Ausgabe 11/2016 - Kolumne

Willpower Energy

Vom Schad- zum Treibstoff

• In den vergangenen Jahren ist eine kleine Kohlendioxidwirt-schaft entstanden: In den USA testen Betriebe die Herstellung von Kunststoffen und Beschichtungen aus Kohlendioxid (CO2). BASF und Siemens haben ein Staubsaugergehäuse aus einem CO2-Plastik-Hybrid entworfen, Bayer forscht an Schäumen für Turnschuhe, Polsterungen oder Dämmplatten. Ein Betrieb in England stellt Kalk, Zement und Mörtel für die Bauindustrie her. Und sogar Natriumbikarbonat wird in Amerika mithilfe von CO2 preisgünstig hergestellt. Das Salz kann zur Produktion von Bleich- und Waschmitteln oder in der Glasindustrie eingesetzt werden. Das bessert die Umweltbilanz der Unternehmen auf, spart Abgaben und schont die Umwelt.

Die Königsdisziplin: aus CO2 Treibstoff in Form von Methanol zu machen. In Japan und Island gibt es bereits Versuchsanlagen. In Deutschland experimentiert man mit Bakterien (siehe Seite 12, „Die Alternative zur Alternative“), und die Firma Sunfire will CO2 unter hohem Druck und hohen Temperaturen in Treibstoff verwandeln. Das ist energieaufwendig. Denn CO2 ist träge. Nur mithilfe von Katalysatoren und viel Energie lässt es sich dazu bringen, mit anderen Stoffen zu reagieren.

Besser machen es Forscher der Universität Rostock. Sie brauchen weder große Kraftwerke noch Druckkessel. Ihr Verfahren funktioniert in „milder Umgebung“, sagt Ingenieur Martin Schönhoff – also in Umgebungstemperatur und -druck – und ist somit auch für kleine Betriebe und private Haushalte interessant.

Im Reaktor der Rostocker wird nur die Oberfläche einer Elektrode beheizt, die durch Elektrolyse CO2 aus der Umgebungsluft in Methanol verwandelt. Man kann es als Treibstoff nutzen oder verbrennen, wodurch Strom und Wärme entstehen. Dabei entweicht auch wieder CO2, das neu aufgefangen und wieder verarbeitet wird. Ein Kreislauf.

Das Auffangen des CO2 macht der Partner Skytree aus den Niederlanden möglich, der in einem ESA-Projekt ein Verfahren entwickelt hat, CO2 aus der Luft in Raumstationen zu filtern.

Vor sechs Jahren haben die Rostocker ihre Erfindung in der Firma Gensoric ausgegründet, suchen nun Partner und Investoren und wollen bis Ende 2018 eine Pilotanlage aufbauen. ---

Willpower Energy
Ein Projekt der Gensoric GmbH, ausgegründet aus der Universität Rostock, gefördert u. a. durch das EU-Projekt Horizon 2020‘s SME mit 1,7 Millionen Euro.
Kontakt: l.krueger(at)gensoric.com

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