Ausgabe 04/2017 - Markenkolumne

Kramski Putter

Eingelocht!

• Wiestaw Kramski kommt beim Rundgang durch die Firma in einem Pforzheimer Gewerbegebiet auf sein Lieblingsthema: Präzision. Hier werden Stanz-, Spritzgieß- und Systemteile mit geringsten Toleranzen unter anderem für die Automobil- und Medizintechnikbranche hergestellt. Man sei in der Branche unter den „Top 5 auf der Welt“, sagt der 69-Jährige. Weitere Standorte gibt es in Sri Lanka, Indien und den USA. All das hat Wiestaw Kramski aus dem Nichts aufgebaut – und ist sehr stolz darauf.

Wie viele Unternehmer wandte er sich irgendwann dem Golfspiel zu (aktuelles Handicap: 12) und ärgerte sich, weil es mit dem Einlochen nicht klappte. Im Jahr 2000 probierte er mal wieder einen neuen Putter aus, den Schläger zum Versenken von Bällen, und war mit der Qualität gar nicht zufrieden. Da es beim Putten auf Präzision ankommt und Kramski sich mit dem Thema auskennt, entschied er kurzerhand, selbst einen Schläger zu entwickeln – aber nicht irgendeinen, sondern: „den besten Putter der Welt“.

An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht. Kramski ist allerdings kein Schwätzer, sondern ein fanatischer Tüftler und ein Arbeitstier. Zweieinhalb Jahre lang analysierte er neben seinem eigentlichen Job jedes Detail des Golfschlägers – vom Winkel des Schafts bis zur Neigung der Schlagfläche. 2003 ging er dann mit seinem Putter in Serie. Den brachte der Außenseiter mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit an die Golfer und entwickelte ihn immer weiter. Heute spielen Profis und Amateure weltweit mit Kramskis eigenwillig gestalteten Puttern, inklusive Kimme und Korn zum Anpeilen des Ziels. Die Schläger werden speziell an die Körperhaltung und den Schwung jedes Spielers angepasst (gefittet) und liegen preislich an der Obergrenze; das meistverkaufte Modell kostet rund 800 Euro.

Wiestaw Kramski hat sich zum Experten gemausert, hält weltweit Vorträge und hat sogar eine eigene „Putting Academy“ gegründet. In einem Gebäude in der Pforzheimer Innenstadt, in dem er im Jahr 1979 seine Firma gründete, kann die Kundschaft unter Anleitung das Einlochen lernen. Wer sich nicht verbessert, bekommt sein Geld zurück.

Heinz Weniger aus Donaueschingen im Schwarzwald muss auf die Garantie nicht zurückkommen. Er hat vor einigen Jahren mit dem Golfen begonnen, übt schon den ganzen Vormittag und ist angetan: „Klappt viel besser.“ Er freut sich schon darauf, seinen Sparringspartnern auf dem Platz zeigen zu können, was eine Harke ist.

Der Unternehmer Kramski hat es durch seine späte Leidenschaft von einem Hidden Champion zu einem in der Golfszene beachteten Mann gebracht, der mit Topsportlern und Trainern per Du ist. Und er hat nebenbei ein Problem gelöst, mit dem sich viele Mittelständler schwertun: dem Abschied vom Unternehmen, das mittlerweile sein Sohn Andreas führt. Der Senior hat wenig Zeit, ihm ins Geschäft hineinzureden, denn er ist ja gut ausgelastet: mit putten. ---

Wiestaw Kramski, Sohn polnischer Eltern, die im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland verschleppt wurden, macht eine Lehre zum Werkzeugmacher, später seinen Meister und Karriere in verschiedenen Industriebetrieben. 1978 beschließt er, sich selbstständig zu machen, weil ihm das Dasein als Angestellter „stinkt“. Rückenwind bekommt er durch einen Gründerwettbewerb der Zeitschrift »Capital«, bei dem er den ersten Platz belegt und 30 000 D-Mark Preisgeld bekommt. Kramski konzentriert sich auf hochpräzise Stanzwerkzeuge für die Autoindustrie. Später steigt er selbst in die Produktion von Teilen ein. 1993, mitten in der Rezession, gründet er einen zweiten Betrieb in Sri Lanka, wohin er einen persönlichen Kontakt hat. 2002 folgt ein Ableger in Florida und 2008 in Südindien. Zudem ist die Familie Kramski noch Mehrheitseigentümer der Firma Skytron Communications, die drahtlos schnellen Internetzugang in abgelegenen Gegenden ermöglicht.

Kramski Gruppe
Mitarbeiter: knapp 800
Jahresumsatz: rund 100 Mio. Euro
davon entfallen auf die Kramski Putter GmbH: etwa 1,5 Mio. Euro

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