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fit GmbH

Früher kam aus der Oberlausitz nur „fit“, das Spülmittel der DDR. Heute werden in Zittau auch Sanso, Rei, Sunil, Gard und andere Westmarken produziert.




Es hatte geschneit an jenem Karfreitag 1992. Zum Glück. Der frische Schnee verhüllte gnädig den maroden Außenbereich jenes Betriebsteils der Leuna-Werke, für den er sich interessierte. „Sonst wäre ich vielleicht gleich wieder umgekehrt“, sinniert Wolfgang Groß heute. So besichtigte er die Produktionsanlagen, in denen das Spülmittel fit hergestellt wurde – und erkannte auf den ersten Blick die hochintelligente, effi­ziente Fertigung. Das Spülmittel wurde in selbst produzierte Plastikflaschen abgefüllt, die aus nur einem Stück bestanden, und die Produktionsreste wurden sofort recycelt. Groß war schon viel herumgekommen, aber das sei die preiswerteste Herstellung gewesen, die er je gesehen habe. „Die Leute hatten aus dem allgegenwärtigen Mangel etwas ganz Wichtiges geschaffen.“ Damals wurde ihm augenblicklich klar, dass er gefunden hatte, wonach er schon lange suchte: sein Unternehmen.

Wolfgang Groß, promovierter Chemiker, war bis dahin Manager bei Konzernen wie Procter & Gamble gewesen, hatte eine Forschungsabteilung geleitet und das Marketing verantwortet. Eine ordentliche Kar­riere für einen Enddreißiger, aber nicht das, was er sich wirklich wünschte. Ihn störten die Zwänge der Großorganisation, er träumte von Selbstständigkeit. Die Wiederver­ei­nigung verlieh seinem Traum Flügel. „Es war der Moment, in dem alles stimmte. Ich war alt genug für die nötige Erfahrung und jung genug für einen Neustart. Und es standen Tausende ehemalige DDR-Betriebe zum Verkauf.“ Groß sah sich viele an – fit passte.

In der DDR kannte nahezu jeder Haushalt die viereckige Flasche. Mit fit wurden Teller und Töpfe gespült, Autos gewaschen und Blattläuse bekämpft. 1955 hatte der VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt das Spülmittel auf den Markt gebracht, 1967 entstand das Werk in Hirschfelde bei Zittau, wo bis heute produziert wird. Nach der Wende hatten sich viele Konzerne für die Markenrechte interessiert, die Fabrik mit 450 Arbeitern wollte keiner. Außer Groß. „Natürlich waren es zu viele Leute“, sagt er heute. „Aber den von der Treuhand geforderten Erhalt von 60 Arbeitsplätzen konnte ich garantieren.“ Am 1.1.1993 gründete er die fit GmbH.

Der Anfang war bitter. Viel Arbeit, ­wenig Schlaf, der neue Chef kampierte auf einer Luftmatratze im Verwaltungsge­bäude, was sich nur graduell geändert hat: Heute bewohnt er eine Wohnung im Obergeschoss. Groß hat nicht nur eine Firma gekauft, er hat sie sich zu eigen gemacht. Stand auf der Leiter und rupfte die Bäumchen aus, die sich auf dem Dach der alten Hallen ausgebreitet hatten. Streifte wieder den Laborkittel über und entwickelte mit seinen Leuten Rezepturen für neue Produkte. Und erkannte, als das Geschäft im Osten langsam wieder anlief, dass er die alten Bundesländer brauchte – und Marken, die man dort kannte.

Die ersten kaufte Wolfgang Groß im Jahr 2000 seinem alten Arbeitgeber ab: Rei, Rei in der Tube, Sanso. Später folgten Sunil und Kuschelweich von Unilever, inzwischen ist das Sortiment auf 100 Produkte gewachsen. Und das Werk gehört europaweit zu den modernsten der Branche.