Ausgabe 02/2017 - Kolumne

Blei (Pb)

Die besondere Eigenschaft

Interessant ist Blei aufgrund seiner hohen Dichte, der Korrosionsbeständigkeit, des niedrigen Schmelzpunktes (327,5° C), des elektrischen Widerstands und der leichten Wiederverwertbarkeit. In Kontakt mit Luft verfärbt sich das weiche Schwermetall von Bläulich-Weiß zu Grau. Es bildet kristalline Strukturen, reagiert mit Säuren sowie Basen und ist giftig.

Wer braucht es?

Die Bleistiftindustrie jedenfalls nicht: Die Minen des Schreibgeräts bestehen aus Graphit.

Mehr als 80 Prozent der weltweiten Bleiproduktion entfallen auf Starter-Batterien für Autos, acht Prozent auf Akkus für E-Bikes. In der Medizin oder an Flughäfen schützt es vor Strahlungen, etwa bei Röntgenanlagen. Reaktorkerne in Atomkraftwerken sind mit Blei-Stahl-Beton ummantelt. Es steckt auch in Unterwasserkabeln, Dachblechen oder Vinyl-Schallplatten. Ganz schmuck ist Bleikristall, etwa für das Diamant-Imitat Strass.

In Fotovoltaikanlagen stecken Halbleiter auf Bleibasis. Statuen und Denkmäler bestehen häufig aus Bleilegierungen, Segelboote erhalten Stabilität durch Blei-Ballast. Jäger bringen mit Bleimunition Wild zur Strecke. Taucher und Angler benutzen Senkbleie. Kaum noch zum Einsatz kommt es als Lötmittel oder beim Bleigießen, gar nicht mehr in der Kosmetik. Königin Elizabeth I. erreichte ihre vornehme Blässe noch durch ein Essig-Blei-Gemisch, das dann auch maßgebliche Ursache ihres Todes gewesen sein soll.

Dass Blei giftig ist, stellte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts heraus. Nach dem Verbot von bleihaltigem Benzin in den USA im Jahr 1986 sank der Bleigehalt im Blut der Amerikaner um 80 Prozent. Trotzdem haben wir heute circa 600-mal mehr von dem Metall im Blut als die Menschen vor 100 Jahren. Die Ethyl Corporation, einstiger Weltmarktführer für Tetraethylblei, jenen nun verbotenen Zusatz im Benzin, der das sogenannten „Klopfen“ im Motor reduzierte, liefert das Additiv bis heute an die Luftfahrtindustrie und den Motorsport.

Wo findet man es?

Blei ist häufig, und es ist leicht zu fördern. Meist wird es aus dem Kristall Galena gewonnen oder als Beiprodukt beim Abbau von Zink. Die größten Vorkommen befinden sich in Australien, China und Russland, außerdem in Irland, Mexiko, Peru, Portugal und den USA.

Wer verkauft es?

Marktführer für hochreines und raffiniertes Blei (99,9 Prozent) sind Nyrstar (Umsatz 2015: 3,14 Milliarden Euro) mit Sitz in Belgien und The Doe Run Company in den USA. Sie konkurrieren mit den Branchenriesen wie Glencore PLC (Umsatz 2015: 170 Milliarden US-Dollar), BHP Billiton Ltd. (Umsatz 2016: 31 Milliarden US-Dollar) und Hindustan Zink Ltd. (Umsatz 2016: 2 Milliarden Euro) aus Indien.

Der Weltmarkt …

… für Bleierz wird auf fünf Millionen Tonnen pro Jahr und 15 Milliarden US-Dollar geschätzt. China steht für mehr als die Hälfte der globalen Produktion und die größte Nachfrage. Es folgen Australien und die USA mit einem Anteil von jeweils weniger als zehn Prozent. Mehr als die Hälfte der Weltproduktion stammt aus dem Recycling alter Batterien.

Der Preis

Die Notierungen an der Londoner Warenterminbörse lagen im Jahr 2007 bei 4000 US-Dollar pro Tonne, nach der Finanzkrise bei 900 US-Dollar, Ende 2016 bei fast 2400 US-Dollar – Anfang 2017 bei 2000 US-Dollar. Maßgeblichen Einfluss haben die wirtschaftliche Entwicklung in China und die der Automobilbranche, aber auch der fehlende Durchblick bei den aktuellen Fördermengen.

Wie geht es weiter?

Der Bedarf für Autobatterien scheint stabil, wachsende Nachfrage versprechen E-Bikes, Energiespeicher für Solar- und Windkraftanlagen sowie Aktivitäten der Industrie, neue preiswerte Blei-Batterien zu entwickeln als Alternative zu den Lithium-Ionen-Akkus für die Elektromobilität oder Hybrid-Techniken. ---

82: Ordnungszahl im Periodensystem
Pb: Elementsymbol, fest (Schwarz)
207,2: Relative Atommasse

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