir gefällt, dass ich mehr Freiheiten und Verantwortung habe als bei dem Discounter. Und dass die Arbeitsatmosphäre angenehm ist, man sich auch mal mit der Kundschaft unterhalten kann. Wenn das Arbeitsklima stimmt, geht man einfach fröhlicher ins Geschäft.“

Elektriker, 36
Schichtarbeiter in der Nacharbeit eines Automobilkonzerns

Jahresgehalt: 41.242 Euro; Grundgehalt von 3034 Euro, dazu ein 13. Gehalt Urlaubsgeld plus 1800 Euro Weihnachtsgeld.
Außerdem – abhängig vom Unternehmenserfolg – Gewinnbeteiligung. Im vergangenen Jahr: 1300 Euro.

„Bei uns wird die Arbeit in Arbeitswerte eingeteilt, je nachdem, wie anspruchsvoll sie ist. Ein Bandarbeiter hat 21 AW, wir haben 28. Ein AW wird mit 30 Euro angesetzt, daraus ergibt sich unser Grundgehalt und auch die Höhe der Zulagen und der Betriebsrente, auf die man früher nach zehn Jahren Betriebszugehörigkeit Anspruch hatte. Ich bekomme noch eine Rente, neu eingestellte Kollegen nicht mehr. Bei 28 AW und insgesamt 35 Arbeitsjahren erhalte ich im Rentenalter mehr als 300 Euro monatlich.
Ich arbeite in einem Team mit 35 Leuten, wir nehmen die letzten Reparaturen und Korrekturen am Fahrzeug vor, bevor es zum Kunden geht. Für jede Fahrzeugklasse gibt es eine eigene Nacharbeitsgruppe. Alle Fehler, die von Kontrolleuren gefunden wurden, müssen wir beheben. Das kann ein Problem im Innenbereich sein, wenn etwa der Himmel kaputt ist, das können aber auch elektrische Fehler an Radio, Klimaanlage oder Navigation sein oder störende Geräusche, nicht funktionierende Seitenscheiben oder Airbags. Die Arbeit ist interessant und abwechslungsreich. Wir kennen das Auto extrem gut, aber natürlich kann man nicht alles wissen. Autos sind mittlerweile ja hoch technisiert und mit sehr sensibler Elektronik ausgestattet. Aus dem Intranet holen wir uns Schaltpläne und Arbeitsanweisungen, in denen steht genau, wie man ein Teil wechseln und was man dabei beachten muss. Eine Vorgabe, wie viele Wagen wir schaffen müssen, gibt es nicht, schließlich variiert der Zeitaufwand enorm. Mal ist es eine Kleinigkeit, mal muss ich das ganze Auto zerlegen.
Wir sind die letzte Instanz vor dem Kunden, uns kontrolliert niemand mehr. Damit haben wir eine sehr hohe Verantwortung. Jeder Mitarbeiter hat einen persönlichen Stempel mit seiner Nummer und signiert damit, was er gemacht hat. Bei Sicherheitsteilen müssen wir das zudem schriftlich festhalten. Für grob fahrlässige Fehler können wir haftbar gemacht werden.
Wir haben eine 35-Stunden-Woche und arbeiten im Zwei-Schicht-Dienst. Pro Schicht haben wir eine Stunde Pause: 15 Minuten zum Frühstück, 35 Minuten zum Mittag, dazu unsere „Steinkühler-Pausen“. Überstunden kommen vor. Wenn es klemmt, hängen wir an die Spätschicht zwei Stunden an oder kommen am Samstag. Für Überstunden und Samstagsarbeit gibt es 25 Prozent Aufschlag auf den Stundenlohn, für Sonntagsarbeit und Nachtschicht 50 Prozent.
Zusätzliche Leistungen? Vom Werk bekommen wir Sicherheitsschuhe, unsere Arbeitskleidung wird von der Firma gereinigt, dafür zahlen wir fünf Euro im Monat.
Unsere Kantine ist bezuschusst, für ein Mittagessen mit Getränk zahlen wir vier bis fünf Euro. Außerdem kann man als Mitarbeiter einen Jahreswagen günstiger bekommen, das lohnt sich aber nicht mehr sonderlich. Früher habe ich auf dem Parkplatz lauter Wagen unserer Firma gesehen, heute sind es nicht mehr so viele.
Ich habe Elektroanlagen-Installateur gelernt, anschließend Energieanlagen-Elektroniker. Meine erste Anstellung hatte ich bei einer großen Computerfirma, jetzt bin ich seit 14 Jahren hier im Haus. Wir müssen uns regelmäßig fortbilden, besuchen gut zehn Schulungen im Jahr, die zwischen zwei Stunden und zwei Tagen dauern. Schließlich müssen wir immer auf dem neuesten Stand sein, was Technik, Sicherheit, Elektronik und Steuergeräte der neuesten Modelle unserer Klasse angeht.
Der Wert meiner Arbeit? Schwere Frage. Einerseits finde ich es nicht gerecht, dass ich nur 200 Euro mehr bekomme als einer, der am Band steht und jeden Tag die selben drei Schrauben reindreht. Ich habe viel mehr Verantwortung, muss fast das ganze Auto kennen. Andererseits ist diese Vielseitigkeit natürlich sehr spannend. Ich gehe gerne zur Arbeit. Meist komme ich 20 bis 30 Minuten früher, weil ich noch mit den Kollegen zusammensitze, um gemütlich Kaffee zu trinken und zu quatschen.“

