Ausgabe 10/2017 - Schwerpunkt Strategie

Wie will ich leben?

Mit einer gehörigen Portion Größenwahn

• Schöne Idee: eine Strategie für die eigene Karriere. Am besten ohne Risiken, ohne Umwege, und das Ziel immer im Blick. Blöd nur, dass die Welt ziemlich unübersichtlich ist. Wer möglichst geschmeidig durchs Leben kommen will, kann schnell auf einem Langweilerposten landen. Wer sich auf gute Beziehungen verlässt, kann mit den Verbündeten scheitern. Wer nur den eigenen Ellbogen traut, muss damit rechnen, irgendwann von härteren Ellbogen aus dem Weg geräumt zu werden. Und je interessanter ein Beruf, desto geringer ist oft die Wahrscheinlichkeit, dass die Karriere schön linear verläuft.
Auskünfte von drei Menschen, die ihre Karriere planen oder eben nicht.

Der Unternehmer: Florian Nitschke, 17

Florian Nitschke lebt in Wonneberg, einem Dorf in Bayern mit 1500 Einwohnern. Sein Betrieb Manufaktur von Doberstein baut und vertreibt Aquarien und Brunnen. Gegründet hat er ihn im September vergangenen Jahres, da war er 16. Derzeit liegt der Umsatz nach seinen Angaben bei rund 100 000 Euro im Jahr. Nach dem Hauptschulabschluss hat Nitschke parallel zur Arbeit im eigenen Unternehmen eine kaufmännische Lehre beim Schuh- und Bekleidungshersteller Lukas Meindl begonnen, derzeit ist er im zweiten Lehrjahr.

„Ich weiß schon lange, dass ich mein eigener Chef sein will. Ich habe im Internet geschaut, wie das geht, sich selbstständig zu machen, da war ich 13 oder 14. Es gibt Sonderregeln für Gründer unter 18. Ich habe bei Gerichten angerufen und mich erkundigt, die Industrie- und Handelskammer (IHK) gefragt, was ich machen muss. Mit 15 bin ich es angegangen. Ich wollte nicht länger als nötig zur Schule gehen, sondern etwas Eigenes machen. Der IHK musste ich einen Businessplan vorlegen, damit sie mir Geschäftsfähigkeit bescheinigt, weil ich noch nicht 18 bin. Auf die Idee, etwas mit Aquarien und Brunnen zu machen, kam ich, weil sie mich faszinieren.

Angefangen habe ich in der Garage. Ich habe im Internet geschaut: Welche Firmen bauen Aquarien und Brunnen, und wer fertigt die Bauteile, die man dafür braucht? Ich habe gefragt, ob ich vorbeischauen kann, damit sie mir das erklären, und ob ich mal mitarbeiten kann. Mein Vater hat mich zu den Firmen gefahren. Bei einigen wurde ich erst mal gefragt, ob ich es ernst meine. Aber als sie sahen, dass ich alles dabei hatte und mich auskenne, nahmen sie mich ernst. Einige dieser Firmen sind heute meine Lieferanten. Wenn ich im Kaufmännischen etwas nicht weiß, frage ich meinen Chef bei der Firma Meindl, er findet es super, dass ich eine eigene Firma aufbaue.

Ich habe mir angeschaut, welche Firmen etwas Ähnliches anbieten, denn ich wollte etwas machen, das andere nicht können. Viele importieren nur Brunnen oder Aquarien, die sind billiger, aber sie bieten keine Sonderanfertigungen an. Wichtig sind meine Partnerfirmen. Für die Aquarien arbeite ich heute mit einem Glaser zusammen, für die Brunnen mit einem Steinmetz.

Auf den Namen der Firma bin ich gekommen, weil Brunnen-Nitschke langweilig klingt, das fällt nicht auf. Was wir machen, ist exklusiv, deshalb Manufaktur und das adlige ,von‘ im Namen. Ich habe einen Dobermann, wir arbeiten mit Stein, also ,Manufaktur von Doberstein‘, das kann man sich gut merken.

