Ein Blick ins Heft

brand eins Chefredakteurin Gabriele Fischer stellt einmal im Monat das neue Heft vor und schreibt über die Gedanken, die die Redaktion zum jeweiligen Schwerpunkt bewegen. Wenn Sie den Leser-Newsletter gerne empfangen möchten, melden Sie sich bitte hier an:

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Schwerpunkt: Lernen

Lieber Leser,

was hat ein Gangster-Rapper auf dem Titel einer Ausgabe zum Thema Lernen zu suchen? Allerhand, denn es gibt kaum einen, der besser weiß, wovon Jugendliche in sozialen Randzonen träumen, und warum die Schule darauf nicht immer die richtigen Antworten hat.

Deshalb schien er uns der richtige Mann, um ein Thema voranzubringen, das weit über die aktuelle Bildungsdebatte hinausweist: Wie lernen wir? Und vor allem, wofür?

Vorbilder

Illustration: Julia Ossko und Eugen Schulz


Vorbilder

Xatar, 36, hat ein abenteuerliches Leben hinter sich. Seine Eltern, kurdische Intellektuelle, mussten aus ihrer Heimat Iran fliehen, und er wuchs in einer Bonner Sozialsiedlung auf. Dort lernte er das Gesetz der Straße, überfiel einen Goldtransporter und kam ins Gefängnis. In der Zelle nahm der Musiker heimlich ein Album auf und ist heute mit seinem eigenen Label erfolgreich. Warum er solche Umwege gehen musste? Er suchte soziale Anerkennung, sagt er, und die gab es nicht für gute Noten. Das ist schlicht und hilft doch, besser zu verstehen, warum so viele Bemühungen scheitern, Jugendliche auf die richtige Bahn zu bringen. Wozu die Hauptschule abschließen, wenn man danach doch nur der Verlierer ist? Wir lernen, da gibt es für den Philosophen John Erpenbeck keinen Zweifel, wenn wir wissen, wofür. Deshalb gibt es auch in indischen und afrikanischen Slums Bildungshunger („Es gab keine Vorbilder“; S. 154 / „Hilf mir, es selbst zu tun“; S. 76 / „Gegen Windmühlen“; S. 126 / „Die Labor-Stadt“; S. 134 / „Die automatisierte Schule“; 144).

Ziele

Illustration: Jan Robert Dünnweller


Ziele

Daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, ist für uns alle wichtig. Denn mit der Digitalisierung verändern sich die Ziele: Was müssen wir lernen, um nicht vom Kollegen Computer abgehängt zu werden? Wie bleiben wir neugierig und damit lernbereit? Und wie können wir es schaffen, dass unsere Bildungsinstitutionen auf ein selbstständiges Leben vorbereiten, nicht nur auf einen Abschluss? („Die Katze schläft“; S. 50 / „Wie lernen Maschinen?“; S. 68 / „Der Entwicklungshelfer“; S. 28).

Wege

Foto: privat


Wege

Wir kommen neugierig auf die Welt, aber nur selten hält die Lust auf Lernen bis zum Examen an. Fünf Hochschulabsolventen haben sie sich erhalten und gingen nach dem Abschluss auf eine Bildungsreise: Sie wollten wissen, wie das Arbeitsleben wirklich ist. Was aber, wenn sich schon während des Studiums zeigt, dass man die falsche Wahl getroffen hat? Immerhin schließt rund ein Drittel der Studenten ihr Studium nicht ab. Doch das ist nur eine Nachricht, wenn wir weiterhin Zeugnisse wichtiger nehmen als Qualifikation („Was will ich werden?“; S. 64 / „Ist Studienabbruch ein Problem?“; S. 116 / „Viele Wege führen in die IT“; S. 44).

Lernpfade

Foto: Robert Fischer


Lernpfade

In vielen Unternehmen ist längst offensichtlich, dass ein Abschluss kaum mehr als eine Eintrittskarte sein kann. Das Lernen geht dort und ein Leben lang weiter. Das kann eine Drohung sein oder ein Versprechen. Die Maschinenfabrik Reinhausen vermittelt deshalb in ihrer Berufsausbildung vor allem die Kompetenz, sich auf Neues einzulassen. In einem Berliner Siemens-Werk halfen geschäftliche Probleme und ein findiges Manager-Duo, die Lust am Lernen zu wecken. Und ein Mittelständler in Albstadt hat gleich eine eigene Schule gegründet – für die Kinder der Mitarbeiter, um sie in der Provinz zu halten. Dass alle Beteiligten dabei Lernen lernen, ist ein willkommener Nebeneffekt („Kopf und Hand“; S. 96 / „Ihr macht das schon“; S. 56 / „Ein Unternehmen macht Schule“; S. 118).

Lust

Foto: Lisa Hörterer


Lust

Bildung ist Pflichtfach für jeden Politiker, Spaß machen ihre Verlautbarungen selten. Was in den Wahlprogrammen von sechs Parteien steht, hat Holger Fröhlich jedenfalls mehr angestrengt als erfreut: Er hat die Absichtserklärungen in Leichte Sprache übersetzt – danach ist mit einem radikalen Umsteuern erst einmal nicht zu rechnen. Aber vielleicht verdingen sich Bildungspolitiker nach der Wahl einmal für ein, zwei Wochen in einer Kindertagesstätte: Dort wird Personal dringend gebraucht. Und zudem zeigen noch unverbildete Kinder, wohin die Reise gehen könnte („Manche sind schlau, manche sind dumm“; S. 140 / „Ran an die Synapsen“; S. 38).

Viel Spaß mit der neuen Ausgabe
Gabriele Fischer

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