Ausgabe 07/2017 - Schwerpunkt Wettbewerb

Mark Whitacre

Der Maulwurf

• Der FBI-Agent hatte Mark Whitacres Haus bereits wieder verlassen und war in sein Auto gestiegen, als dieser ihm nachlief und sich auf den Beifahrersitz fallen ließ. „Ich muss Ihnen noch eine andere Sache erzählen“, begann Whitacre. Dann packte er aus: Sein Arbeitgeber Archer Daniels Midland (ADM), einer der weltgrößten Hersteller von Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffen, spreche seine Preise mit zahlreichen Konkurrenten ab. Märkte und Kunden würden aufgeteilt und die Produktion künstlich niedrig gehalten. Die Kunden würden um Millionensummen betrogen.

Der FBI-Agent war verwirrt: Er war eigentlich gekommen, um in einer Erpressung zu ermitteln. Whitacre, ein 35-jähriger ehrgeiziger Manager, hatte behauptet, eines der von ihm geleiteten Werke in Decatur, Illinois, werde sabotiert. Und ein Erpresser verlange zehn Millionen Dollar, damit diese Sabotage ende. Was der FBI-Agent zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Whitacre hatte die Erpressung komplett erfunden. Das Preiskartell war jedoch real.

„Wenn man in die Küche geht und alle Dinge mit Zutaten von ADM rausnimmt, kann man kein Abendessen mehr zubereiten“, beschrieb Kurt Eichenwald einmal die Marktmacht des Konzerns. Er hat in den Neunzigerjahren für die »New York Times« über den Fall berichtet und später ein Buch darüber geschrieben. Ob Cornflakes oder Cola, ob Pudding oder Salami – ADM steckt bis heute fast überall drin. Die Firma stellt unter anderem Zitronensäure, Nitrat, Maissirup und Glucanase her.

Als Mark Whitacre im November 1992 im Auto des FBI-Agenten saß, war er unter anderem verantwortlich für Lysin, einem Futtermittelzusatz, der Hühner und Schweine schneller zunehmen lässt. Doch die Produktion in dem gerade eröffneten weltgrößten Werk für Lysin stockte. Die Aminosäure wird durch Fermentierung hergestellt, doch in der Fabrik gab es einen Virus, der die Zellkulturen befiel, welche die Dextrose in Lysin verwandeln sollten. Whitacre, bis eben noch der Star der Firma, kam monatelang nicht mal in die Nähe seiner Produktionsziele. Um Zeit zu gewinnen, erfand er die Geschichte von Sabotage und Erpressung. Doch als seine Vorgesetzten daraufhin das FBI einschalteten, ahnte er, dass diese Lüge schnell auffliegen würde. Also konterte er sie mit der Wahrheit. Und wurde – im Austausch gegen Straffreiheit – zum Informanten in einer der größten Ermittlungen zu Preisabsprachen aller Zeiten.

„Ich erinnere mich noch genau an das erste Treffen mit unseren Lysin-Konkurrenten aus Japan und Südkorea“, antwortet Whitacre, wenn man ihn heute zu den Geschehnissen befragt. „Wir trafen uns in Mexiko-Stadt, und mein Chef, der damalige ADM-Präsident Terry Wilson, schlug vor, wir sollten doch lieber alle zusammenarbeiten statt gegeneinander. Ich werde nie vergessen, wie schnell alle zustimmten.“ Das war ungefähr sieben Monate, bevor sich Whitacre dem FBI anvertraute. Spätere Ermittlungen zeigten, dass Preisabsprachen bei ADM bereits zwölf Jahre vor Whitacres Zeit begonnen hatten. „Es war vollkommen normal und zog sich durch fast alle Sparten“, sagt Mark Whitacre. „Terry Wilson wurde intern nur ‚the price-fixer‘ genannt. Einer seiner Lieblingssätze war: ‚Der Kunde ist unser Feind, und unser Konkurrent ist unser Verbündeter.‘“

