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WIE FINDEN SIE ES ALS AKTIONÄR, WENN IHR UNTERNEHMEN IN TEURE CR-PROJEKTE INVESTIERT?

„Es ist gut, wenn sich ein Unternehmen verantwortungsbewusst verhält. CR muss aber immer im Zentrum der Unternehmenspolitik stattfinden und darf nicht im PR-Mäntelchen daherkommen. Singuläre karitative Aktionen reichen bei Weitem nicht aus. Was nützt es, wenn eine Firma Kinderkrippen oder Schulspeisungen in Bangladesch finanziert, aber seinen Näherinnen einen Hungerlohn zahlt, der nicht zum Leben ausreicht? Es wäre besser, die Arbeiterinnen in Entwicklungsländern anständig zu bezahlen, damit sie selbst für sich und ihre Familie sorgen können.
 Dieses reale Beispiel zeigt: Echte CR, die Teil des Kerngeschäfts ist, und karitative Aktionen
haben nichts miteinander zu tun. Ein Unternehmen, das sich auf das Karitative beschränkt und
 sonst so weitermacht wie bisher, ist unglaubwürdig. Ich persönlich achte als Aktionärin daher
 genau darauf, was die Firmen in ihren Nachhaltigkeitsberichten schreiben und wie sie in gängigen Nachhaltigkeits-Rankings abschneiden.“


Gisela Burckhardt vom Trägerkreis der „Kampagne für saubere Kleidung“ (Clean Clothes Campaign/CCC)

„Wir sind der Meinung, dass CR als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie und als langfristiger Werttreiber angesehen werden sollte. Einfach Geld für teure CR-Projekte auszugeben, die womöglich losgelöst vom eigentlichen Geschäft einer Unternehmung sind, erachten wir für problematisch und nicht nachhaltig.“

Gianreto Gamboni, Head of Competence Center for Socially Responsible Investments, UBS Wealth Management Research

„Unternehmerische Gemeinwohlorientierung und Maßnahmen nachhaltiger Unternehmenspolitik bedeuten kein aktionärsfeindliches Verzetteln
im Gutmenschentum, sondern sie sind notwendig und gut für das Unternehmen und damit letztlich 
auch für die Aktionäre. Kein bedeutendes Unternehmen kann es sich heute leisten, über die unter
 CR zusammengefassten Aspekte hinwegzusehen.
 Als Aktionärinnen interessieren uns nicht nur die Kurse, sondern auch, ob das Unternehmen mit
 seinen Mitarbeitern, Geschäftspartnern und den im Betrieb vertretenen Interessenvertretern einen fairen Umgang praktiziert oder sich etwa für den Umweltschutz engagiert. Dies sind keine unnötigen teuren Kosten. Unternehmen, die Vertrauen und Zuverlässigkeit vermitteln sowie Verantwortung übernehmen, werden von den Menschen geschätzt.“

Henrike von Platen, Geschäftsführerin des „Aktionärsvereins Hexensabbat Club Berlin

„In Deutschland gibt es vergleichsweise wenige Aktionäre. Das liegt vor allem an einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber dem Kapitalmarkt und Unternehmen. Fälle wie Nokia, in denen die Produktion trotz Gewinnen ins Ausland verlagert wurde, verstärken diesen Argwohn weiter. Dass Unternehmen aus Menschen der Region bestehen, meist von ihnen geführt werden und für die Region wichtig sind, ist Menschen und Managern immer noch schwer beizubringen. Unternehmerische Verantwortung ist deshalb von großer und wachsender Bedeutung. Wenn Firmen als Sponsoren für Sportveranstaltungen agieren, sich bei sozialen Projekten engagieren oder in die Verbesserung der eigenen Umweltverträglichkeit investieren, dann ist der Erfolg dieser Aktionen nicht mit normalen Maßstäben zu messen. Der Gewinn steigt dadurch nicht und erst recht nicht der Aktienkurs. Dennoch leistet
gute Corporate Responsibility einen Beitrag, um Unternehmen zu öffnen und damit ihr Ansehen in der Gesellschaft zu erhöhen. An der richtigen Stelle eingesetzt, sind Investitionen in
große und kostspielige CR-Projekte ein Gewinn für das Unternehmen und seine Zukunft.“

Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)

„Kritisch sind für mich weniger die Kosten als die Stimmigkeit. Auch das teuerste
 CR-Projekt ist meist sehr klein im Vergleich zum Ergebnis und Umsatz der Unternehmen. Für mich
 ist die Frage eher: Ist das CR-Projekt stimmig oder ein Feigenblatt? Feigenblatt-CR bedeutet: Ein großes Übel soll durch ein kleines Pflaster bedeckt werden, rückt aber tatsächlich dadurch noch
mehr in das Blickfeld. CR beginnt immer im Alltag des Unternehmens. Wenn das der Fall ist,
 finde ich abrundende, ergänzende und weiterführende Corporate-Responsibility-Projekte überzeugend.“

Sebastian Turner, Partner der Scholz & Friends Gruppe

„Ich bin Kleinaktionärin mit einigen Aktien großer Unternehmen. Von ihnen erwarte
ich, dass sie bei CR-Projekten glaubwürdig sind, sonst wird ihr Engagement beliebig. Das heißt, die Unternehmen sollten nicht wie eine Stiftung agieren oder einfach nur etwas spenden, sondern die Aktionen mit ihrem Know-how verbinden. 
Und noch etwas: Corporate Responsibility bedeutet für mich auch Transparenz, also will ich als Aktionär erfahren, warum das Projekt einerseits gut für die Gesellschaft und andererseits
 im Interesse des Unternehmens ist, das ja Gewinne erzielen muss. Ich sehe da keinen Widerspruch.“

Tina Zierul, stellvertretende Leiterin der Eon-Repräsentanz in Berlin

„Mir ist es wichtig, für ein Unternehmen zu arbeiten, auf das ich stolz sein kann. Dazu trägt bei, dass sich mein Arbeitgeber für die Gesellschaft engagiert. SAP, zum Beispiel, fördert schwerpunktmäßig Projekte in den Bereichen Bildung und Transparenz. Das sind Themen, bei denen
 SAP und wir Mitarbeiter unser spezifisches Wissen einbringen können und die für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens entscheidend sind.
 In eine solche zielgerichtete CR-Strategie, von
der Gesellschaft und Unternehmen gleichermaßen profitieren, investiere ich gern. Nur überflüssige CR-Projekte sind teure CR-Projekte.“

Helga Classen, Vorsitzende des Betriebsrats der SAP AG und Mitglied des Aufsichtsrates

„Viele Unternehmer verstehen sich zu Recht als verantwortlicher Teil der Gesellschaft und fördern deshalb bestimmte Projekte. Entscheidend ist aus meiner Sicht, das richtige Maß für CR-Projekte zu finden – im Verhältnis 
zu Rahmenbedingungen wie der Unternehmensgröße und der Ertragslage. Und: CR macht nur dann Sinn,
 wenn die Projekte auch eine nachvollziehbare Verbindung mit dem Unternehmen haben – sei es mit Produkten, Standort, Firmenphilosophie oder Firmenkultur. Als Maschinenbauer aus dem Allgäu sollte man nicht wahllos etwa Musikfestivals
an der Ostsee sponsern.“

Jochen Kienbaum, Vorsitzender
Geschäftsführer der Managementberatung Kienbaum

„In der Regel sind die Beiträge, die in Corporate Responsibility investiert werden, im Vergleich zum Unternehmensgewinn recht
gering. Ganz allgemein hängt die Reaktion der Investoren auf CR-Maßnahmen davon ab, inwieweit diese gegebenenfalls im Widerspruch zu
 Gewinnzielen des Unternehmens stehen und inwieweit Investoren bereit sind, Renditeziele zumindest
 zum Teil hinter CR-Zielen zurückstehen zu lassen. Im Übrigen glaube ich nicht, dass Unternehmen
heute mehr für CR tun als früher. CR hat in der Öffentlichkeit lediglich mehr Aufmerksamkeit erlangt, sodass die Unternehmen heute stärker darauf hinweisen, wo und wie sie gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Der ehrbare Kaufmann
war ja schon vor 50 Jahren gang und gäbe; ganz abgesehen von selbstverständlichen Dingen wie der Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften. Dies wird leider allzu oft übersehen.“

Rüdiger von Rosen, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Aktieninstituts (DAI)