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WIE MACHE ICH DAS RICHTIGE – UND WIE MACHE ICH DAS RICHTIG?

„Richtig oder falsch ist kein Wert an sich. Bei zielorientiertem Vorgehen ist der Weg nie das Ziel, es ist immer das Ziel das Ziel. Daher gilt: Wer ein bestimmtes Ziel erreichen will, muss in Kauf nehmen, auch mal falsche Wege zu gehen. Er darf sich aber nicht entmutigen lassen und gleich an der Zielsetzung zweifeln, er muss halt neu ran. Nichts ist schlimmer als stets neu hinterfragte und damit mäandernde Zielsetzungen!


Statt des deutschen ,richtig oder falsch’ ist es ausnahmsweise zulässig, das neudeutsche ,Trial & Error’ als Erfolgsprinzip hochzuhalten. Und noch etwas: Man sollte sich nicht gestatten, durch ständiges rationales Abwägen – falsch oder richtig – entscheidungsunfähig zu werden. Besser ist es, den oft zitierten Bauch zuzulassen.

Denn der Bauch ist nichts Mystisches, sondern nur die allegorische Umschreibung für die Summe aller Erfahrungen, die man gemacht hat; besser umschrieben mit ,gefühlter Strategie’ (das Zauberwort Strategie beruhigt die Gemüter, besonders die kritischen). Der Bauch ist die Festplatte, auf der in Bruchteilen von Sekunden alle individuellen ,Trial & Error’-Daten durchforstet und ausgewertet werden – eine geniale Leistung unserer Physis, auf die auch rein rational betrachtet Verlass ist.“

Holger Jung, Vorstand der Werbeagentur Jung von Matt

„Wirtschaft ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft, und viele Unternehmen sind sich der Verantwortung, die sie für die Gemeinschaft tragen, bewusst. Aber wenige wissen, wie sie ihr am besten gerecht werden sollen. Will sich ein Unternehmen gesellschaftlich engagieren, kann es das sehr wirksam in einem Bereich tun, in
dem es Geschäfte betreibt, oder in geschäftsnahen Bereichen. So trägt CR auch direkt zum Geschäftserfolg bei: Firmen können etwa mit billigen Computern, Mobiltelefonen und Baumaterialien neue Märkte und Kundengruppen in Entwicklungsländern erschließen. Oder sie rekrutieren loyale Mitarbeiter, wie die Hotelkette, die nach einem mehrwöchigen Trainingskurs Sozialhilfeempfänger bei sich einstellt. Der Begriff Corporate Responsibility ist seit einigen Jahren in Mode, aber es gilt weiterhin: Die Aufgabe eines Wirtschaftunternehmens besteht zunächst darin, Geld zu verdienen, zu wachsen und möglichst Arbeitsplätze zu schaffen. Eine starke Wirtschaft schafft Wohlstand für alle - aber nur mit starken Unternehmen.“

Burkhard Schwenker, Vorsitzender der Geschäftsführung der Roland Berger Strategy Consultants

„Als Verbraucherzentrale sind wir der Wachhund der Wirtschaft. Aber machen wir selbst alles richtig? Wie gehen wir mit Ratsuchenden um, die sich über uns beschweren?

Aus Lehrbüchern des Qualitätsmanagements weiß man, dass Kundenbeschwerden kein lästiges Übel, sondern ein kostbares Gut sind, um selbst besser zu werden. So weit die Theorie. In der Praxis klappt das nur, wenn auch die Mitarbeiter diese Sichtweise akzeptieren. Was nicht so leicht ist – sind wir doch ‚die Guten‘, die noch Staat alimentiert werden, und das viel zu knapp. Dass Verbraucher und andere Nutzer unserer Dienstleistungen berechtigte Ansprüche an stellen, setzt sich als Idee dann durch, wenn die Mitarbeiter spüren, dass es beim Qualitätsmanagement nicht um Leistungskontrolle, sondern Produktverbesserung geht – und die nützt allen.“

Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg

„Will ein Unternehmen soziale Verantwortung übernehmen, muss es eigene Schwerpunkte setzen. Das können Umwelt, Integration oder Bildung sein. Wir stellen oft fest, dass echte Profilierung fehlt – vor allem bei kleineren oder mittelständischen Firmen. Mit Unternehmen, die wissen, was sie wollen, ist die Zusammenarbeit leichter. Fast alle Großkonzerne haben heute ein klares CR-Profil. Sie sagen uns: Dieses Projekt passt zu uns, jenes nicht. Insgesamt hat die Wirtschaft enorm dazugelernt. Das Wedeln mit dem Scheckbuch ist Vergangenheit. Bei der Umsetzung von CR-Projekten sind viele Firmen dennoch besser bedient, mit professionellen Stiftungen zusammenzuarbeiten.“

Michael Endres, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung

„Das Richtige hat vor allem mit Glaubwürdigkeit zu tun. Unternehmen sollten den Fokus deshalb nicht so sehr auf ihre Moral-Kodizes legen, sondern auf die Diskrepanz zwischen ihren grundsätzlichen Werten und ihrer Umsetzung. Es gibt heutzutage eine neue Dynamik von Transparenz und Verantwortlichkeit, die insbesondere durch Technologie und das Internet getrieben wird. Sie erfordert von Unternehmen ein Maß an Aufrichtigkeit, Offenheit und Authentizität, wie sie nur wenige Organisationen gewöhnt sind.

Das Richtige zu tun heißt einfach, Werte zu leben und sich selbst in die Pflicht zu nehmen. Das erfordert auch, Verantwortung in die Firmenkultur zu integrieren und die wichtigsten Stakeholder, vom Arbeitnehmer bis zum Kunden, von den Investoren bis zu den Bürgern, stets mit einzubeziehen.“

Bradley Googins, Executive Director, Boston College Center for Corporate Citizenship

„Diese Frage hat weitere Fragen zur Folge, die man sich selbst gegenüber ehrlich und aufrichtig beantworten muss. Der erste Schritt ist Reflexion: Was kann ich? Was ist das Ziel? Auf welche materiellen und nicht materiellen Ressourcen kann ich zurückgreifen?

Es folgt die Analyse. Wo ist ein Bedarf? Wie könnte eine Lösung für den Bedarf aussehen? Habe ich die Kompetenzen und Möglichkeiten, um diese Lösung zu verwirklichen? Man muss überprüfen, ob diese Lösung allen Beteiligten nutzt oder ob bestimmte Gruppen benachteiligt werden. Außerdem muss man sich fragen: Habe ich den Mut und die Möglichkeiten, die Lösung auch gegen Widerstände zu verwirklichen?

Nun geht es zur Entscheidung. Voraussetzung hierbei ist, dass die Lösung auf einem Wertekanon basiert, zum Beispiel Qualität, Achtung vor jedem Einzelnen, Innovation und kontinuierliches Lernen, Kooperation oder soziale Verantwortung.

Bei der Umsetzung muss man sich fragen: Bin ich bereit, die Lösung fallen zu lassen, wenn sie den erstrebten Nutzen nicht erbringt? Bin ich bereit, alternative Lösungen zu suchen? Dieses Modell aus Reflexion – Analyse – Entscheidung – Umsetzung ist ein konstanter Prozess, der immer wieder überprüft werden muss“

Wolfgang Niedermaier, Geschäftsführer der Betapharm Arzneimittel GmbH

„Unternehmen sind schlecht beraten, die inhaltliche Ausgestaltung des ‚Richtigen’ primär an den oft wenig nachhaltigen Kurzfristinteressen des Finanzmarktes auszurichten. Damit vernachlässigen sie regelmäßig soziale und ökologische Notwendigkeiten unternehmerischen Handelns sowie Marktchancen für erfolgreiches Wirtschaften.“

Matthias Bönning, Mitglied des Vorstands der Nachhaltigkeits-Rating-Agentur Oekom Research

„Zuschauen oder selbst machen – das ist die grundlegende Entscheidung, die man treffen muss. Wir haben uns für das Machen entschieden. Auf unserer Internetplattform stellen wir ökologische und soziale Projekte vor, in die man Geld, Sachmittel oder auch Zeit investieren kann. Außerdem geben wir Tipps, wie jeder im Alltag sein Leben nachhaltiger gestalten kann. Und wir veröffentlichen Petitionen, die sich an die große Politik richten.

Egal, um welches Projekt es sich handelt: Es geht um Effizienz, das haben wir in der Wirtschaft alle gelernt. Nur gut gemeint genügt nicht.“

Uta Mühleis, Mitgründerin der Nachhaltigkeitsplattform reset.to