Ausgabe 11/2016 - Was Wirtschaft treibt

Prinz Max von und zu Liechtenstein im Interview

Das Geld der Familie

brand eins: Durchlaucht, erinnern Sie sich noch an den Tag, an dem sich im Fürstentum alles änderte?

Prinz Max von und zu Liechtenstein: Sie spielen wohl an die Hausdurchsuchung des damaligen Postchefs Klaus Zumwinkel an. Ja: Es war der 14. Februar 2008.

Ein Mitarbeiter der Treuhandgesellschaft Ihrer Bank hatte Kundendaten an den deutschen Bundesnachrichtendienst (BND) verkauft. Ein Vorgang, den Sie nicht vergessen werden?

In meinem Fall kommen da zwei Sachen zusammen. Der 14. Februar ist auch der Geburtstag meines Vaters Fürst Hans-Adam II. Insofern habe ich eine ganz gute Gedächtnisstütze.

Infolge des Datenlecks verloren Sie ihren Standortvorteil: das Bankgeheimnis. Trotzdem verwalteten die Banken im Land im Jahr 2015 mehr Vermögen als 2007.

Liechtenstein ist immer schon mehr als nur das Bankgeheimnis. Das Land verfügt über ein AAA-Rating, eine hohe politische Stabilität, eine stark diversifizierte Wirtschaft, einen ausgeglichenen Staatshaushalt, ein verlässliches Rechtssystem und eine wunderbare Landschaft. Zudem ist unsere Finanzdienstleistungsbranche seit Jahrzehnten auf Vermögensverwaltung fokussiert und hat in diesem Bereich viel Erfahrung.

Am 14. Februar 2008 wurde bei Zumwinkel durchsucht, knapp ein Jahr später bekannte sich Liechtenstein zum OECD-Standard im Steuerrecht. Wieso ging plötzlich alles so schnell, wo doch über Jahre nichts passiert war?

Nicht nur Liechtenstein hat sich schnell verändert. Auch das politische Umfeld. Jahrzehntelang haben die Nachbarländer das Bankgeheimnis akzeptiert und genutzt. Dann wollte der damalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück plötzlich mit der Kavallerie in der Schweiz einmarschieren, und auch die USA haben Druck gemacht. Wir haben das gesehen und entsprechend gehandelt. Die Wege in Liechtenstein sind kurz, sodass man schnelle Entscheidungen treffen kann.

Wie schnell können Sie auf andere weltpolitische Veränderungen reagieren, etwa auf den bevorstehenden Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union?

Es hängt jetzt viel davon ab, wie sich beide Seiten einigen werden. Kommt es zu weiteren Krisen, was ich nicht hoffe, so würde das die liechtensteinische Industrie sicher auch negativ beeinflussen. Der Finanzplatz Liechtenstein könnte andererseits als sicherer Hafen davon profitieren.

Die LGT behauptet, dass auch ein Großteil des Vermögens des Fürstenhauses durch die Bank verwaltet wird. Das hat natürlich eine große Strahlkraft. Aber behaupten kann das jeder.

Wir erbringen den Nachweis im Jahresbericht, da sind wir sehr transparent. Wir laden die Kunden dazu ein, nach derselben Strategie zu investieren, nach der wir unsere eigenen Gelder anlegen. Die Kunden schätzen unseren Fokus auf die Vermögensverwaltung. Unser Geschäftsmodell steht im Kontrast zu anderen Banken, bei denen das Kapitalmarktgeschäft schnell in einen Interessenkonflikt mit dem Privatkundengeschäft geraten kann.

Liechtenstein ist auf der Karte schwer zu finden. Wie erklären Sie einem jungen Vermögensberater aus Singapur, den Sie dort einstellen, was Liechtenstein ist?

Wir erklären es ihm nicht nur, wir laden ihn auch ein. Wir haben eine gut strukturierte Vorgehensweise, um neuen Mitarbeitern zu vermitteln, wer wir sind. Der Besuch hier ist Teil davon. Die Mitarbeiter sollen nichts auswendig lernen, sondern sie sollen es selber fühlen. Damit können sie besser vermitteln, wofür wir stehen, und sie können berichten, dass sie schon im wunderschönen Liechtenstein waren. Zu dem Besuchsprogramm gehört übrigens auch Wien, wo unsere Familie ursprünglich herkommt. ---

S. D. Prinz Max von und zu Liechtenstein, 47,
ist seit 2006 Chef der LGT. Davor arbeitete er bei J. P. Morgan Partners und beim Private-Equity-Unternehmen Industri Kapital. Er studierte an der European Business School in Oestrich-Winkel und hat einen MBA von der Harvard Business School.

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