Ein Blick ins Heft

brand eins Chefredakteurin Gabriele Fischer stellt einmal im Monat das neue Heft vor und schreibt über die Gedanken, die die Redaktion zum jeweiligen Schwerpunkt bewegen. Wenn Sie den Leser-Newsletter gerne empfangen möchten, melden Sie sich bitte hier an:

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Schwerpunkt: Wettbewerb

Lieber Leser,

vor ziemlich genau neun Jahren war Wettbewerb schon einmal unser Thema, Popeye der Titelheld und der „Marktmitgestalter“ Ziel unseres Spotts: Zu weich gespült schien uns der Wettbewerb, zu stark die Tendenz in der Wirtschaft, gemeinsame Sache zu machen. Weil das immer zu Lasten des Kunden geht, plädierten wir im Sommer 2008 für die Wiederbelebung der guten alten Konkurrenz: fair, aber hart in der Sache.

Seitdem haben wir gelernt, was Plattform-Kapitalismus ist und welche Gefahren dem Wettbewerb durch die Digitalisierung drohen. Das Monopol scheint salonfähig geworden zu sein, gleichzeitig läuft jede gute Idee Gefahr, kopiert zu werden. Konkurrenz bedeutet da immer häufiger: Ausschaltung des Gegners durch Übernahme oder dessen Insolvenz. Und der Kunde? Bleibt wieder auf der Strecke.

Gute Gründe, sich die heutige Wettbewerbs-Situation genauer anzusehen.

Groß sprechen

Foto: Felix Brüggemann


Groß sprechen

Zugegeben, das Taxigewerbe ist nicht unbedingt ein Beispiel für einen funktionierenden Markt. Aber ob es besser wird, wenn der US-Rüpel Uber das Sagen hat? Mischa Täubner hat sich einen Überblick über die Branche verschafft, um eine Antwort auf die Frage zu finden, wie der Wettbewerb zu retten ist. Warum das so schwer ist, erhellt auch das Gespräch mit einem Monopolisten: Jochen Engert hat mit seinen Flixbussen den deutschen Überland-Busmarkt fest im Griff – und weist dennoch jeden Verdacht der Marktbeherrschung von sich. Schließlich konkurriere er mit jedem anderen Verkehrsmittel. Und gut für den Kunden sei die starke Stellung seiner Firma sowieso („Uber gegen Waldner“; S. 38 / „Vom Start-up zum Monopolisten“; S. 88).

Groß denken

Illustration: Ika Künzel


Groß denken

Fiona Scott Morton kommt diese Haltung bekannt vor: Die ehemalige Wettbewerbsaufseherin der Regierung von Barrack Obama fasst ihre Erfahrungen so zusammen: „Ein Geschäftsmann liebt den Profit, ein Ökonom den Wettbewerb“. Wer die Konkurrenz dominiert, hat gute Aussichten auf Extraprofit. Dabei muss man die Kleinen gar nicht vernichten: Viel schlauer ist es, sie für sich arbeiten zu lassen. Das nennt sich Plattform-Kapitalismus, und da kann jeder mitspielen, der die Regeln der Großen akzeptiert. Ob das gut oder schlecht ist? Den Wettbewerbsrechtler Justus Haucap interessiert vor allem, ob solche Verhältnisse dem Kunden nützen („Mehr Wettbewerb!“; S. 44 / „Im goldenen Käfig“; S. 48 / „Die Zehn Gebote ändern sich nicht“; S. 74).

Groß abstauben

Foto: Jens Passoth


Groß abstauben

Ganz ohne Zweifel schädlich für den Wettbewerb sind Kartelle, auch wenn der geprellte Kunde groß und mächtig ist. Die Deutsche Bahn hat irgendwann beschlossen, gegen den organisierten Betrug vorzugehen, seitdem hat eine kleine Abteilung viele Millionen Euro eingesammelt. Marc Whitacre kämpfte allein: Der einstige Vizepräsident von Archer Daniels Midland hat Anfang der Neunzigerjahre als Informant des FBI eines der größten Kartell-Vergehen aufgedeckt. Warum er dennoch im Gefängnis landete, ist eine andere Geschichte („Das Milliarden-Spiel“; S. 108 / „Der Maulwurf“; S. 90).

Groß werden

Illustration: Alexander Glandien


Groß werden

Und wo gibt es ihn noch, den Wettbewerb, den wir doch brauchen? Unter Managern zum Beispiel, auch wenn sich der Kampf um die Spitzenplätze verändert hat. In der Formel 1, auch wenn er dort so reguliert wird, dass weder die kleineren Mitspieler noch die Zuschauer etwas davon haben. Besser funktioniert er im beschaulichen Wittlich, wo sich Behördenmitarbeiter mit Kaufleuten verbünden, um die Innenstadt lebendig zu erhalten. Und ganz sicher in der Reisebranche: Die scheint zwar inzwischen auch von den Plattformen beherrscht, aber die Urlaubspiraten haben ihre eigene Route gefunden („Schach oder Go?“; S. 78 / „Eine komplexe Formel“; S. 114 /„Ihr Kaufleute, kommet!“; S. 96 /„Gut Wind im Segel“; S. 66).

Große Sprünge

Illustration: Joni Majer


Große Sprünge

Im oberfränkischen Wattendorf lässt sich der gedeihliche Wettbewerb beobachten, den zwei sich direkt gegenüberliegende Brauereien seit gut 150 Jahren betreiben. Die beiden Brauer messen sich, suchen nach neuen Rezepturen, wollen besser sein als der andere – aber sie kämen nie auf die Idee zu kopieren, was der andere macht. Das aber ist inzwischen weder verwerflich noch strafbar: Fast die gesamte Digitalwirtschaft lebt von der Kopie. Und es scheint, als färbe der laxe Umgang mit Originalen ab: Auch in anderen Branchen verkürzt sich die Frist, in der ein Unternehmer seine Innovation exklusiv hat („Mein Bier, dein Bier“; S. 58 / „What‘s new Copycat?“; S. 102).

Daher unser Appell: Rettet den Wettbewerb!

Viel Spaß mit der neuen Ausgabe
Gabriele Fischer

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