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Solarthermie in Bad Aibling

Es gibt viele Möglichkeiten, die Energie der Sonne anzuzapfen, von der Fotosynthese der Pflanzen bis zur Wandlung der Strahlungsenergie in Strom mittels Solarzellen, der Fotovoltaik. Auch Orangerien und Treibhäuser nutzen die Wärme der Sonne, und das sogar ohne Umwege. Das ist wohl die effizienteste Methode – aber was kommt dann? Hinsichtlich Aufwand, Ertrag, Effizienz und Lebensdauer steht eindeutig Solarthermie an erster Stelle. Dabei wird eine Methode angewandt, die schon Kinder nutzen, wenn sie mit einer Lupe Sonnenstrahlen so auf ein Stück Papier konzentrieren, dass es in Flammen aufgeht. Macht man das im großen Maßstab und konzentriert die Wärme mit Spiegeln, hat man ein Solarkraftwerk.




Solarthermie ist ein effizienter Weg, Sonnenenergie zu nutzen. Doch die Technologie befindet sich noch in der Entwicklung. In Bad Aibling wird nun eine neue Anlage (Foto) getestet.

Allerdings existiert bei dieser Technologie noch eine Leistungslücke: „Zwischen Anlagen auf dem Dach eines Wohnhauses und solchen mit vielen Megawatt Leistung in den Wüsten der Welt gibt es noch nicht viel“, sagt John Mitchell. Das will der Vorstand der protarget AG in Köln ändern, denn: „Schaut man sich in den Subtropen bei kleinen Fabriken um, so steht dort immer irgendwo ein Dieselgenerator, der die Produktion mit Strom versorgt.“ Diese Unternehmen könnten in Zukunft auch die Kleinkraftwerke von protarget nutzen.

Viele kleine Verbesserungen statt einer großen Erfindung

Wir stehen in Bad Aibling unter einer Sonne, wie sie selbst in Arizona kaum stärker knallt. Das ist selten in Deutschland, dennoch errichtet das Unternehmen hier, auf dem Gelände der „City of Wood“, seine erste Probeanlage: zwei miteinander verbundene, jeweils 100 Meter lange Reihen eines Parabolrinnen-Solarkraftwerks. Die Reflektoren, die über eine Hydraulik der Sonne nachführbar sind, heizen ein mattschwarz beschichtetes Rohr auf bis zu 400 Grad Celsius auf. Darin zirkuliert ein Thermo-Öl, dem ein Wärmetauscher die Energie entzieht: „Natürlich zuerst als Wärme“, sagt Mitchell, „doch die können wir zum großen Teil direkt nutzen.“ Außerdem lässt sie sich gut speichern, in einer Art großem Betonwürfel wie bei einer Nachtspeicherheizung oder mittels geschmolzenen Salzes. Was nicht als Wärme benötigt wird, wird in Strom gewandelt.

Rund 60 Prozent der Energie gehen in die Erzeugung von Prozesswärme, zum Beispiel für die Verarbeitung und Produktion von Lebensmitteln oder Textilien. Diese Wärme wird mit Solarthermie ohne den Umweg über die Stromerzeugung bereitgestellt – damit ist die Effizienz selbstverständlich viel höher,
als wenn die Energie erst in Strom und dann in Wärme umgewandelt würde. Genutzt wird für die Anlage eine etablierte und wartungsarme Technologie, die sich auch vor Ort von Ungelernten montieren lässt. Gibt es noch weitere Details, die wichtig sind? „Ja, eine ganze Menge“, sagt Mitchell, während er die Lippen mehr aufeinanderpresst, als dass er sie öffnet. Das ganze Geschäftsmodell bestehe darin, Solarthermie preiswert anzubieten. Und der Weg dahin sei nicht die große Erfindung, sondern viele kleine Verbesserungen. Die summieren sich am Ende zu einem kaufentscheidenden Argument. Über Details möchte er aber nicht sprechen.

Jedenfalls hat das Argument schon erste Kunden überzeugt, zumal zum Angebot auch Finanzierungsmodelle gehören. Vier Hektar Land braucht man für ein Megawatt. Und 20 Jahre soll eine solche Anlage in den Subtropen laufen. Nach sieben bis zehn Jahren hat sich die Anschaffung amortisiert – während der Dieselpreis der Zukunft absehbar höher sein wird als heute. Aber sind die hinterglasbedampften Spiegel nicht anfällig für Schäden und damit ein Risiko? „In der Wüste hagelt es recht selten“, sagt Mitchell, „und gegenüber Abrieb durch Sand ist Glas relativ unempfindlich. Die größten Schäden verursachen bislang Menschen, die darauf schießen.“ Sie kommen häufiger vor als Meteoriten.

Die Bilanz solcher Anlagen geht aber nur in den Subtropen auf, weil nur dort das Wetter für durchgehend klare Verhältnisse sorgt. „Und gerade dort ist der Bedarf sehr groß“, ist sich Mitchell sicher. Aber warum steht die erste Testanlage in Bad Aibling? Die Logistik ist in Deutschland einfach besser als etwa in Spanien oder der Golfregion, sagt Mitchell. Das sei wichtig, denn schließlich ginge es bei einer Testanlage auch darum, Material und Werkzeug schnell zur Verfügung zu haben. Hinzu kommt, dass man die Anlage in Deutschland interessierten Wissenschaftlern leichter vorführen kann und sich zukünftige Prozess-Verbesserungen leichter testen lassen. Konkret für Bad Aibling habe man sich entschieden, weil auf dem Gelände die Infrastruktur passt, so kann zum Beispiel der Anschluss an ein Fernwärmenetz gut getestet werden – bei dieser Schnittstelle käme es erfahrungsgemäß zu Problemen.

Geht eigentlich von Solarthermie-Anlagen irgendeine Gefahr aus? Mitchell schüttelt den Kopf. Das einzige kritische Detail, die von den konzentrierten Sonnenstrahlen erhitzten Röhren, befinden sich in einem vakuumierten Glasrohr. „Da können sich auch Vögel draufsetzen, die bekommen keine heißen Füße.“