Ausgabe 11/2016 - Markenkolumne

Fit GmbH

Ein Herz für Sorgenkinder

• Auf die Frage, welche Marken in sein Beuteschema passen, antwortet Wolfgang Groß, Geschäftsführer der Fit GmbH: „Sie brauchen Geschichte, Charakter und sollten mal einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent gehabt haben.“ Der promovierte Chemiker geht systematisch an die Dinge heran und hat sich auf diese Weise in Zittau ein Reich aus Reinigungs- und Kosmetikprodukten aufgebaut, für die die Vorbesitzer keine Verwendung mehr hatten. Dazu zählen Fit, Kuschelweich, Rei, Gard und Fenjal. Eine Art Procter & Gamble (P & G) in Miniatur. In diesem und anderen Konzernen hat der heute 64-Jährige das Geschäft gelernt: Er kennt sich aus mit Rezepturen, Betriebsführung und Marketing.

Nach der Wiedervereinigung sah er seine Chance, sich selbstständig zu machen. Angst, gegen die Konsumgüter-Konzerne anzutreten, habe er nicht gehabt: „Die kochen auch nur mit Wasser.“ Wolfgang Groß suchte im Osten nach vielversprechenden Betrieben und wurde im Dreiländereck Deutschland – Polen – Tschechien fündig. Dort hatte der damals zum Leuna-Kombinat gehörende Fit-Hersteller seinen Sitz.

Die Marke war zu DDR-Zeiten Gattungsbegriff für Geschirrspülmittel und als solcher sogar in Lexika aufgeführt. Weil das Angebot knapp war, nutzten viele Leute Fit zudem als Allzweckreiniger. Nach der Wende waren Ostprodukte allerdings out, es drohte die Pleite. Groß glaubte an die Wiederauferstehung der Marke. Er ließ sich nicht zuletzt von den engagierten Mitarbeitern und der effizienten Produktion überzeugen, übernahm das Unternehmen – und lag richtig: „Wir haben schon im ersten Jahr Gewinn gemacht.“

Später ergaben sich Gelegenheiten, vom alten Arbeitgeber P & G sowie von Unilever Marken zu übernehmen, die dort als „nicht globalisierbar“ galten. Dabei trat das eine oder andere Problem auf. So sollte beim Weichspüler Kuschelweich die dazu gehörende, legendäre Werbefigur nicht Teil des Deals sein. Groß ließ daher neue Kuschelbären entwerfen und die Kunden darüber abstimmen; die Wahl fiel auf einen Braunbären. Außerdem wurde ein Song komponiert („Ich bin dein kleiner Kuschelbär von Kuschelweich“) und für günstige Radiowerbung genutzt. Heute ist der Weichspüler Hauptumsatzträger.

Um im Wettbewerb fit zu bleiben, produziert man auch Handelsmarken. „Die zeigen uns, ob wir effizient genug sind“, so Groß. Mit Fenjal hat er nun auch eine Premiummarke im Sortiment. Ob sich der Deal auszahlt, ist noch offen; die Produktionsanlagen werden gerade vom Schweizer Vorbesitzer nach Sachsen transportiert. Groß denkt derweil über die Zukunft seiner Firma nach. Da seine Kinder kein Interesse an ihr haben, möchte er sie in eine Stiftung überführen. Damit die Marken, die er so liebevoll aufgepäppelt hat, nicht doch wieder in die Hände eines Konzerns fallen. ---


Das 1881 in Chemnitz gegründete Unternehmen firmiert zu DDR-Zeiten als VEB Fettchemie und Fewa-Werke. 1954 entwickelt man dort Fit. Die Marke mausert sich – ähnlich wie Pril im Westen – zum Synonym für Geschirrspülmittel. Später wird die Produktion verlegt und 1983 Teil des Leuna-Kombinats. Nach der Wende kämpfen die Mitarbeiter um ihre Firma und verkaufen Fit vom Lkw, weil die Supermärkte das Produkt nicht mehr listen. 1993 übernimmt Wolfgang Groß den Betrieb von der Treuhand, bringt Produktion, Vertrieb und Marke auf Vordermann. Insgesamt werden 140 Millionen Euro investiert, darunter erhebliche Fördermittel. Im Jahr 2000 übernimmt Groß Rei, Rei in der Tube und Sanso von P & G. 2009 schnappt er sich Kuschelweich und Sunil von Unilever. 2015 steigt er mit der Übernahme von Gard ins Beauty-Geschäft ein, 2016 folgt Fenjal. Viel Mühe verwende man auf Düfte, sagt Groß: „Die Leute wollen Produkte, die gut riechen. Das Thema wird stark unterschätzt.“

Fit GmbH

Mitarbeiter: 207
Umsatz (2014): 158 Millionen Euro
Gewinn: 4,4 Millionen Euro

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