Um Architekten kennenzulernen, habe ich Messen besucht. Im Internet habe ich nach Architekten gesucht, die Restaurants oder größere Privathäuser bauen. Die habe ich angeschrieben oder angerufen, um mich vorzustellen. So habe ich Aufträge bekommen. Der Umsatz wächst, Ende des Jahres stelle ich eine Vollzeitkraft ein, anders geht es nicht mehr. Die Firma soll weiter wachsen. Wir haben mit kleineren Gartenbrunnen und Aquarien angefangen. Das Produktangebot muss breiter werden.

Wir haben jetzt auch Anfragen von Messeausstattern und Hotels, die größere Wasserwände oder Brunnen wollen. Das wird auch technisch anspruchsvoller, größere Brunnen haben eine Steuerungssoftware – etwa damit das Wasserprogramm zum Licht und zur Musik passt.

Im Augenblick geht die ganze Kraft in die Firma. Ich arbeite jedes Wochenende durch und praktisch jeden Abend, wenn ich von der Lehre komme. Zu tun ist genug. Es macht Spaß zu sehen, dass das so aufgeht, dass die Firma wächst, den Kunden unsere Brunnen gefallen und sie uns weiterempfehlen.“

Der Politiker: Harald Wolf, 61

Harald Wolf empfängt in seinem Büro im Berliner Abgeordnetenhaus. Von 2002 bis 2011 war er Berliner Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen in der rot-roten Koalition. Heute sitzt er für Die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus.

brand eins: Ab wann war es Ihr Ziel, Berufspolitiker zu werden?

Harald Wolf: Das hatte ich nicht. Ich war immer politisch aktiv, schon als Schüler. In meiner Biografie gibt es mehrere Brüche. Zuerst war ich in trotzkistischen Gruppen. Damals wollte ich ganz bestimmt nicht Minister werden. 1986 bin ich mit anderen aus der Gruppe Internationaler Marxisten in die Alternative Liste eingetreten, den Berliner Vorläufer der Grünen. Das war unser neues Projekt, 1988 wurde ich in den Vorstand gewählt. 1990 bin ich dann wegen politischer Differenzen bei den Grünen ausgetreten, seit 1991 bin ich für die Linkspartei im Berliner Landesparlament. Mit einem Begriff wie „politischer Heimat“ kann ich eher wenig anfangen. Parteien sind Zweckbündnisse, um gemeinsame Ziele durchzusetzen.

Sie waren fast zehn Jahre Berliner Wirtschaftssenator. Braucht man eine Strategie, um eine solche Position zu erreichen?

Ich hatte keine Strategie, ich wollte auch nicht Wirtschaftssenator werden, das war nicht mein Plan. Ich wollte Fraktionsvorsitzender bleiben, um nicht in die Kabinettsdisziplin eingebunden zu sein. Wirtschaftssenator wurde ich, als Gregor Gysi nach fünf Monaten im Amt zurücktrat – da musste ich entgegen meiner Pläne einspringen. Mir war klar, dass ich ihn nicht imitieren kann, ich bin nicht so eine schillernde Figur. Meine wichtigste Aufgabe, das können Sie auch Strategie nennen, war es zu beweisen, dass Rot-Rot in Berlin regierungsfähig ist und dass Linke auch Wirtschaft können.

Sie waren immer relativ schnell in Leitungsfunktionen. Schon in den linksradikalen Gruppen der Achtzigerjahre galten Sie als jemand, der durchaus robuste Machtstrategien beherrscht. Gehört das zur Politik?

Natürlich. Als Politiker ist man nicht nur Idealist. Politik ist das permanente Ringen um Einfluss und Macht, um die eigenen politischen Ziele zu erreichen, und zwar innerparteilich und gesellschaftlich.

War dafür die verbissene Debattenkultur der K-Gruppen ein gutes Training?

Das war eine gute und harte Schule, mit allen Übertreibungen jener Zeit. Man lernt, andere zu überzeugen und Allianzen zu bilden. Das ging bei den Grünen weiter, die ja auch nicht immer von übertriebener Harmonie geprägt waren.

Wann haben Sie sich dazu entschieden, die Politik zu Ihrem Beruf zu machen?

