Ausgabe 02/2016 - Leserbriefe

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brand eins 01 /2016 Schwerpunkt Befreiung

Manfred Guder, Berlin
Zur Ausgabe „Befreiung“ griff ich mit offenbar zu viel Erwartung. Gerade das Thema Freiheit verleitet ja immer wieder gern dazu, die allerorten wahrnehmbaren Grenzen sprengen zu wollen und zwischen echten, also physikalisch-objektiven und gesellschaftlich aufgezwungenen Grenzen nicht unterscheiden zu können. So fiel es mir beim Lesen Ihres Leitartikels auf. Zu diesem Thema in einem derart besonderen Wirtschaftsmagazin im Jahre 2015 das Thema Suffizienz und damit den be-frei-enden Umgang mit Grenzen nicht einmal zu streifen, das ist schon seltsam. Es ist doch eine Binsenweisheit, dass meine Freiheit ihre Grenzen an der Freiheit meiner Mitmenschen findet. In der Wirtschaft erleben wir hautnah und mit dem Pariser Gipfel sogar existenziell, welche Grenzen uns gesetzt sind. Diese zu erkennen und den offenen und befreienden Umgang damit zu suchen, das würde ich „suffizientes Wirtschaften“ nennen. Vielleicht ein Thema für eines Ihrer nächsten Hefte? Denn ja, ich lese trotzdem gern weiter.

brand eins 01 /2016 Magischer Kinderglaube

Dietmar Hörl, Düsseldorf
Jeder, der die Wirkung der Homöopathie am eigenen Leib erfahren hat, würde so nicht reden. Wenn alle Medikamente nicht mehr helfen, aber die klassische Homöopathie das Leiden völlig ausheilt, sollte das auch zur Kenntnis genommen werden. Wieso begeben Sie sich in solche reißerischen Gefilde? Fragen Sie doch einmal Menschen, die den Erfolg der Homöopathie (klassische Homöopathie nach Samuel Hahnemann) erleben konnten. Berichten Sie doch einmal über Erfolge durch Homöopathie.

brand eins 01 /2016 Magischer Kinderglaube

Gudrun Ehm, per E-Mail
Arztbeziehung verbessern, wenn’s ums Überleben geht? Ich kenne viele Chroniker und Krebskranke, die der Schulmedizin ähnlich einseitig vertraut haben – die sind mittlerweile tot. Paracetamol, das gängigste Schmerzmittel, erhöht die Wahrscheinlichkeit von ADHS bei Kindern, und die Pille für Frauen hat einen 50-prozentigen Rückgang der Zeugungsfähigkeit bei Männern in westlichen Industrieländern zur Folge. Es ist nicht möglich, die Medikamentenreste aus dem Trinkwasser herauszufiltern. So viel zum sorglosen Umgang mit Allopathie.

Nach über 70 Krankenhausaufenthalten habe ich gründliches empirisches Wissen sowie gründliche Beobachtungserfahrungen mit Therapien und Medikamenten. Ich saß im Rollstuhl, hatte Krebs im fortgeschrittenen Stadium, war Pflegefall im Altersheim, bin mehrere Male fast gestorben – und kann mich mittlerweile über eine bescheidene Berufstätigkeit freuen. Meine konkrete Erfahrung ist: Schulmedizin ist im Bereich Diagnostik und Operation sehr gut. Niemand kann den Sinn einer Antibiotikatherapie im Anschluss an eine Operation bezweifeln, aber es gibt Bereiche, in denen die pflanzliche und homöopathische Medizin erfolgreicher ist. Und „Glaube“ bringt jeder Mensch der Maßnahme entgegen, die er gewählt hat.

brand eins 01 /2016 Magischer Kinderglaube

Petra Körbächer, Wuppertal
Vielleicht erliegen die „häufig gut ausgebildeten, auf ihre Gesundheit bedachten Menschen“ nicht einem magischen Kinderglauben, sondern handeln nach dem Selbstbestimmungsrecht des Patienten?

brand eins 01 /2016 Tolle Rolle

Ralph Thiel, Bergisch Gladbach
Packend und lehrreich Ihr Bericht über den mutigen und etwas anderen Schauspieler und Theaterproduzenten Ivan Vrgocˇ aus Berlin, der ohne Subventionen anspruchsvollstes Theater anbietet. Kompliment.

brand eins 01 /2016 Am Tropf

Florian Schütz, Tel Aviv
In der Kartendarstellung des interessanten Artikels hat sich ein Fehler eingeschlichen. Es wäre mir neu, dass Jordanien im Westen einen Meerzugang hat. Da ging wohl Israel verloren.

