Ausgabe 09/2017 - Kolumne

Lieber blau als k. o.

• Taucht man den Trinkhalm in ein Getränk, verfärbt er sich blau, wenn er mit Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB), Ketamin oder Rohypnol in Berührung kommt. Diese drei Substanzen gelten vor allem in den USA als gebräuchlichste K.-o.-Tropfen. Sie werden Opfern unbemerkt ins Getränk geschüttet, sind meist farb- und geschmackslos und daher nur schwer zu erkennen.

Die drei Schülerinnen Susana Cappello, 17, Carolina Baigorri, 17, und Victoria Roca, 18, aus Miami hatten die Idee zum smarten Trinkhalm. Sie sind Teil einer Entrepreneurship-Klasse an der Gulliver Preparatory School. „Wir wollen später alle drei auf das College gehen und hörten eine Menge Geschichten über Vergewaltigungen mit K.-o.-Tropfen“, sagen sie. „Dagegen wollten wir etwas tun.“

Ihre erste Idee war ein Schmuckstück, das sich bei Kontakt mit den Drogen verfärben sollte. Doch die Mitschüler waren nicht begeistert: zu kompliziert, zu teuer. Dann hatten sie den Einfall mit den Trinkhalmen. Die sind einfach und billig zu produzieren. Die drei jungen Frauen schrieben einen Business-Plan und befragten Studenten an der Northwestern University in Illinois: 50 Prozent der Befragten gaben an, jemanden zu kennen, der schon einmal gegen seinen Willen mit einer Droge betäubt wurde. 85 Prozent sagten, sie würden einen smarten Trinkhalm gern benutzen.

Die Erfinderinnen holten sich Rat bei einem Hersteller von Drogentests und ließen dort die ersten Prototypen produzieren. Damit nahmen sie an einem Start-up-Wettbewerb der Zeitung »Miami Herald« teil und gewannen prompt den ersten Preis. Die Jury lobte vor allem die Einfachheit ihrer Idee.

Ihr Smart Straw genannter Trinkhalm ist aus Plastik und enthält zwei chemische Testfelder, die sich bei Kontakt mit K.-o.-Tropfen blau verfärben. Das Getränk wird durch sie nicht verunreinigt, kann also problemlos getrunken werden, wenn der Test negativ ausfällt.

Die Schülerinnen haben bereits einen Vorvertrag mit einem Produzenten unterschrieben, wollen ihren Trinkhalm noch weiter verbessern und dann mit einer Kickstarter-Kampagne auf den Markt bringen. Verkauft werden soll er in Bars und Clubs, Spas, Schulen und Universitäten. ---

Smart Straw

Eine Erfindung von Susana Cappello, Carolina Baigorri und Victoria Roca, Gulliver Preparatory School, Miami

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