Es gab nicht den einen Tag, an dem ich beschlossen habe, Politiker zu werden, das waren Etappen. Als ich im Vorstand der Alternativen Liste war, bekam ich einen Werkvertrag. Ich sollte während der ersten Berliner rot-grünen Koalition den Austausch zwischen Partei, Fraktion und Senat koordinieren. Das war, mit 33 Jahren, mein erster Arbeitsvertrag in der Politik. Davor war ich unter anderem wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung.

Wäre eine Karriere als Wissenschaftler auch eine Option gewesen?

Die Tage am Schreibtisch und in der Bibliothek zu verbringen, ohne dass die Produktion von Texten in die politische Praxis führt, wäre mir zu wenig gewesen.

Eine Karriere in der Politik ist riskant. Wenn man nicht mehr gewählt wird, kann es beruflich eng werden, erst recht, wenn man nichts anderes gelernt hat. Haben Sie solche Situationen erlebt?

Als ich 1990 bei den Grünen ausgetreten bin, war meine Perspektive unklar. Ich wusste nicht, wie es weitergeht. Materiell war ich nicht abgesichert, das erste halbe Jahr habe ich von Ersparnissen gelebt. Mein politisches Interesse galt einer gesamtdeutschen, demokratischen linken Partei. Das waren weder die Grünen noch die damalige PDS. Ich wollte mit den Reformern der PDS und dem linken Teil der Bürgerrechtsbewegung arbeiten. Aber das war keine Berufsperspektive.

Hatten Sie Existenzängste?

Eigentlich nicht. Ich habe darüber nachgedacht, wieder ein Redaktionsbüro mit anderen zu eröffnen, das hatte ich schon mal gemacht. Ich war selbstbewusst genug zu wissen, dass ich immer etwas finde, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, ich brauche keinen aufwendigen Lebensstil. In der Politik gibt es nur Zeitverträge, das ist auch richtig so. Das Risiko, das Mandat zu verlieren und das eigene Leben neu organisieren zu müssen, ist immer eingepreist. Das ist kein Grund zur Larmoyanz. Verglichen mit den Zeitverträgen zum Beispiel von Leiharbeitern sind die von Parlamentariern ziemlich luxuriös.

Waren Sie dankbar, als Ihnen 1991 die PDS angeboten hat, auf der offenen Liste bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus zu kandidieren?

Meine Bedingung war, dass auch Kandidaten aus der linken Opposition der DDR und der Bürgerrechtsbewegung aufgestellt werden, sonst hätte ich es nicht gemacht. Wir hatten im Berliner Landesverband harte Kämpfe mit alten SED-Funktionären, etwa zum Umgang mit der Stasi und mit früheren IMs. Hätten sich die Reformer nicht durchgesetzt, hätte ich auf Dauer nicht in der Fraktion bleiben können. Der Partei beigetreten bin ich erst 1999.

Waren Sie erschrocken, als Sie 2002 plötzlich Senator werden sollten?

Ich war sauer über Gysis Rücktritt, das war die erste emotionale Reaktion. Ich wusste, dass das nicht leicht werden würde. Berlin war bankrott, wir konnten kaum etwas verteilen, sondern mussten den Haushalt konsolidieren. Ich musste lernen, mit dem Verwaltungsapparat zu arbeiten. Die Wirtschaft hatte nicht gerade auf einen PDS-Wirtschaftssenator gewartet. Es ging darum, bei der Industrie- und Handelskammer sowie den Unternehmen Vertrauen aufzubauen. Ich habe mir langsam Respekt erarbeitet, etwa indem ich verlässlich war und die Wirtschaftspolitik strategisch neu ausgerichtet habe. Vieles von dem, was ich als Senator gemacht habe, etwa die Clusterbildung, die Neuorganisation der Institutionen der Wirtschaftsförderung, hätten auch Politiker anderer Parteien machen können. Meine konservativen Vorgänger hatten es allerdings unterlassen. Mit der Einführung eines Mindestlohns bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, sozialer Standards bei der Wirtschaftsförderung und Initiativen für eine Rekommunalisierung ehemals privatisierter Unternehmen konnte ich linke Akzente setzen.

Man kommt ja nicht aus Versehen in verantwortungsvolle Positionen und bleibt 26 Jahre im Parlament. Welche Macht- und Überlebensstrategien hatten Sie?

