Was ist Liebe?

Psychologen und Neurologen, Dichter und Musiker, Philosophen und Wörterbücher – auf diese Menschheitsfrage haben sie alle ihre ganz eigene Antwort.



Alles kann Liebe:
zürnen und zagen, leiden und wagen,
demütig werben, töten, verderben,
alles kann Liebe.

Alles kann Liebe:
lachend entbehren, weinend gewähren,
heißes Verlangen nähren in bangen,
in einsamen Tagen –
alles kann Liebe –
nur nicht entsagen!

(Marie von Ebner- Eschenbach, österreichische Schriftstellerin)

1a starkes Gefühl des Hingezogenseins; starke, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem [nahestehenden] Menschen
1b auf starker körperlicher, geistiger, seelischer Anziehung beruhende Bindung an einen bestimmten Menschen, verbunden mit dem Wunsch nach Zusammensein, Hingabe o. Ä.
1c sexueller Kontakt, Verkehr
2a gefühlsbetonte Beziehung zu einer Sache, Idee o. Ä.
2b in „mit Liebe“
3 Gefälligkeit; freundschaftlicher Dienst
4 (umgangssprachlich) geliebter Mensch 

Mein Herz, ich will dich fragen,
Was ist denn Liebe, sag? –
„Zwei Seelen und ein Gedanke,
Zwei Herzen und ein Schlag!“

Und sprich, woher kommt Liebe? –
„Sie kommt und sie ist da!“
Und sprich, wie schwindet Liebe? –
„Die war’s nicht, der’s geschah!“

Und was ist reine Liebe? –
„Die ihrer selbst vergisst!“
Und wann ist Lieb’ am tiefsten? –
„Wenn sie am stillsten ist!“

Und wann ist Lieb’ am reichsten? –
„Das ist sie, wenn sie gibt!“
Und sprich, wie redet Liebe? –
„Die redet nicht, sie liebt!“

(Friedrich Halm, österreichischer Dichter, Novellist und Dramatiker)

Wenn das Liebe ist,
warum bringt es mich um den Schlaf?
Wenn das Liebe ist,
warum raubt es mir meine Kraft?
Wenn das Liebe ist,
sag mir, was es mit mir macht;
Wenn das Liebe ist,
was, was, was ist dann Hass?
Was ist dann Hass?

(Songtext von Glashaus)

Liebe – sagt man schön und richtig
ist ein Ding, was äußerst wichtig.
Nicht nur zieht man in Betracht,
was man selber damit macht,
nein, man ist in solchen Sache
 auch gespannt, was andere machen.

(Wilhelm Busch, humoristischer Dichter und Zeichner)

Eine systematische Unterscheidung, welche mit Blick auf die mannigfaltigen Ausprägungen verschiedenartiger Liebesbegriffe in der Philosophiegeschichte einen großen Einfluss entwickelt hat, ist jene zwischen eros, philia und agape. Dabei wird das im eros angesprochene aufstrebende Begehren von der Freundschaftsliebe, der philia, ebenso abgesetzt wie von der christlich-paulinischen Vorstellung einer durch Erbarmen gekennzeichneten Liebe Gottes zu den Menschen (agape). Während das erotische Streben mit einer Aufwärtsbewegung einhergeht, besteht die agape eher in einer sich vertikal von Gott herab zu den Menschen absenkenden Bewegung, die philia hingegen muss als Verhältnis unter Gleichen als eher horizontale Beziehung vorgestellt werden. Wenngleich diese Unterscheidung etwas schematisch daherkommt und sich unter jedem der Begriffe durchaus unterschiedliche Liebeskonzepte versammeln lassen, so handelt es sich doch um Ordnungsbegriffe, die besonders mit Blick auf den theologischen Diskurs der Neuzeit und die Abgrenzung von eros und agape ganz zentrale Bedeutung gewinnen werden.

(Was ist Liebe? Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart. Reclams Universal-Bibliothek Nr. 19347)

„Evolutionspsychologischen Theorien zufolge ist Liebe ein Trick der Evolution, um das menschliche Überleben zu sichern. Im Gehirn regt sich beim Anblick des Geliebten vor allem das Belohnungssystem. Areale, die für rationales Denken und dem Einschätzen anderer Menschen zuständig sind, fahren ihre Aktivität nach unten. In der frühen Phase der Liebe spielt vor allem der Botenstoff Dopamin eine große Rolle und sorgt für den Rausch der Gefühle. In späteren Phasen von Beziehungen bestärkt möglicherweise das Hormon Oxytocin die Bindung zwischen den Partnern. Ob sich Liebe wirklich auf die Neurochemie im Gehirn reduzieren lässt, ist umstritten. In vielem steht die Neurowissenschaft der Liebe erst am Anfang. Bisher jedenfalls lässt sich die Komplexität der Liebe nicht im Labor abbilden.“

(Dr. Christian Wolf, dasgehirn.info)

Meine Tasse Kaffee!
Wenn ich dich morgens seh’,
bin ich meistens noch im Koma,
doch dann riech’ ich dein Aroma,
schon bin ich frisch und munter,
und draußen geht die Sonne
wieder unter.
Guten Morgen, heiße Liebe!

(Wise Guys: „Meine heiße Liebe“)