Informatiker, 40
Leiter International Desktop Operations in einem internationalen Systemhaus für IT-Serviceleistungen, Mitglied der Geschäftsleitung einer Business Unit.

Jahreszielgehalt: 122.000 Euro; 10.166 Euro im Monat; 70 Prozent (85.400) davon fix, rund 30 Prozent variabel; die Variable kann durch gute Leistung um 50 Prozent erhöht werden.

„Unsere Firma deckt den gesamten IT-Bereich ab – vom Angebot zur technischen Fachunterstützung und Problemlösung über Transition and Migration, also den Übergang vom Ist-Zustand der EDV des Kunden zum Soll-Zustand, bis hin zum Delivery Management, das heißt, dass wir den Kunden beim Betrieb des Systems über die gesamte Laufzeit betreuen.
Meine Arbeit hat viele Komponenten. Personalaufgaben (Mitarbeitergespräche, Beurteilungen, Gehaltsgespräche; mein Team besteht aus 30 Mitarbeitern), Vertriebsunterstützung, Projektmanagement, IT-Betrieb und Kostenverwaltung (Finance und Controlling). Im Alltag bedeutet das zahllose Gespräche mit Kunden, hunderte von Telefonaten, noch viel mehr E-Mails. Oft geht es innerhalb von Minuten um völlig unterschiedliche Themen, Kulturen und Kundensituationen.
Mindestens 60 Prozent meiner Zeit verbringe ich auf Reisen in die ganze Welt. Wenn ich zwei Tage in der Woche im Büro bin, ist das viel. In den ersten drei Quartalen 2004 habe ich 190.000 Lufthansa-Meilen erflogen. Während der Flüge lese ich und bereite mich auf meine Termine vor. Da geht es um Vertragsverhandlungen, Betreuung, Vertriebsunterstützung und die Akquise von Neugeschäft. Abends bin ich fast immer mit Kunden unterwegs.
Ich lese Fachzeitschriften ohne Ende, vor allem Wirtschafts- und IT-Magazine, aber permanente Weiterbildung ist wichtig: Was braucht der IT-Markt?
Jede Entscheidung ist eine Kostenentscheidung. Von meinen Verhandlungen hängt ab, ob wir über Jahre hinweg draufzahlen oder rategischen, unternehmenspolitischen und kaufmännischen Gesichtspunkten hoch und runter beleuchte. Manche gehen auch erst an die Gesamtgeschäftsführung, bevor endgültig entschieden wird. Dazu kommen diverse Entscheidungen, die meinen Bereich am Leben halten. Hier muss ich Vorbild sein.
Meine Arbeitszeit liegt zwischen 60 und 80 Stunden die Woche, im Vertrag eines leitenden Angestellten ist allerdings keine Arbeitszeit festgehalten. Reisen zählen zur Arbeitszeit, Essen mit Kunden nicht. Ich habe einen Firmenwagen und Aktienoptionen, ich bekomme eine Betriebsrente und kann darüber hinaus extrem gute Ausbildungsmöglichkeiten wahrnehmen. Ich bin im Top-Executive-Förderprogramm unserer Firma, das bedeutet: Seminare in St. Gallen und an internationalen Top Business Schools.
Mein Werdegang ist eine Ausnahmekarriere: Nach der mittleren Reife und dem Wirtschaftsabitur war ich zwölf Jahre beim Bund, bevor ich den Technik-Informatiker und im Abendstudium den Diplom-Betriebswirt machte. Bei einer Unternehmensberatung begann ich als Leiter Benutzerservice und Netzwerkadministrator für deren interne EDV, stieg zum IT-Leiter Süddeutschland auf und wechselte schließlich als Bereichsleiter zu einem Konkurrenzunternehmen, bevor ich zum Vorgänger des Systemhauses ging, bei dem ich jetzt arbeite. Hier begann ich als Leiter Servicemanagement Süddeutschland, wurde Deutschlandchef und bin jetzt Leiter International.
Wie meine Arbeit honoriert wird? Derzeit angemessen.“