Ein Blick ins Heft

brand eins Chefredakteurin Gabriele Fischer stellt einmal im Monat das neue Heft vor und schreibt über die Gedanken, die die Redaktion zum jeweiligen Schwerpunkt bewegen. Wenn Sie den Leser-Newsletter gerne empfangen möchten, melden Sie sich bitte hier an:

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Schwerpunkt: Frauen / Männer / Arbeit

Lieber Leser,

Mitte 1986 habe ich für das Manager Magazin meinen ersten Report über Frauen im Management geschrieben. Das war damals noch ein neues Thema. Und schon damals habe ich mich gefragt, was so erstrebenswert daran sein soll, im Management von Konzernen aufzusteigen. Die Geschichte drehte sich dann auch vor allem um Frauen, die dort wieder ausgestiegen waren und sich selbstständig gemacht hatten, auch, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können.

In den folgenden Jahrzehnten blieb das Thema virulent, kam aber nicht so recht voran: Weder im Management noch bei Gründungen stieg der Frauenanteil signifikant. Aber es veränderte sich die Wirtschaft. Mit der Digitalisierung und dem Abschied von der Industriegesellschaft ergaben sich neue Möglichkeiten. Und meine Hoffnung war: auch neue Chancen für eine Arbeitswelt, in der das Geschlecht keine Rolle mehr spielt und Menschen nach ihren Fähigkeiten eingesetzt und beurteilt werden.

Nicht zuletzt die sexuellen Übergriffe in Hollywood und die Debatte im Silicon Valley aber zeigen: Wir sind noch lange nicht am Ziel. Woran das liegt, was zu tun wäre und was Frauen, Männer und die gesamte Wirtschaft davon haben, wenn es endlich vorangeht – um diese Fragen kreist der Schwerpunkt in der November-Ausgabe von brand eins.

Bestandsaufnahme

Illustration: Edouard Caplain


Bestandsaufnahme

Wussten Sie, dass der Gleichheitssatz im Grundgesetz keineswegs unumstritten war? Und dass erst Mitte der Siebzigerjahre Ehefrauen ohne Zustimmung des Gatten eine Arbeitsstelle annehmen durften? Das klingt heute so bizarr wie die Geschichte, die Marie Hicks zu erzählen hat: Frauen spielten in der britischen Computerindustrie einst eine wichtige Rolle, bis Männer erkannten, dass der Rechner mehr als eine Schreibmaschine ist. Wer das für Historie hält, sollte Christoph Kochs Geschichte über die Videospielindustrie lesen. Oder Ingo Malchers Gespräch mit Jane Humphries, die einen neuen, unverstellten Blick auf die Wirtschaftswissenschaft empfiehlt („Vor dem Gesetz sind alle gleich“; S. 64/ „Stereotypen befallen uns alle“; S. 84/ „Game Boys für Girls?“; S. 70/ „Männer, es geht auch euch an!“; S. 104).

Ursachenforschung

Illustration: Jan Robert Dünnweller


Ursachenforschung

Was Frauen auf dem Weg in ein gleichberechtigtes Berufsleben behindert? Natürlich die Kinder, darüber wurde schon mehr geschrieben, als man lesen mag. Und daran haben auch Elternzeit und Kita-Pflicht nichts Wesentliches verändert. Was also tun? Am besten, sagt die Kulturwissenschaftlerin Sabria David, bei sich selber anfangen: „Man ist doch selbst als aufgeklärte, vielleicht feministische Frau nicht gefeit davor, dass man es als besondere Errungenschaft betrachtet, die Kinder gemeinsam zu erziehen.“ Vielleicht ist das einer der Unterschiede zu den so oft als Vorbilder gelobten Ländern im Norden. Vielleicht ist es aber auch einfach an der Zeit, nicht länger über Nachteile zu grübeln, sondern die Chancen zu sehen („Der Störfall“; S. 114/ „Sogar als Frau!“; S. 38/ „Wie gerecht ist eigentlich Gleichheit?“; S. 60).

Fortschrittsbericht I

Foto: Hanna Lenz


Fortschrittsbericht I

Vorbilder gibt es inzwischen auch hierzulande genug. Frauen gründen Firmen, führen sie erfolgreich, übernehmen die Nachfolge im Familienunternehmen, fliegen große Maschinen und sind in der Medizin sogar auf dem besten Weg zur Mehrheit, zumindest unterhalb der Chefarztposition. Und dass sie auf diesem Weg auch immer wieder ewiggestrigen Männern begegnen: Das hat sie vielleicht mal geärgert, aufgehalten hat es sie nicht. Schließlich gibt es genug Männer, die anders sind. Und wenn gute Frauen und gute Männer zusammenarbeiten und dieses Thema unverklemmt betrachten, macht Wirtschaft richtig Spaß („Und was sagt Ihr Mann dazu?“; S. 76/ „Wie führen Frauen?“; S. 48/ „Außer Konkurrenz“; S. 108/ „Vier Streifen“; S. 118/ „Heldendämmerung“; S. 130).

Fortschrittsbericht II

Foto: André Hemstedt und Tine Reimer


Fortschrittsbericht II

Das ist die eigentlich interessante Frage: Was ändert sich in der Wirtschaft, wenn Frauen und Männer gleiche Chancen haben und sie auch ergreifen? Sie könnte familienfreundlicher werden, was Müttern und Vätern nützt. Gründungen könnten noch einmal andere Probleme lösen, weil Gründerinnen andere Probleme sehen. Und die IT-Welt müsste nicht ganz so weltabgewandt und nerdig sein, wenn Frauen mitdiskutieren – zum Beispiel so wie bei Freiheit.com („Die kriegen das gebacken“; S. 96/ „Hart, aber herzlich“; S. 88).

Ausflug

Foto: Anne Schönharting


Ausflug

Ganz anderes Thema, ganz andere Welt: Andreas Molitor entführt Sie zum guten Schluss ins sächsische Pommritz, wo seit 25 Jahren ein „sozialökologischer Freilandversuch“ läuft. Was dabei herauskommt, wenn sich ein Ministerpräsident, ein Philosoph und einige Aussteiger ein ganz anderes Leben jenseits der Industriegesellschaft nicht nur erträumen, sondern auch erproben – das ist eine ebenso amüsante wie lehrreiche Geschichte, in der es übrigens vorwiegend um Männer geht („Der Traum vom Wir“; S. 148).

Viel Spaß mit der neuen Ausgabe
Gabriele Fischer

Wussten Sie schon ...?

 

Wir möchten Sie noch auf zwei Angebote von brand eins hinweisen. Zum einen gibt es seit wenigen Wochen brandeins.de/international – die von Ingo Malcher und einem britischen Team kuratierte englische Ausgabe von brand eins. Und im September haben wir das brandeins-Zukunftsabo eingeführt, das großartig angelaufen ist. Ob Sie ein Zukunftsabo beziehen oder sponsern wollen: Besuchen Sie uns gern auf brandeins.de/zukunftsabo.

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