Die grüne Lampe

Es gibt verschiedene Methoden, Preise zu manipulieren. Am wirkungsvollsten ist es, die Gesamtproduktion zu verringern und so das Angebot zu verknappen. Bei gleichbleibender Nachfrage steigen die Preise dann fast automatisch. Dafür muss allerdings die Mehrheit der Produzenten zusammenarbeiten. Rund zwei Drittel aller Kartelle entstehen in Branchen, in denen die vier größten Anbieter mehr als 75 Prozent des Marktes kontrollieren. Auch im Lysin-Geschäft gab es in den Neunzigerjahren nicht viele: „Bei dem Treffen in Mexiko-Stadt vereinbarten wir, unsere Lysin-Produktion um jeweils 20 Prozent zu reduzieren“, sagt Whitacre. „Bald stiegen die Preise von rund 60 Cent pro Pfund auf 1,20 Dollar. Mit der Zeit wurden wir immer geschickter und fingen sogar an, die Großkunden unter uns aufzuteilen.“

Ein solches Kartell sorgt dafür, dass man die Preise nahezu nach Belieben diktieren kann – es macht aber auch viel Arbeit. Denn einerseits kann nicht die gesamte Firma eingeweiht werden. Andererseits wollen beispielsweise Vertriebsmitarbeiter Rabatte vergeben, um einen Auftrag zu gewinnen. Oder sie ziehen genau den Kunden an Land, den ihre Chefs an die vermeintliche Konkurrenz abgetreten haben. „Wir mussten fast jede Woche nachjustieren und zum Beispiel Kunden wieder zurücktauschen“, sagt Whitacre. „Rückblickend frage ich mich manchmal, ob wir nicht besser gefahren wären, diese ganze Arbeit in legale Aktivitäten, neue Produkte und so weiter zu stecken. Aber es war gleichzeitig auch die reinste Goldgrube.“

Whitacre wohnte damals in einem prächtigen Anwesen: Pool, acht Autos in der Garage, Reitstall für die drei Kinder. Sein Gehalt betrug mit Boni bis zu drei Millionen Dollar im Jahr – mit nur 35 Jahren. Doch nachdem er sich dem FBI offenbart hatte, standen nun morgens um sechs Uhr Agenten vor seiner Tür, die ihn verkabelten. „Fast drei Jahre lang trug ich jeden Tag drei Mikros, wenn ich ins Büro ging“, erinnert er sich. „Eines klebte an meiner Brust, ein zweites befand sich in einer Schreibmappe und ein weiteres in einem Geheimfach in meinem Aktenkoffer.“ Die Bänder wechselte Whitacre auf der Firmentoilette. Das FBI lobte den Einsatz und Wert seiner Arbeit, und er selbst gefiel sich immer mehr in der Rolle des Undercover-Agenten. Irgendwann schlug er dem FBI vor, ihn 014 zu nennen, weil er doppelt so clever sei wie James Bond.

Der Fall ist ein klassisches Beispiel für eine horizontale Wettbewerbsbeschränkung, hier die Preisabsprache zwischen Konkurrenten. Es gibt auch vertikale Absprachen, beispielsweise zwischen Produzenten und Zulieferern. Nicht immer werden die Preise erhöht, manchmal teilen die Unternehmen auch nur Märkte untereinander auf. Doch alle Varianten benachteiligen die Kunden, hemmen Innovationen und erschweren den Markteintritt. Und sie sind für die ermittelnden Behörden oft nur sehr schwer nachzuweisen, solange alle dichthalten. Umso wichtiger war es für das FBI, die Preismanipulationen bei ADM zweifelsfrei belegen zu können. Denn die Firma hatte sich nicht nur mit der Lysin-Konkurrenz verbündet, sondern auch bei zahlreichen anderen Produkten illegale Absprachen getroffen.