(Anm. der Red.: Der Leser hat vollkommen recht. Uns ist beim Anfertigen der Karte dieser ärgerliche Fehler unterlaufen. Wir entschuldigen uns und werden ihn in unserem Online-Archiv korrigieren.) 

brand eins 11 /2015 Erkennen, was Quatsch ist

Lisa Großmann, Frederick Heussner und Gustav Theile / Netzwerk Plurale Ökonomik, Heidelberg
Inzwischen haben wir ja eine richtig nette Privatfehde mit Ihrem Interviewpartner Rüdiger Bachmann. Doch in diesem Interview haben wir eine Stelle gefunden, die uns sogar sympathisch war: „Es muss möglich sein, dass ein Forscher auch mal verrückte Gedanken haben darf.“ Wir hätten da ein paar Vorschläge:

Man könnte auf den verrückten Gedanken kommen, dass Menschen immer rational handeln. Dass sie wie ein Roboter durch die Welt laufen, alle Möglichkeiten bedenken und nur das tun, was für sie am besten ist. Und wenn sie das mal nicht tun, dann haben sie sich verrechnet oder sind durch völlig abwegige Emotionen wie Angst, Ärger oder Freundschaft motiviert.

Man könnte zum Beispiel auch ein Modell entwerfen, in dem Unternehmen keine Gewinne machen können. Unrealistisch oder nicht, man könnte ja trotzdem hingehen und alle Märkte mit diesem Modell vergleichen. Und immer wenn man in der Realität etwas anderes beobachtet, nennt man das Versagen. Dann hat der Staat versagt oder der Markt. Hauptsache, jemand versagt. Nur das Modell natürlich nicht.

Man könnte auf die Idee kommen, dass nicht nur Menschen, sondern auch Märkte ihr Gleichgewicht finden müssen. Yin und Yang. Angebot und Nachfrage. Wenn man dann erst mal die Mitte gefunden hat, sind auch alle Konflikte weg. Deshalb lässt man das ganze Reflektieren und verliert nicht so viel Zeit beim Nachdenken. Ist ja auch fast egal, ob Wissenschaft tatsächlich wertfrei und objektiv sein kann oder nicht.

Und wenn man dann so richtig rumspinnt, geht man noch einen Schritt weiter: Dann nennt man alles den „ökonomischen Ansatz“, nimmt sich Jahrzehnte Zeit, um das, wie Sie sagen, so richtig auszuforschen. Alles andere darf dann nicht Wirtschaftswissenschaft heißen und hat im Lehrplan nichts zu suchen.

Sie wissen, dass wir das anders sehen. Nun hätten wir erneut argumentieren können, dass die Wirtschaftswissenschaft am Gegenstand definiert werden sollte, hätten ein flammendes Plädoyer für theoretischen und methodischen Pluralismus halten können – stattdessen haben wir Ende November mit einigen anderen Organisationen eine Konferenz in Berlin veranstaltet. Da kamen viele Verrückte zusammen und haben miteinander gestritten, wie man Wirtschaft noch erforschen und lehren könnte. Sie hätten da auch sehr gut reingepasst.

Facebook-Reaktionen

brand eins 01/2016 Die Inventur

Silke Modarres
Das Schöne an dieser Inventur ist das, was außen vor gelassen wurde, was unter den Tisch gefallen ist. Von allem ein bisschen zusammengekratzt, das ist wohl das Zeichen der Zeit, in der wir leben müssen. Von der Freiheit bleiben da nur Gemeinplätze, leicht erweiterter Abreißkalender, leicht Verdauliches und auch Verständliches für den Wohlstandsbürger.

Anna Maria Schubert
Komplexe Aufgabenstellungen benötigen simple Lösungsansätze. Je komplexer also das Problem, desto simpler muss man denken. Getreu dem Motto: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wer aber versucht, jede verfügbare Komponente – am besten noch gleichgewichtig – in seinen Entscheidungsprozess zu involvieren, der läuft Gefahr, die Entscheidungsfindung unnötig in die Länge zu ziehen und somit Chancen vorbeiziehen zu lassen. Oder anders ausgedrückt: Fehler zu machen. Das ist ziemlich perfide, wenn man bedenkt, dass genau dieses rationale Abwägen aller vorhandenen Optionen und Möglichkeiten eigentlich dazu dienen sollte, Fehler zu vermeiden. Super Artikel.

Thomas Peschken
Wer sich zu viele Entscheidungen zumutet, landet irgendwann zwangsläufig bei der Frage: Was ist gut genug? Das ist nicht ein Zuviel an Information, sondern ein Mangel an Muße.

ConsX Online GmbH
Auch eine Nichtentscheidung ist eine Entscheidung – aber oft diejenige mit dem höchsten Preis.

brand eins 01/2016 Du sollst nicht lärmen

Uwe Springfeld
Von welchem Kreuzberg spricht er? Wer sich Mieten von elf Euro pro Quadratmeter leisten kann, ist auch höflich auf der Straße.

Sebastian Altenburger
Ach Gottchen, der Wiglaf. Und Grünglas bitte in die Grünglastonne und die Pappe immer schön falten. Intellektuelle Kehrwoche.

Tim Kreienkamp
Derbe sympathischer Typ.

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