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B&O



Stadtplanung ist ein schwieriges Geschäft. Da können die Experten noch so gut planen: Ob die Menschen ein neues Viertel am Ende annehmen, ob sie dorthin ziehen, es zu ihrer Heimat machen und sich vor Ort wohlfühlen, steht auf einem ganz anderen Blatt.

So gesehen waren es vielleicht ideale Voraussetzungen in Oberbayern. Denn dort, am Rande von Bad Aibling, haben sich keine Stadtplaner an die Arbeit gemacht. Es war ein Unternehmen, und dessen Ziel war zunächst nicht das ideale Quartier. Obwohl sich B&O, ein Dienstleister der Wohnungswirtschaft, im Thema durchaus gut auskennt. Schließlich sanieren, reparieren und verwalten die Mitarbeiter des Mittelständlers landauf, landab gewaltige Wohnungsbestände im Auftrag der großen Immobilienbesitzer. Deshalb wissen sie zum Beispiel, wie Gebäudekomplexe aussehen, in denen Mieter sich wohlfühlen. Mit welchen Materialien sich der Mensch gern umgibt. Welche Farbe in und an einem Haus die Stimmung hebt oder trübt. Welche Baustoffe und Verhaltensweisen die Heizkosten in die Höhe treiben. Wieso manche Einbauten eine vordergründig hübsch renovierte Wohnung nach wenigen Jahren wie eine Bruchbude aussehen lassen. Oder wie wichtig zufriedene Mieter und eine geringe Fluktuation sind – für den Geldbeutel des Vermieters, für die Hausgemeinschaft und für das Quartier selbst.

Es ist vermutlich eine Mischung aus Erfahrung, Neugier, Zufall und Pragmatismus gewesen, die B&O letztlich zum Stadtentwickler werden ließ. Da war dieses weitläufige Gelände, das die Amerikaner, als sie 2004 ihren Stützpunkt in Oberbayern aufgaben, der Gemeinde Bad Aibling als Brachland zurückließen. Da war das Bedürfnis des Unternehmens, interne Prozesse und Abläufe zu optimieren, noch effizientere Sanierungstrupps auszubilden und neue Bauformen und Materialien zu testen, um der Wohnungswirtschaft Lösungen für ihre drängendsten Probleme anzubieten. Da gab es die Leitidee von funktionaler, sozialer und demografischer Integration oder einfacher ausgedrückt: den Traum von einem Ort, an dem Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft gern miteinander leben und arbeiten, und das alles bezahlbar und im Einklang mit der Natur. Und weil das Unternehmen vor schwierigen Aufgaben nicht zurückschreckt und sich vor Jahren – mit dem Rücken an der Wand – schon einmal neu erfinden musste und vom Dachdecker zum Dienstleister mutierte, gab es auch eine Mannschaft, die sich nicht mehr fürchtet vor unbekanntem Terrain, vor Sackgassen, Risiken und Rückschlägen.

Also wurden sie, während sie hauptberuflich Immobilien betreuen und sanieren, im Nebenberuf Forscher, Bauherren, Konstrukteure, Designer und Stadtplaner. Seit 2005 bauen sie jetzt an ihrer City of Wood, sanieren einstige Soldatenbaracken, errichten neue Gebäude, holen sich Mieter, Unternehmer und Institutionen aufs Gelände, suchen weltweit nach neuen Inspirationen, engagieren für jede Frage, die sie nicht selbst beantworten können, die besten Fachleute – und erproben in ihrem 70 Hektar großen Testlabor, wie das Wohnen der Zukunft aussehen könnte. Von ihren Ideen, Einsichten, Überlegungen und Begleitern auf dem Weg dorthin erzählt dieses Heft. Und natürlich erzählt es auch von ihnen selbst. Von den Menschen bei B&O.

Susanne Risch
Chefredakteurin