Neben den Tonbandaufzeichnungen sollte ihr Maulwurf deshalb später auch Videoaufnahmen anfertigen. „Wir benutzten eine grüne Tischlampe mit einer eingebauten Kamera“, erzählt Whitacre. „Ich weiß nicht mehr, in wie viele Hotelzimmer wir diese Lampe mitbrachten. Aber niemandem fiel auf, dass immer dieselbe Lampe in der Ecke stand.“ In den später veröffentlichten Aufnahmen kann man sehen, wie unbekümmert die Verschwörer bei ihren Treffen vorgehen. Produktionsvolumen werden am Whiteboard lapidar aufgeteilt. Als das Hotelpersonal Essen serviert, macht sich niemand die Mühe, die Aufzeichnungen abzudecken. Es wird gescherzt und gelacht. Grund zur Fröhlichkeit gibt es: Allein ADMs Lysin-Sparte machte im Jahr 1993 noch rund 80 Millionen Dollar Verlust, zwei Jahre später waren es dann 80 Millionen Dollar Gewinn.

Nach rund zweieinhalb Jahren verdeckter Ermittlung glaubten FBI und Justizministerium, genug Beweise für ein Verfahren zusammenzuhaben. Am 27. Juni 1995 führten sie eine Razzia bei ADM und in den Privathäusern der obersten Manager durch. Whitacre und der ADM-Präsident Wilson saßen während der Razzia beim gemeinsamen Abendessen in einem Countryclub. Whitacre gab sich überrascht. Als die FBI-Agenten wieder gegangen waren, begann Wilson auf ihn einzureden: Sie müssten jetzt gut aufpassen, niemand dürfe etwas zugeben. Was er nicht wusste: Whitacre nahm auch dieses Gespräch auf.

Das FBI hatte Whitacre Immunität für seine Kooperation zugesichert. Doch sechs Wochen nach der Razzia kam plötzlich eine neue Seite des Kronzeugen zum Vorschein: Bei einem Mittagessen mit zwei der FBI-Agenten, die ihn betreuten, fragte Whitacre „rein hypothetisch“, ob es ein Problem wäre, wenn er in den vergangenen Jahren Bleistifte bei ADM gestohlen hätte. Die FBI-Mitarbeiter lachten und winkten ab. Doch Mark Whitacre fragte weiter: Und was wäre, wenn er, nun ja, ein wenig Geld gestohlen hätte? Den Agenten verging das Lachen. Wie viel Geld? Ein paar Tausend Dollar, na gut, 50 000. Am Ende behauptete er, es wäre eine halbe Million. Doch auch das war stark untertrieben.

Als Whitacre ADM gegenüber zugab, dass er der Maulwurf war, und die Firma seine Abrechnungen prüfte, fand sie Veruntreuungen im Wert von mehr als neun Millionen Dollar. Whitacre hatte jahrelang Rechnungen von fingierten Firmen abgezeichnet und das Geld auf Offshore-Konten gesammelt. „Ich wusste doch, dass meine Karriere bei ADM vorbei sein würde, wenn rauskommt, dass ich das FBI informiert habe“, sagt der heute 60-Jährige. „Ich wusste, meine Aktienoptionen wären wertlos, und niemand in der Branche würde mir mehr einen Job geben. Ich dachte, mir stehe das Geld zu.“

Durch die Veruntreuung verlor der Informant jedoch auch seine Immunität in der Kartellklage. Kurzzeitig verklagte er wiederum das FBI: Er behauptete, man habe ihn zur Zusammenarbeit gezwungen und dazu gebracht, entlastendes Material zu vernichten. Dann stellte sich auch diese Aussage als frei erfunden heraus. Whitacre versuchte in dieser Zeit zweimal Selbstmord zu begehen. Im Krankenhaus wurde bei ihm anschließend eine bipolare Störung diagnostiziert.

Ins Gefängnis musste er trotzdem – obwohl sich mehrere Mitarbeiter des FBI und des Justizministeriums dafür einsetzten, seine Mithilfe beim Kartellverfahren als strafmindernd zu werten. Mark Whitacre bekannte sich in 37 Fällen der Veruntreuung und Steuerhinterziehung schuldig und wurde dafür zu neun Jahren Gefängnis und einer Rückzahlung von elf Millionen Dollar verurteilt. Für die Preismanipulation bekam er im Sommer 1999 noch weitere zweieinhalb Jahre.

