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Mutprobe

Optimismus gehört nicht gerade zu den Haupteigenschaften von uns Deutschen. Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Technologien leider auch nicht. Das macht die Sache kompliziert.




Erst kürzlich hat die Körber-Stiftung die Ergebnisse einer Umfrage bekannt gegeben, die das Problem wieder einmal trefflich skizziert. Gefragt, ob sie daran glauben, dass technische Innovationen, vergleichbar dem Computer oder dem Internet, in den kommenden Jahren für Wachstum und Wohlstand sorgen können, antworteten die Vertreter aller Branchen und aller Altersklassen mehrheitlich mit Nein. Das ist nicht nur pessimistisch. Und typisch deutsch. Es ist auch grundfalsch.

Die Informationstechnologie ist gerade dabei, unser Leben umzukrempeln. Sie verändert Märkte, Branchen, Produktions- und Arbeitsprozesse, sie beschleunigt Entwicklungen, schafft neuen Wettbewerb und zwingt der Welt Veränderungen auf. Und sie fragt nicht danach, ob uns das passt. Auch Unternehmen haben keine Wahl. Es geht schon lange nicht mehr um die Frage, ob sie mit Hilfe der Technologie besser und billiger werden können. Es geht nur noch darum, wie schnell. Um welchen Preis. Und mit welchem Ergebnis. Denn das hat sich tatsächlich verändert: Die Zeiten, in denen Technik um ihrer selbst willen angeschafft wurde, ist vorbei. IT ist kein Selbstzweck. Sie ist, intelligent genutzt, ein Mittel – und dient dem Zweck, das Geschäft zu unterstützen und neue Kunden zu erschließen. Willkommen in der modernen Unternehmenswelt.

Wie das aussieht, wie sich das anfühlt, wie kompliziert der Weg in die Zukunft manchmal ist und wie lohnend, davon erzählen die Geschichten in diesem Heft. Da gibt es beispielsweise eine kleine Druckerei in den Weiten Montanas, die ihren Umsatz mit Hilfe von IT mehr als vertausendfacht hat (Seite 42). Oder die einstige Behörde, die Deutsche Postbank, die sich innerhalb von vier Jahren vom technologischen Schlusslicht zum Branchenführer entwickelte (Seite 20). Die Deutsche Bank, so erzählte Vorstand Hermann-Josef Lamberti zwei McKinsey-Beratern, hat mittels moderner Technologie bereits rund eine Milliarde Euro eingespart (Seite 50), die Bundesknappschaft ist dabei, ihre Krankenhäuser zu revolutionieren (Seite 12).

Das alles hat seinen Preis. Wer mit Hilfe der Technik besser werden will, muss erst investieren. Der muss sein Geschäft kennen, neue Strukturen, Systeme und Arbeitsabläufe schaffen. Und umdenken. Neue Technik kostet Geld, Zeit, Nerven, Status – und Arbeitsplätze.

Seit sich Informationen per Glasfaserkabel spottbillig um die Erdkugel versenden lassen, spielt es kaum noch eine Rolle, an welcher Ecke der Welt eine Aufgabe erledigt wird. Und weil das bei gleicher oder besserer Qualität fast überall billiger möglich ist als in Deutschland, wandern mit den Aufgaben auch die Jobs dahinter aus.

Offshoring heißt der Trend, den Harald Willenbrock in seiner Analyse mit einer Karawane vergleicht, der sich – auf der Suche nach den günstigsten Arbeitsbedingungen weltweit – auch immer mehr deutsche Unternehmen anschließen (Seite 64). Die Panik, die dabei gern geschürt wird, ist unbegründet. Offshoring ist längst nicht die Lösung für jedes Kostenproblem, und so mancher Unternehmer kehrt nach einer überstürzten Abreise ins billige Ausland frustriert in die Heimat zurück. Dass die Entwicklung sich für die Deutschen aber deutlich negativer auswirkt als etwa für die USA, ist ein Problem. Und auch das hat mit unserem Blick auf die Welt zu tun.

Wir können die Moderne bejammern. Oder versuchen, zu den Gewinnern zu gehören. Letzteres wäre optimistisch, vor allem aber wäre es klug. Aufhalten lässt sich der technologische Fortschritt jedenfalls nicht.