Ein Blick ins Heft

brand eins Chefredakteurin Gabriele Fischer stellt einmal im Monat das neue Heft vor und schreibt über die Gedanken, die die Redaktion zum jeweiligen Schwerpunkt bewegen. Wenn Sie den Leser-Newsletter gerne empfangen möchten, melden Sie sich bitte hier an:

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Schwerpunkt: Mut

Lieber Leser,

mein Lieblingszitat der nächsten Ausgabe steht in Wolf Lotters Einleitung und stammt aus der amerikanischen Serie „The West Wing“. Der Pessimist sagt: „Alles ist schrecklich. Es kann gar nicht schlimmer werden.“ Darauf antwortet der Optimist: „Doch. Kann es.“

Was mir an dem Zitat gefällt? Dass es auf paradoxe Weise zeigt, dass der Optimist keineswegs ein verträumter Fantast ist, der die Wirklichkeit verleugnet: Er ist Realist. Und deshalb weiß er, dass man gerade in schwierigen Zeiten die Kraft aufbringen muss, etwas zu tun, etwas zu verbessern – denn ja, es kann schlimmer kommen. Besonders dann, wenn man den Mut verliert.

Härtetest


Härtetest

Dass Aufgeben keine Option ist, zeigen auf eindrucksvolle Weise die Gesprächspartner unseres Autors Peter Laudenbach. Er hat Regisseure und Schauspieler aus Syrien, Ägypten, der Türkei, Kroatien, Ungarn und der Ukraine getroffen, die um ihr Leben fürchten mussten, die verfolgt, eingesperrt, verleumdet wurden – und die dennoch immer wieder aufstehen. Nicht um die Welt zu retten: „Ich bin kein Held der Opposition“, sagt der im Berliner Exil lebende Syrer Ayham Majid Agha, „ich will nur meine Rechte als Bürger verteidigen und Theater zu den Themen machen, die mich interessieren“ („Wir haben Angst, aber wir machen weiter“; S. 64).

Freidenker


Freidenker

Wer etwas tun, etwas verbessern will, kann gleich vor seiner Haustür anfangen – Herausforderungen gibt es überall. Zum Beispiel im Hamburger Stadtteil Veddel, in dem gut 25 Prozent der Menschen von Arbeitslosengeld II leben und die Gesundheitsversorgung miserabel ist. Dort entsteht nun eine Poliklinik, weil es Menschen gibt, die sich damit nicht abfinden wollten. Oder in Jordanien, wo weit mehr syrische Flüchtlinge untergekommen sind als bei uns. Und wo einige von ihnen neuerdings die Chance bekommen, als Software-Spezialisten Geld zu verdienen. Auch die Landwirtschaft muss man keineswegs so hinnehmen, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten geworden ist: Daniela Schröder stellt drei Menschen vor, die sich von Ideologen nicht bremsen lassen und unbeirrt den dritten Weg zwischen Ökolandbau und Agrarindustrie suchen („Du bist nicht allein“; S. 80 / „An die Tastatur!“; S. 110 / „Und wenn man‘s mal anders macht?“; S. 86).

Freischwimmer

Freischwimmer

Wer in Unternehmen abweichende Meinungen vertritt, gilt schnell als Querulant – zu Unrecht, sagt der Organisationsexperte Erik Nagel. Im Gespräch mit Jens Bergmann bricht er eine Lanze für den betriebsinternen Widerstand und fordert Führungskräfte auf, konstruktiv damit umzugehen. Denn die Andersdenkenden werden gebraucht, besonders in Zeiten, in denen sich kaum ein Unternehmen am Althergebrachten festhalten kann: Zukunftsfähigkeit ist die größte Herausforderung der Wirtschaft. Wie es darum bestellt ist, hat die Darmstädter Ökonomin Ruth Stock-Homburg in einer Studie eruiert, übrigens mit guten Nachrichten für die Optimisten („Von Idioten umzingelt!“; S. 76 / „Von den Besten lernen“; S. 104).

Freiübung

Freiübung

Mit der Digitalisierung ist vieles einfacher geworden – und manches ganz schön kompliziert. So haben sich viele Hoteliers nur kurz gefreut, dass ihnen Buchungsplattformen wie HRS oder Booking.com Gäste ins Haus bringen und auch gleich noch das Marketing übernehmen: Der Preis dafür ist hoch und wird immer höher. Eine Hotelbesitzerin in Regensburg wollte da nicht länger mitmachen, doch der Kampf gegen die übermächtigen Portale schien aussichtslos. Sie hat ihn dennoch angefangen („Zimmer frei“; S. 58).

... und außerdem


... und außerdem

Im Grunde haben auch drei der Geschichten, die nicht im Schwerpunkt stehen, mit Mut zu tun – wenn auch am Rande des Wahnsinns. Da ist der Unternehmer, der eher beiläufig feststellt, dass ihn sein Banker um fast 7,3 Millionen Euro betrogen hat, was aber offenbar die Justiz nicht wirklich interessiert. Und er schreit nicht Zeter und Mordio, er investiert eine weitere Million: in Anwälte, Privatdetektive, Rechercheure. Oder Christoph Kolumbus: Spanier, Psychologe, unzufrieden mit der Behandlung psychisch Kranker und überzeugt, dass es besser geht. Heute ist er Chef eines der größten Joghurtunternehmen Spaniens. Und noch einer hat Mut bewiesen: Christian Zott, der sein Geld mit der Optimierung von Lieferketten verdient – und der sich nun mit dem Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi auf ein echtes Abenteuer eingelassen hat („Ein Bankraub“; S. 40 / „Eine verrückte Geschichte“; S. 144 / „Echt falsch“; S. 132).

Viel Vergnügen mit der neuen Ausgabe,
Gabriele Fischer

brand eins Konferenz


... und im Mai?

Um Mut wird es auch bei der nächsten brandeins-Zukunftskonferenz gehen: um den Mut, sich zu wandeln – sei es in der Gesellschaft, im Unternehmen oder auch ganz persönlich.

Was brauchen wir, um voran zu kommen? Und wie bleiben wir auf Dauer in Bewegung? Das sind die Kernfragen, die uns am 18. Mai umtreiben werden, und zu deren Beantwortung wir Experten aus unterschiedlichen Bereichen geladen haben. Wir setzen aber auch auf Sie und wollen Ihre Fragen und Erfahrungen in diesem Jahr nicht nur im Plenum, sondern auch in kleineren Workshop-Gruppen diskutieren. Sind Sie dabei? Nur Mut: Wir freuen uns auf Sie!

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