Seine beiden Vorgesetzten Michael Andreas und Terry Wilson wurden zu jeweils zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe von je 350 000 Dollar verurteilt. Bis dahin war dies die höchste Haftstrafe, die je in einem Kartellrechtsurteil verhängt worden war. ADM musste eine Strafe von 100 Millionen Dollar für Preisabsprachen bei Lysin und Zitronensäure bezahlen – auch das war damals eine Rekordsumme. Beim Maissirup reichten die Beweise des FBI nicht für eine strafrechtliche Verfolgung. Doch im Rahmen einer Zivilklage von Abnehmerfirmen wie Coca-Cola einigte sich die Firma 2004 auf einen Vergleich und zahlte 400 Millionen Dollar an die Geschädigten. Noch heute ist ADM mit 32 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 62 Milliarden Dollar einer der größten Hersteller von Lebensmittelzusätzen der Welt.

Schurke oder Held?

Mark Whitacre wurde am 21. Dezember 2006 wegen guter Führung nach rund achteinhalb Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen. Im Gefängnis erwarb er per Fernstudium Doktortitel in Psychologie und Betriebswirtschaft und beendete ein Jurastudium. Heute ist er Forschungsvorstand der kalifornischen Biotech-Firma Cypress Systems. „Die Jahre, in denen ich jeden Tag eine Wanze tragen musste, waren viel schlimmer als die Zeit im Gefängnis“, sagt Whitacre. „Ich hatte keinerlei Training, und dieser permanente Druck führte letztlich auch zu meiner Psychose. Wenn ich die Wahl zwischen neun Jahren Gefängnis und drei Jahren als Maulwurf hätte, würde ich sofort ins Gefängnis gehen.“ Zahlreiche Regierungsmitarbeiter hatten sich während seiner Haft für eine Begnadigung eingesetzt – jedoch ohne Erfolg. „Ohne ihn hätte es den bis dato größten Anti-Trust-Fall nicht gegeben“, sagte der ehemalige FBI-Agent Dean Paisley in Interviews. „Hätte er das Geld nicht veruntreut, wäre der Mann ein Nationalheld – für mich ist er das trotzdem.“

Seit Whitacres Bekenntnis ermitteln die Behörden entschlossener gegen Preisabsprachen (siehe auch Seite 108: „Das Milliarden-Spiel“). Es wirkt fast so, als habe es die Videoaufnahmen der lachenden Firmenchefs gebraucht, um den Ehrgeiz der Kartellbehörden zu wecken. „Lange Zeit galt die Annahme, dass sogenannte white-collar-crimes vor allem im Mittelbau einer Firma begangen würden, aber nie ganz oben“, sagt der Autor Kurt Eichenwald. „Doch der ADM-Fall zeigte, dass es sehr wohl ganz oben beginnen kann.“ Seitdem wurden die Höchststrafen für solche Fälle in den USA verzehnfacht. In den Neunzigerjahren betrug die durchschnittliche Haftstrafe noch acht Monate. Inzwischen ist der Durchschnitt auf mehr als zwei Jahre gestiegen.

In Europa gilt Ähnliches: Hier beliefen sich in den Neunzigerjahren alle Kartellstrafen zusammen lediglich auf eine halbe Milliarde Euro, doch seit dem Jahr 2005 wurden bereits mehr als 20 Milliarden Euro Strafe verhängt. Die zuständige EU-Kommission wertet inzwischen schon den Austausch von Informationen zwischen Konkurrenten als geheime Absprache – selbst wenn kein Nachweis für eine explizite Preisabsprache existiert. Auch die Rolle der Kronzeugen machte erst der ADM-Fall deutlich. Die US-Behörden haben deshalb ein Programm namens Leniency Plus initiiert, bei dem die erste Firma eines Kartells, die eine Aussage macht, straffrei ausgeht. Mehr als 50 Länder weltweit haben dieses Programm inzwischen übernommen – und so gut wie alle großen Ermittlungen basieren auf Erkenntnissen, die daraus gewonnen wurden. ---

