Ein Blick ins Heft

brand eins Chefredakteurin Gabriele Fischer stellt einmal im Monat das neue Heft vor und schreibt über die Gedanken, die die Redaktion zum jeweiligen Schwerpunkt bewegen. Wenn Sie den Leser-Newsletter gerne empfangen möchten, melden Sie sich bitte hier an:

Newsletter bestellen

Schwerpunkt: Überraschung

Lieber Leser,

jeder Schwerpunkt ist ein Abenteuer. Denn jedes Mal entdecken wir Facetten eines Themas, mit denen wir zuvor nicht gerechnet haben. Der Überraschung zum Beispiel näherten wir uns mit der Frage, ob all die Daten, die heute erhoben werden, uns vor dem Unerwarteten bewahren und ob das erstrebenswert ist.

Am Ende landeten wir bei Geschäftsmodellen, Erfindungen, Außenseitern und der Erkenntnis, dass der Versuch, Überraschungen im Wirtschaftsleben auszuschließen, nicht nur sinnlos, sondern sogar geschäftsschädigend ist.

Auf Nummer Sicher

Illustration: Jill Senft


Auf Nummer Sicher

Wie verreisen Sie? Einfach losfahren? Oder vorher alles genau planen? Unser Autor Christoph Koch weiß lieber vorher, was ihn erwartet – und hat dafür eine stattliche Sammlung an Apps zusammengestellt. Auch bei der Personalauswahl wollen sich viele Unternehmen vor Überraschungen schützen und verlassen sich zunehmend auf die vermeintliche Unbestechlichkeit des Computers. In den USA werden inzwischen selbst Bewerbungsgespräche digital geführt und ausgewertet. Nils Wischmeyer hat es ausprobiert und kam beim Interview mit dem Rechner von HireVue in die engere Wahl („Reise ins Gewisse“; S. 62 / „Der Computer, der mich einstellte“; S. 114).

Kalkulierte Risiken

Fotografie: Roderick Aichinger


Kalkulierte Risiken

Wird also alles irgendwann berechenbar? Der Philosoph Julian Nida-Rümelin hat da seine Zweifel. Denn mit der Rechnerkapazität nimmt auch die Komplexität zu: Bei selbstlernenden Systemen sei nicht immer klar, wie sie zu bestimmten Ergebnissen kommen; böse Überraschungen seien programmiert. Daten sind hilfreich, aber bewerten und entscheiden muss am Ende der Mensch. Wie das in der Praxis funktionieren kann, zeigt ausgerechnet eine amerikanische Fast-Food-Kette, die zu einer Instanz für Hurrikan-Warnungen geworden ist. Wenn in den Vereinigten Staaten wieder einmal ein Wirbelsturm tobt, schauen selbst Verantwortliche von staatlichen Institutionen, ob schon ein Waffle House geschlossen hat – denn dann wird es ernst („Entscheiden kann nur der Mensch“; S. 64 / „Im Auge des Sturms“; S. 46).

Unerwartete Siege

Fotografie: Ramon Haindl


Unerwartete Siege

In Traditionsbranchen läuft das Geschäft oft seit je nach alter Väter Sitte. Für Außenseiter ist das keine schlechte Startposition. So ist es Ralf Pollmeier gelungen, dem Zersägen von Holzstämmen ganz neue Dimensionen abzugewinnen. Zwei Tüftler aus dem Schwäbischen haben der Uhrenindustrie gezeigt, dass Zeiterfassungsgeräte nicht unbedingt einen Zeiger brauchen. Und auch Ralf Kunert verließ ausgetretene Pfade und baute seinen Job als Einkäufer von Bio-Rohstoffen zu einer besonderen Form von Entwicklungshilfe aus: Er garantiert seinen Lieferanten nicht nur die Abnahme ihrer Waren, sondern sorgt auch dafür, dass sie diese produzieren können („Dicke Bretter“; S. 94 / „Einfach umgestellt“; S. 90/ „Der Möglichmacher“; S. 108).

Überraschende Phänomene

Fotografie: Michael Hudler


Überraschende Phänomene

Dass sich mit Überraschungen Geschäfte machen lassen, ist nicht neu. Doch ist erstaunlich, was sich alles verkaufen lässt, wenn man die Fantasie des Kunden anregt. Die Forscherin Wiebke Klingemann sucht nach Erklärungen, der Kriminalbiologe Mark Benecke hat aus dem Effekt ein Nebengeschäft gemacht: Mit seinen Vorträgen über unerwartete Funde bei der Tatortbesichtigung oder zunächst unerklärliche Phänomene wie die spontane menschliche Selbstentzündung füllt er Hallen („Unglaublich“; S. 72 / „Kai aus der Kiste“; S. 82 / „Die Ökonomie des Überraschungs-Eis“; S. 107 / „Wie ein Fallschirmspung in Klein“; S. 86 / „Doktor Seltsam“; S. 128).

Nüchterne Erkenntnisse

Fotografie: Thekla Ehling


Nüchterne Erkenntnisse

Auch wenn das Unerwartete seinen Reiz hat: Im Geschäftsleben hätten wir lieber alles im Griff. Doch das, so warnt Wolf Lotter, ist eine Illusion. Nicht nur die Notlandung des US-Airways-Fluges 1549 auf dem New Yorker Hudson River im Jahr 2009 zeigt, dass besser dran ist, wer mit Unvorhergesehenem umgehen kann. Der Düsseldorfer Telekommunikationsdienstleister Sipgate hat deshalb die Überraschung zum Management-Prinzip gemacht. Das mag nicht jedermanns Sache sein, aber es funktioniert. Und es passt in jedem Fall besser in die Zeit, als berechenbare Routine („Störzonen“; S. 34 / „Immer in Bewegung bleiben“; S. 76).

In diesem Sinne: Frohe Ostern
Gabriele Fischer

Wussten Sie schon ...?

 

Wir möchten Sie noch auf zwei Angebote von brand eins hinweisen. Zum einen gibt es seit wenigen Wochen brandeins.de/international – die von Ingo Malcher und einem britischen Team kuratierte englische Ausgabe von brand eins. Und im September haben wir das brandeins-Zukunftsabo eingeführt, das großartig angelaufen ist. Ob Sie ein Zukunftsabo beziehen oder sponsern wollen: Besuchen Sie uns gern auf brandeins.de/zukunftsabo.

Idea
Read