Ich glaube nicht, dass so etwas wie Autorität und Einfluss in Partei und Fraktion nur durch Hinterzimmerabsprachen entsteht. Das ist keine stabile Grundlage. Es geht nicht ohne fachliche Kompetenz, erst die schafft Autorität. Karriereplanung in der Politik als Selbstzweck, ohne Überzeugungen, für deren Umsetzung man kämpft, funktioniert nicht auf Dauer. Auch viele Abgeordnete des politischen Gegners, in der FDP oder der CDU, kämpfen für ihre Überzeugungen und nicht ausschließlich für irgendwelche Posten. Sicher gibt es Fälle, in denen jemand seine inhaltliche Position räumt, um opportunistisch ein Amt oder Mandat abzusichern. Aber wenn man nicht mehr weiß, wofür jemand steht, wird es schwierig.

Der Theaterregisseur: Ersan Mondtag, 30

Ersan Mondtag ist ein Star, zumindest in der Theaterwelt. Wenige Jahre nach seiner ersten Inszenierung war er zweimal nacheinander zum Berliner Theatertreffen eingeladen; das schaffen andere Regisseure in ihrer ganzen Karriere nicht. Heute kann er sich die Häuser, an denen er arbeitet, aussuchen. Derzeit sind das die Münchener Kammerspiele, das Hamburger Thalia Theater und das Berliner Ensemble.

Mondtag heißt eigentlich Ersan Aygün, er hat seinen Nachnamen wörtlich ins Deutsche übersetzt: Mond-Tag. Seine Eltern sind türkische Arbeitsmigranten. Zum ersten Mal gingen sie ins Theater, als Mondtag sie zu einer Premiere einlud. Seine Regiekarriere hat er von Anfang an sehr zielstrebig betrieben. Er spielte als Schüler Amateurtheater, „mir war schon als Jugendlicher klar, ich will nichts anderes“. Direkt nach dem Abitur hospitierte und assistierte er am Berliner Ensemble und an der Volksbühne, er ging so oft ins Theater wie möglich. Mit 24 wurde er zum Regiestudium an der Münchener Otto Falckenberg Schule angenommen. Gradliniger geht es kaum, einerseits. Andererseits fing er ziemlich früh an, nach eigenen Regeln zu spielen: „Irgendwie wusste ich immer, mir kann nichts passieren, ich hatte keine Angst. Ich war immer größenwahnsinnig. Auch wenn ich mit 20, 21 Jahren bei Frank Castorf oder Claus Peymann bei den Proben war, wusste ich, ich werde es irgendwann besser machen. Ich habe sie bewundert, aber man muss die Meister killen.“ Spätestens als er im zweiten Jahr aus dem Regiestudium flog, weil er sich so ziemlich mit jedem an der Schule angelegt hatte, war es vorbei mit der gradlinigen Karriereplanung.

Ersan Mondtags Interviewstrategie: Er erzählt einfach alles. Wirklich alles. Inklusive Nachtleben (gern heftig), Sexleben (schwul), Beziehungsstatus (seit zwei Monaten liiert) und der Idee, dass er eigentlich demnächst die Schaubühne als Intendant übernehmen müsste, und dem Plan, in zwei Jahren nur noch Opern und Filme zu inszenieren.

Station 1: Regiestudium

„Nach der Zeit an der Volksbühne konnte ich das nicht ernst nehmen. Dieser Stadttheaterkosmos war so eng, ich wusste nicht, weshalb sie alle die Münchener Kammerspiele so toll fanden. Wenn ich eine Strategie hatte, war es die der Provokation, ich überschreite die Grenzen und berufe mich auf meine eigene Autonomie. Wenn einer sagt, so geht das nicht, sage ich, doch, bei mir geht das so, ich bin Künstler und habe das Recht, meine Regeln selbst zu definieren. Ich war kein dankbarer Schüler, ich habe sie alle bekämpft. Irgendwann in den ersten Monaten habe ich mit einer Videokamera eine Probe von Johan Simons gestürmt, er war der Intendant der Kammerspiele, der Godfather der Regie- und Schauspielschule. Ich wäre schon damals fast von der Schule geflogen. Wenn ich im Studium etwas gelernt habe, war es, meine eigene Position zu vertreten. Nichts ist so produktiv wie die Konfrontation. Ich habe gesagt, was wollt ihr eigentlich von den alten Regisseuren und Professoren? Mit denen könnt ihr doch kein Gegenwartstheater machen, ich bin die Zukunft. Dieser Widerstand gegen alle Strukturen war sehr spätpubertär. Ich war gegen das ganze Regelwerk, aber das war auch notwendig, um zu erfahren, was ich eigentlich will. Nach zwei Jahren bin ich von der Schule geflogen. Sie haben meine Arbeit boykottiert, ich musste selbst Gelder besorgen, um proben und Schauspieler engagieren zu können. Ich musste lernen, mich selbst zu organisieren. Das war eigentlich sehr gut.“