„ Die Jahre, in denen ich jeden Tag eine Wanze tragen musste, waren viel schlimmer als die Zeit im Gefängnis.“

Fünf prominente Preisabsprachen

Das Reißverschluss-Kartell

Kein Teil ist zu klein, um seinen Preis nicht abzusprechen: Im Jahr 2007 verurteilte die Europäische Kommission die Firmen YKK, Prym, Coats sowie vier weitere Hersteller von „Verbindungs- und Befestigungssystemen“ (Reißverschlüsse, aber auch Druckknöpfe und Ähnliches) zu einer Geldbuße von insgesamt gut 300 Millionen Euro. Die Kartellwächter hatten festgestellt, dass die Unternehmen in verschiedenen Konstellationen Preis-erhöhungen koordiniert, Mindestpreise festgelegt, Kunden und Märkte untereinander aufgeteilt und andere wichtige und vertrauliche Geschäftsinformationen ausgetauscht hatten. Von 1991 bis mindestens 2001 habe es jährliche „Preisrunden“ gegeben, an denen auch der deutsche Fachverband VBT beteiligt war.

Das Luftfracht-Kartell

„Es ist bedauerlich, dass so viele große Fluggesellschaften ihre Preise zum Nachteil der europäischen Unternehmen und Verbraucher abgesprochen haben“, sagte der Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia im Jahr 2010. Elf Luftfrachtunternehmen, darunter Air France-KLM, British Airways, Cathay Pacific, SAS und Qantas, hatten sechs Jahre lang ihr Vorgehen bei Treibstoff- und Sicherheitszuschlägen abgesprochen. Die Geldbuße betrug insgesamt 799 Millionen Euro. Lufthansa wurde die Buße vollständig erlassen, da das Unternehmen als erstes Informationen über das Kartell vorgelegt hatte.

Das Zucker-Kartell

Im Jahr 2014 verurteilte das Bundeskartellamt die drei großen deutschen Zuckerhersteller Südzucker, Nordzucker und Pfeifer & Langen sowie sieben persönlich Verantwortliche. Diese „haben ein Gebietskartell gegründet und sich über viele Jahre darüber abgesprochen, sich beim Vertrieb von Zucker in Deutschland im Wesentlichen auf ihr angestammtes Gebiet zu beschränken und den anderen Kartellbeteiligten nicht in die Quere zu kommen“, sagte Andreas Mundt, Präsident des Bundes- kartellamtes. Es handelte sich dabei um Zucker sowohl für die weiterverarbeitende Industrie als auch für den Endkunden.

Das Autoglas-Kartell

Zwischen 1998 und 2003 führten die Unternehmen Asahi, Pilkington, Saint-Gobain und Soliver regelmäßig Gespräche, um die Aufträge der Automobilbauer untereinander aufzuteilen und Preise zu vereinbaren. Die vier Unternehmen kontrollierten damals rund 90 Prozent des euro-päischen Autoglasmarktes für Neuwagen und Originalteile. Saint-Gobain erhielt wegen wiederholten Verstoßes gegen das Kartellrecht eine um 60 Prozent erhöhte Strafe von 896 Millionen Euro. Asahi half mit zusätzlichen Informationen bei den Ermittlungen und erhielt deshalb eine um 50 Prozent verringerte Geldbuße von 113,5 Millionen Euro.

Das Libor-Kartell

Im Jahr 2011 wurde bekannt, dass mehrere Banken – darunter Barclays, Deutsche Bank und Société Générale – über mehrere Jahre hinweg die internationalen Referenzzinssätze Libor, Euribor und den japanischen Tibor manipuliert hatten. Die geänderten Zinssätze konnte das Kartell unter anderem für risikolose Spekulationen und überteuerte Kreditvermittlungen nutzen. Zentrale Figur im Libor-Skandal ist der frühere UBS- und Citigroup-Broker Tom Hayes. Er wurde 2015 zu 14 Jahren Haft verurteilt (siehe auch brand eins 06/2017: „Die magische Zahl“).

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