Ausgabe 01/2017 - Kolumne

Bismut (Bi)

Die besondere Eigenschaft

Physiker bewundern an diesem Schwermetall den größten Hall-Effekt oder die stärkste diamagnetische Eigenschaft aller Metalle. Gerät Bismut in ein Magnetfeld, wird es aus diesem wieder herausgedrückt. Der Hall-Effekt beschreibt das Auftreten einer Spannung, wenn sich ein stromdurchflossener Leiter in einem Magnetfeld befindet.

Wer sich darüber nicht den Kopf zerbrechen möchte, erfreut sich an den hübschen großkristallinen Formen des silberweißen Schwermetalls. Bei Kontakt mit Luft bilden sich auch bunt glänzende Oxydationsschichten. Aufgrund einer Dichte­anomalie dehnt es sich beim Erstarren aus. Überdies zählt Bismut zu den wenigen nicht so giftigen Schwermetallen.

Wer braucht es?

Menschen mit Magenschmerzen. Bismutsubsalicylat wird unter dem Produktnamen Pepto-Bismol bei Sodbrennen oder Durchfall verwendet – und auch als Fungizid. Breitere Anwendung findet Bismut in Legierungen mit wohlklingenden Namen wie Wood’sches, Roses’sches oder Lipowitz’-sches Metall, die bereits bei Temperaturen zwischen 60 und 100 Grad Celsius schmelzen. Ende des 19. Jahrhunderts galt das als praktisch für die Herstellung von Zahnfüllungen, später für Scherzartikel, etwa für Löffel, die beim Umrühren schmelzen. Heute benötigt man die Legierungen für Schmelzsicherungen in Sprinkleranlangen oder die Beschichtung in Solarzellen.

Bismut findet man auch in leistungsstarken Dauermagneten, Bremsscheiben, Kondensatoren und Spannungssicherungen oder elektrothermischen Wandlern, die etwa die Sensoren von Digitalkameras kühlen. Es ist eine wichtige Zutat bei der Herstellung optischer Gläser und technischer Keramiken. Die Medizin nutzt es als Detektormaterial in der Tomografie, in der antibiotischen Therapie gegen im Magen siedelnde Helicobacter-Bakterien und in Salben gegen Hämorrhoiden. Die Kosmetikindustrie schätzt es als Farbstoff in Lippen- oder Mascarastiften, ebenso für den Perlglanzeffekt bei Nagellack. Als wetterstabiles Gelb-Pigment mischt man es Lacken, Fassadenanstrichen und Kunststoffen bei. In Feuerwerkskörpern sorgt es für Knistern, Zischen und Rauch.

Wo findet man es?

Die wichtigsten Förderländer sind China, Vietnam und Mexiko. Die größten Vorkommen befinden sich neben China in Kasachstan und Sambia, weitere in Peru, Russland, Australien, Kanada, Spanien, Laos und Bolivien. Meist gewinnt man den Ausgangsrohstoff als Beiprodukt in der Blei- oder Kupferförderung.

Wer verkauft es?

Unter den Top Ten weltweit befinden sich nur drei nicht chinesische Unternehmen: 5N Plus aus Kanada (Umsatz 2015: 311 Millionen Kanadische Dollar), die staat­liche Comibol aus Bolivien und die zum mexikanischen Pelones-Konzern (Umsatz 2015: 2,97 Milliarden Euro) gehörende Metalurgica Met-Mex Pelones. 5N Plus verarbeitet in Belgien Rohstoffe aus Mexiko, China, Peru oder Laos zu hochreinem Bismut und weiteren Raffinerieprodukten. In Deutschland haben die Kanadier Standorte in Eisenhüttenstadt und Lübeck. Weltmarktführer mit einem Marktanteil von fast 15 Prozent ist Hunan Jinwang Bismuth aus China.

Der Weltmarkt …

… erlebt eine starke Konzentration zugunsten von China. Die Bergwerksförderung beträgt weltweit circa 1 600 Tonnen Bismut im Jahr, in Raffinerien werden weitere circa 21 000 Tonnen aufbereitet. Das Angebot übersteigt die Nachfrage um mehr als das Doppelte. Das Umsatzvolumen wird global auf 226,1 Millionen US-Dollar geschätzt.

Der Preis …

… pro Tonne halbierte sich zwischen 2008 und 2015 von 30 000 auf 15 000 US-Dollar. Im Jahr 2007 lag der Höchstpreis bei 45 000 US-Dollar.

Wie geht es weiter?

Die Kosmetikbranche und die Lebensmittelindustrie treiben die Nachfrage, ebenso die Substitution des gesundheitsschädlichen Bleis – etwa in Rohrleitungen oder der Automobilindustrie. Die Überkapazitäten werden dadurch nicht ausgeglichen, auch weil die Pharmabranche Bismut vermehrt ersetzt. ---

Legende:
Ordnungszahl im Periodensystem: 83
Elementsymbol, fest (Schwarz): Bi 
Relative Atommasse: 208,98

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