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Erst denken, dann lenken

Das Symbol der Globalisierung ist 20 Fuß lang, 8 Fuß breit und 8 Fuß 6 Zoll hoch, und eigentlich war es ein Zufallsprodukt. Irgendwann war es der amerikanische Spediteur Malcolm McLean einfach leid, die Fracht aus den Anhängern seiner Lkw immer mühsam auf Schiffe umzuladen, also ließ er seine Transportgüter eines Tages samt Hänger verladen und irgendwann danach nur noch den Behälter selbst. 50 Jahre ist das jetzt her, es war die Geburtsstunde des Containers; und was als spontane Idee in New York seinen Anfang nahm, ist aus der modernen Wirtschaft nicht mehr wegzudenken: Allein im vergangenen Jahr wurden in den Seehäfen der Welt fast 100 Millionen Standardcontainer verschifft. In zehn Jahren sollen es mehr als doppelt so viele sein. Tendenz weiter steigend.




Auch vom Gütertransport auf der Straße, der Schiene oder in der Luft lassen sich Jahr für Jahr neue Rekorde vermelden. Schon das Transportvolumen innerhalb der 15 EU-Staaten summierte sich 2005 auf drei Billionen Tonnenkilometer. Größer, schneller, weiter: Die arbeitsteilige Weltfabrik lässt die Warenströme rund um den Globus kontinuierlich anschwellen – und die Anforderungen wachsen: Wer die Welt als Einkaufsquelle betrachtet und als Markt, muss die Logistik ins Zentrum der Unternehmensstrategie rücken. „Das punktgenaue Management einer globalen Logistikkette – vom Vorlieferanten über Produzenten, Transporteure, Fertigungs-, Umschlags- und Absatzlager bis hin zum Kunden – ist die Voraussetzung für glatte Modellanläufe, hohe Lieferfähigkeit und eine schnelle Reaktion auf Kundenwünsche“, schreiben die McKinsey-Berater Carl-Stefan Neumann und Martin R. Stuchtey in ihrem Beitrag zu diesem Heft (Seite 8). Gleichzeitig weiß keiner besser als sie, wie weit der Weg für die meisten noch ist zwischen dieser Anforderung und der Realität.

Eine Schlüsselfunktion auf dem Weg zu einer intelligenten und störungsfreien Logistik hat – wie immer – der Mensch. Ohne die Dienstleistungsbereitschaft und Erfahrung der Mitarbeiter, die im Zweifel jede IT-Lösung überstimmen, käme beispielsweise Lekkerland, Europas größter Kiosk- und Tankstellenlieferant, bei seinen 62.000 Kunden in Deutschland ganz sicher nicht auf eine Lieferpünktlichkeit von 99 Prozent (Seite 100).

Der Elektronikkonzern Matsushita müsste für den Transport seiner Waren rund um den Globus viele Millionen Euro mehr zahlen, als er das heute tut – könnte er nicht auf die Expertise seiner Spezialisten bauen, die den Güterströmen einen Weg durch das Dickicht der weltweiten Zollbürokratie bahnen (Seite 64). Numico wiederum, der Lebensmittelkonzern aus den Niederlanden, würde wohl auch heute noch unzufriedene Kunden und zu volle oder zu leere Lager beklagen, hätte das Unternehmen nicht gelernt, dass es beim Management einer Lieferkette zwar auf gute Planung, vor allem aber auf gute und regelmäßige Gespräche ankommt (Seite 44).

Die Welt der Logistik, das hat die Redaktion gelernt, ist eine Welt vieler kleiner, aber ungemein wichtiger Prozessschritte. Weil alles mit allem zusammenhängt und weil jede winzige Veränderung an einer Stelle in dem Netz, das sich heute über die Welt spannt, zu gewaltigen Veränderungen im Gesamtsystem führt. Peter M. Senge, Systemtheoretiker und Professor am MIT, hat das schon immer gewusst. Gerade weil er sich seit Jahrzehnten mit ganzheitlichem Denken befasst, hat der Wissenschaftler allerdings auch einen Trost parat: Lokale Veränderungen beeinflussen das Ganze – im Negativen wie im Positiven. Wer begreift, dass die eigenen Entscheidungen permanent die Handlungen der Mitspieler beeinflussen, hat laut Senge schon einen großen Schritt getan. Auch und gerade auf dem Weg zu einer intelligenten Logistik.