Ausgabe 07/2016 - Schwerpunkt Digitalisierung

Aus Wärme Kälte machen

• „Mich reizt der Gegensatz von Wärme und Kälte“, sagt Julia Römer. Schon während ihres Studiums an der Technischen Universität Berlin beschäftigte sich die Wirtschaftsingenieurin für technische Chemie und Verfahrenstechnik mit dem Thema. Während eines Praktikums lernte sie eine Firma kennen, die Rechenzentren mithilfe von Wärme kühlt. Die Idee ließ Römer nicht mehr los. 2012 entwickelte sie ihr erstes Konzept für Coolar – einen Kühlschrank ohne Strom. 2013 schrieb sie ihre Masterarbeit darüber.

Das Prinzip: Destilliertes Wasser verdunstet im Inneren des Kühlschranks im Unterdruck. Dabei entsteht Verdunstungskälte, wie man sie auf nasser Haut empfindet. Der Wasserdampf wird von einem Silika-Gel aufgenommen, das jeder kennt, der schon mal Schuhe oder Kleidung bestellt hat. Es liegt in Säckchen in der Verpackung, um Feuchtigkeit aufzunehmen. Ist das Gel vollgesogen, muss es getrocknet werden – mit Warmwasser, erzeugt durch Solarthermie oder Abwärme. Coolar kommt so ohne schädliche Kühlmittel aus, braucht weder Batterie noch Strom.

Die TU Berlin stellte dem Team einen Teil der Hochschulwerkstatt zur Verfügung. Im Februar 2015 war der erste Prototyp fertig. Römer kontaktierte Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, denn sie will Coolar nicht in normale Küchen einbauen.

„Etwa 75 Prozent aller Medikamente, die in Entwicklungsländer geliefert werden, werden aufgrund nicht ausreichender Kühlung schadhaft“, sagt sie. In abgelegenen Gesundheitszentren mancher Länder gibt es oft keine ausreichende Stromversorgung, dafür in der Regel aber Sonnenwärme. Julia Römer steht mit den Hilfsorganisationen in einem ständigen Austausch, welche Anforderungen ein Kühlschrank in diesen Regionen erfüllen müsste. In den kommenden Monaten will das Team erste Feldversuche machen. Sind die erfolgreich, soll die Serienproduktion beginnen. ---

Coolar GbR

Gründer: Julia Römer, Christoph Göller, Roland Kühn, Kilian Mähne, Arno Zimmermann

Kontakt: hello@coolar.co

Mehr aus diesem Heft

Digitalisierung 

Ein Blatt wendet sich

Die »Washington Post« setzt auf dieselbe Strategie, mit der Amazon groß wurde. Kann das im Journalismus funktionieren?

Lesen

Digitalisierung 

Plädoyer für Print

Wenn die frühen Opfer der Digitalisierung aufgezählt werden, sind Zeitungen und Zeitschriften meistens dabei. Warum eigentlich?, fragt der Mediaplaner Boris Schramm.

Lesen

Idea
Read