Die Ökonomie der Elemente

Osmium (Os)

Die besondere Eigenschaft

Das stahlblaue und sehr seltene Metall ist einer der Hidden Champions unter den Elementen. Der Schmelzpunkt liegt mit mehr als 3000 Grad Celsius bemerkenswert hoch, die Dichte ist sogar die höchste im gesamten Periodensystem. Einen weiteren Rekord erreicht Osmium im sogenannten Kompressionsmodul: Es ist noch härter als Diamant. Charakteristisch ist der rettichartige Geruch. Es daran zu identifizieren sollte man unbedingt unterlassen: Osmiumdämpfe sind sehr giftig.

Wer braucht es?

Obwohl Osmium extrem schwer, teuer, kaum zu bearbeiten und auch noch giftig ist, hindert das einige wenige nicht daran, damit zu arbeiten. Etwa Forensiker, die mit der Verbindung Osmiumtetroxid Fette fixieren und Kontraste verstärken – oder, einfacher formuliert: Fingerabdrücke sichtbar machen. Das gleiche Prinzip nutzt man in der Elektronenmikroskopie.

Wer einen sehr teuren Füllfederhalter oder Kugelschreiber benutzt, bringt mit großer Wahrscheinlichkeit eine winzige verschleißarme Schreibkugel aus einer Platin-Osmium- oder Osmium-Iridium-Legierung auf das Papier. Diese beiden Gemenge werden auch in medizinischen Implantaten wie künstlichen Herzklappen oder Herzschrittmachern verwendet. Die chemische Industrie setzt Osmium in Katalysatoren für Hydrierungsprozesse ein.

Wo findet man es?

Als eigenständige Vorkommen nirgendwo. Einige Nickel-, Chrom-, Kupfer- und Eisenerzlagerstätten in Russland, Kanada oder Südafrika enthalten Osmium in sehr geringen Mengen. Ebenso findet man es in Sedimenten wie Sand oder Kies, etwa in Russland, Äthiopien, Kolumbien oder auf Borneo. Die weltweit größte Abbaustätte ist Witwatersrand in Südafrika. Große Reserven befinden sich in der Türkei und in Bulgarien.

Wer verkauft es?

Marktführer für Anwendungen in der Forschung ist Thermo Fisher Scientific (Umsatz 2015: 17 Milliarden US-Dollar). Osmiumprodukte sind aber nur ein winziger Teil im Geschäft des an der New Yorker Börse gelisteten Unternehmens, das auch im Bereich Gen-Sequenzierung aktiv ist. Weitere Anbieter und zugleich auch Verarbeiter sind die deutschen Konzerne Heraeus (Umsatz 2015: 12,9 Milliarden Euro) als Weltmarktführer bei Luxus-Schreibköpfen und BASF (Umsatz 2015: 70 Milliarden Euro) sowie Rochoet mit Sitz in den USA und Südafrika. Das russische Unternehmen Norilsk Nickel (Umsatz 2015: 8,5 Milliarden US-Dollar) ist einer der größten Osmium-Förderer.

Der Weltmarkt …

… ist überschaubar. Würde man die knapp 100 Kilogramm Osmium, die pro Jahr weltweit gehandelt werden, zu einer Kugel formen, wäre sie aufgrund der hohen Dichte des Elements nicht größer als ein Handball. Es wird vorrangig als verarbeitete Verbindung gehandelt, vor allem Osmiumtetroxid.

Der Preis

Ein Glasfläschchen mit knapp zehn Gramm Osmiumtetroxid, gelöst in zehn Milliliter Wasser, bietet Thermo Fisher für circa 200 US-Dollar an. Der Marktpreis liegt ziemlich stabil bei 400 US-Dollar pro Feinunze (etwa 31 Gramm). Der Grund ist vor allem die große Transparenz auf dem Markt mit kaum einer Handvoll Anbietern und einer sehr geringen Nachfrage. BASF ermittelt täglich einen Preis und veröffentlicht diesen über Engelhardt Industrial Bullion Prices, einem Tochterunternehmen des Konzerns.

Wie geht es weiter?

Wissenschaftler des Oak Ridge National Laboratory (ORNL) in den USA wollen mit Osmium künftig masselose Teilchen einfangen, deren Existenz bereits 1929 vorausgesagt wurde und für die 2015 der experimentelle Nachweis gelang. 2011 gab es erste Nachweise, dass Osmium in der Krebstherapie wirksam sein könnte. Es gilt auch als potenzieller Kandidat für neue Metallhydrid-Batterien.

Die Schmuckindustrie interessiert sich neuerdings für hübsch glänzende Osmiumkristalle. Aufgrund seiner Giftigkeit bleiben die Einsatzmöglichkeiten von Osmium aber begrenzt und die Zahl der Anbieter sowie das Marktvolumen auch künftig überschaubar – das deutet auch weiterhin auf sehr stabile Preise hin. ---

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