Station 2: Freiheit

„Wir haben ein Kollektiv gegründet und Performance-Partys in Clubs organisiert. Mit dem Geld haben wir unsere Theater-Performances finanziert, ich war in München dann relativ bekannt. Die Clubkultur war mir wichtig. Wenn ich eine Intendanz übernähme, würde das Theater der heißeste Club der Stadt. Ich habe damals von Arbeitslosengeld II gelebt, aber ich bin weiter Taxi gefahren und essen gegangen, ich bin ein Künstler, also lebe ich wie ein Künstler. Was soll sein? Das Schlimmste, was passieren kann, ist eine Privatinsolvenz. Wenn es mit dem Theater nicht weitergegangen wäre, wäre es mit dem Nachtleben und den Partys weitergegangen, daraus hätte ich auch Kunst gemacht. Zwei Wochen nachdem ich beschlossen hatte, die Schule zu verlassen, hat mich das Schauspiel Frankfurt angerufen, sie wollten mich für eine Regie engagieren. Das war Zufall, eine Dramaturgin aus Frankfurt suchte einen jungen, radikalen Regisseur und hatte von mir gehört. Dieser Dramaturgin bin ich sehr dankbar, auch dafür, dass sie mich dann ausgehalten hat.“

Station 3: Regie

„Wenn ich inszeniere, will ich wie ein König, der sein eigenes Reich mitbringt, in diese Theater einziehen und nicht wie ein dankbarer Angestellter. Das war meine Haltung, als ich mit 25 zum ersten Mal in diesem Regiestudio am Schauspiel Frankfurt gearbeitet habe, meine erste Inszenierung unter professionellen Bedingungen. Das war natürlich Größenwahn, aber es war auch richtig. Ich kam auf die Probebühne, da waren zwei Schauspieler, ein Tisch, zwei Stühle. Ich habe getobt, ich mache Theater mit starken Bildern, das geht hier so nicht, was soll dieser kleine Raum, ich will, dass sofort der Intendant kommt.

Ich habe mich mit jedem am Theater verkracht, ich bin als Berufsanfänger von Anfang an wie ein Großregisseur aufgetreten, der allen seine Bedingungen diktieren will. Wäre ich der Intendant gewesen, hätte ich jemanden wie mich rausgeworfen. Ich bin heute ab und zu immer noch so, aber nicht mehr so schlimm wie damals. Die Inszenierung ist ganz schrecklich geworden, aber sie wurde zu einem wichtigen Festival eingeladen. Dieses Regiestudio bedeutete, das man drei Inszenierungen macht, egal wie gut oder fürchterlich die erste Arbeit wird. Nach der zweiten Inszenierung kamen dann die Anfragen anderer Theater.

Hätte das alles anders ausgehen können? Wahrscheinlich. Aber darüber habe ich mir damals keine Gedanken gemacht.“ ---

Mehr aus diesem Heft

Strategie 

„Am Ende kommt alles raus“

… sagt Düsseldorfer Rechtsanwalts Stefan Röhrborn, der seit mehr als 20 Jahren Unternehmen und Manager berät. Ein Gespräch über kriminelle Strategien, Leichen im Keller und eine Nebenwirkung deutscher Ordnungsliebe.

Lesen

Strategie 

Flügelkampf

Eigentlich will er nur das perfekte Piano bauen. Doch damit kommt er dem mächtigen Traditionsunternehmen Steinway ins Gehege. Die erstaunliche Geschichte des Paolo Fazioli.

Lesen

Idea
Read