Ausgabe 12/2017 - Kolumne

Cido

Wenn der Postmann nicht mehr klingelt …

• Julian Wulf bestellt gern Dinge im Internet. Aber immer wenn der Paketbote kommt, ist er nicht zu Hause. Mit dem Problem ist er nicht allein. Und so entwarf der ehemalige Student der Wirtschaftsinformatik, der am Institut für Logistik und Transport der Universität Hamburg promovierte, „aus persönlichem Schmerz“, wie er sagt, eine Art Schlüsselsystem nicht nur für Paketboten.

Cido heißt die Apparatur, die außen am Haus angebracht wird. Boten halten das Paket davor, ein Scanner prüft den Barcode und stellt fest, ob sich das Paket tatsächlich gerade in Zustellung befindet und für einen Bewohner des Hauses bestimmt ist. Dann öffnet Cido die Eingangstür.

Anders als beim geplanten System von Amazon in den USA soll der Zulieferer aber keinen Zutritt in private Wohnungen erhalten, sondern nur ins Treppenhaus gelangen. Dort legt er die Sendungen in eigenen Schließfächern oder Pakettaschen ab, die nur der Empfänger öffnen kann.

Das System verfügt bereits über die Schnittstellen zu den drei größten Paketdiensten in Deutschland. Andere sollen folgen. Für die Technik ist Felix Ueckermann verantwortlich, der Teile von Cido als Bachelor-Arbeit entwickelt hat.

Getestet hat Wulf das System in dem Mehrfamilienhaus, in dem er wohnt. Die Eigentümer waren schnell überzeugt, die Lieferdienste stellten die Anbindung bereit, und die Zusteller haben ganz automatisch die Codes vor den Scanner gehalten. „Erklärungen waren gar nicht nötig“, sagt Wulf. „Oft haben die Boten gar nicht mehr geklingelt.“

Die Zustellung wird so einfacher und schneller. Für den Kunden entfällt der Weg zur Postfiliale. Und in Städten könnte es zu weniger Verkehr in Stoßzeiten führen, denn auch Abend- oder Nachtzustellungen wären so möglich.

Das Start-up bekommt noch bis März 2018 eine Exist-Förderung. In wenigen Wochen soll ein sechsmonatiger Test in 15 Häusern in Stade beginnen. Mitte 2018 wollen Wulf und Ueckermann dann mit ihrem Produkt auf den Markt kommen.

Bis dahin suchen sie Partner aus der Wohnungswirtschaft und denken über weitere Nutzungsmöglichkeiten nach. „Reinigungskräfte und Techniker, Zeitungs-, Getränke- oder Lebensmittellieferanten“ könnten weitere Zielgruppen werden, so Wulf. ---

Cido

Eine Entwicklung der Uniberry GmbH, Julian Wulf und Felix Ueckermann
Mit Unterstützung der Universität Hamburg
Kontakt: info(at)cido.io