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Macher Sachsen – Wir fangen schon mal an!

Ich seh’ den Sternenhimmel

Das Planetarium von Schneeberg stand vor der Schließung – kein Geld für neue Technik. Hobbyastronom Mike Behnke entwickelte zur Rettung eine digitale Lösung, die Fachleute begeistert.



Natürlich arbeitet Mike Behnke auch mit Klassikern wie diesem Zeiss-Teleskop.


Jahrelang war ihm dieses Geräusch vertraut: das leise Klacken, wenn einer der 32 Projektoren unter der Kuppel des Zeiss-Planetariums in Schneeberg das nächste Dia vor das Objektiv schob – mit einer weiteren Ansicht der nächtlichen Gestirne. Es ist verstummt – für immer. Und Mike Behnke aus dem gut 30 Kilometer entfernten Gelenau ist darüber nicht traurig. Eines nach dem anderen hatten die alten Geräte den Dienst quittiert. Ersatz war kaum aufzutreiben, weil der Hersteller, der einstige Weltkonzern Kodak, längst deren Produktion eingestellt hatte. Und wirkten die Projektoren nicht ohnehin hoffnungslos altmodisch mit ihrer statischen Darstellung des Sternenhimmels in unserer bewegten, bildverliebten Welt?

Zeitgemäßer Ersatz musste also her, und genau da begann das Problem. Projektionssysteme selbst für kleine und mittlere Planetarien wie das in Schneeberg kosten rund eine Viertelmillion Euro – zu viel für den „kul(T)our-Betrieb des Erzgebirgskreises“ als öffentlichem Träger. 2014 drohte die Schließung des Planetariums und der dazugehörenden mehr als 60 Jahre alten Sternwarte. Doch das kam für Mike Behnke nicht infrage.

Ihn hatte der Blick zu den Sternen schon immer fasziniert. „Alles, was mit dem Universum, mit Raumfahrt, mit unserem Sonnensystem und fernen Galaxien zu tun hatte, begeisterte mich“, sagt er. Er war acht, als er sich nach einer Anleitung aus einem Handbuch für junge Astronomen sein erstes eigenes Teleskop bastelte. Doch die Astronomie blieb nur ein intensiv gepflegtes Hobby. Behnke wurde Kfz-Mechaniker und arbeitete später als Gerüstbauer. Erst 2006 bot sich ihm die Gelegenheit, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Der Landkreis suchte freie Mitarbeiter zur Betreuung des Planetariums. Da traf es sich gut, dass Behnke kurz zuvor einen Onlinehandel mit optischem Zubehör für Sterngucker und Naturfreunde gegründet hatte. Weil er den Internetauftritt möglichst professionell gestalten wollte, hatte er zudem eine Ausbildung zum Mediendesigner absolviert. Das sollte sich als sehr nützlich erweisen.

Denn mit dem Hinscheiden der alten, analogen Diaprojektoren begriff Behnke, dass der künftige Blick in die Unendlichkeit digital sein würde. „Ich musste eine Lösung für eine Projektion auf gekrümmte Flächen und einen 360-Grad-Rundumblick finden. Anders geht es bei einer Planetariumskuppel nicht.“ Die Hardware – Computer und moderne HD-Beamer – war das geringste Problem. Aufwendiger gestaltete sich die Suche nach der passenden Software. Behnke wurde bei Flugsimulationsprogrammen fündig, aber das war nur der Anfang. Danach galt es, die zunächst sechs, heute nur noch vier Beamer so zu programmieren, dass keine Ruckler, Unschärfen und Nahtstellen bei der Projektion in der Kuppel auftreten. Ein halbes Jahr lang tüftelte Behnke bis tief in die Nacht an seinem System, er trug zunächst alle Kosten selbst. Dann führte er das Ergebnis den kommunalen Kulturverantwortlichen vor – und stieß auf Begeisterung. Auch weil seine Lösung mit rund 20 000 Euro nicht einmal ein Zehntel dessen kosten sollte, was für die Systeme etablierter Hersteller veranschlagt wird.

In nur zwei Monaten und mit viel Eigenleistung wurde das Planetarium umgerüstet. Weil es inzwischen eine ganze Reihe von Animationen in Fulldome-Technik gibt, kann man in den nachtblauen Samtsesseln unter der Schneeberger Kuppel heute virtuell nicht nur durch die Weiten des Universums reisen, auf dem Mond landen oder die Ringe des Saturns kreuzen, sondern auch durch eine Blumenwiese fliegen oder mit Walen tauchen. Besonders die jungen Besucher sind fasziniert von den bewegten und bewegenden Bildern unseres wunderbaren blauen Planeten im All. Sie kommen oft mit ihren Eltern oder Großeltern wieder.

Das freut Behnke besonders, schließlich wird die Astronomie als offizielles Lehrthema seiner Ansicht nach viel zu stiefmütterlich behandelt. Dabei hat sein System bereits Schule gemacht, im Wortsinn: Das Schulplanetarium in Chemnitz setzt seit einiger Zeit nämlich auch auf die Spezialtechnik aus dem Erzgebirge.