Ausgabe 05/2017 - Editorial

Fortschritt

• Das Thema war schnell gefunden. In der 200. Ausgabe von brand eins wollten wir uns mit der Frage beschäftigen, was sich seit unseren Anfängen um die Jahrtausendwende getan hat und welche Fortschritte noch zu erhoffen sind. Und weil es ein besonderes Heft werden sollte, wollten wir uns dem uferlosen Thema mit großen und kleinen Fragen nähern. Hundert waren geplant, rund zweihundert sind es geworden, nicht zuletzt weil unser Autor Jakob Vicari 101 Fragen lieferte, auf die es noch keine Antwort gibt (S. 158).

Zum Rück- und Ausblick animierten wir unter anderem auch Protagonisten der ersten Ausgabe mit drei Fragen. Und beantworten sie hier auch selbst:

Was haben Sie (damals) erwartet?

Nicht das, was kam. Das brandeins-Team hatte bereits eine Gründung hinter sich, fühlte sich mit allen Wassern gewaschen, genoss eine gewisse Popularität und hatte erstmals potente Investoren an der Seite: Ein Spaziergang sollte es werden – es wurde eine Trecking-Tour. Was wir an Erfahrungen gesammelt hatten, war ohne einen Verlag an der Seite nicht viel wert, die Bekanntheit mussten wir uns neu erarbeiten, und die Investoren verloren mit dem Platzen der Dotcom-Blase ihr Geld. Rückblickend war all das ein Glück: Wir lernten für die Krisen, die noch kommen sollten.

Was war das Überraschendste, das danach passiert ist?

Dass wir überlebt haben. Und dass wir Leser aller Altersgruppen gefunden haben, die das bis heute freut. Oft werde ich gefragt, wie wir die Anfangsjahre überstanden haben, in denen oft genug nicht sicher war, ob wir rechtzeitig das Geld für den nächsten Druck werden aufbringen können. Die erste Antwort: weil es innerhalb des Teams nie einen Zweifel daran gab. Genauso wichtig: weil uns Leser immer wieder stark gemacht und uns geschrieben haben, wie wichtig brand eins für sie ist. Als es den Begriff „soziale Medien“ noch nicht gab, haben wir bereits einen intensiven Austausch gepflegt und tun das bis heute.

Was soll noch kommen?

Die Transformation von der Industrie- zur Wissensgesellschaft ist seit der ersten Ausgabe unser Thema – und wird es gewiss auch in den nächsten zweihundert Ausgaben bleiben. Unsere Hoffnung ist, dass es nicht bei technischen Innovationen bleibt. Wenn gelingen soll, was wir angefangen haben, müssen wir zum Beispiel das Bildungssystem und den Sozialstaat umbauen, Stadt und Land lebenswert erhalten, sozi