Ausgabe 03/2016 - Was Wirtschaft treibt

Albert Wenger im Interview

„Wir haben eine historische Chance“

Albert Wenger

Albert Wenger, 49,
ist in Franken geboren und aufgewachsen. Er studierte in Harvard Volkswirtschaft und Informatik und promovierte am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge Informationstechnologie. Er ging zum Bookmarking-Dienst Delicious, machte aus der Idee eine Firma und verkaufte sie 2006 an Yahoo. Seitdem investiert er als Partner der New Yorker Risikokapitalfirma Union Square in junge Unternehmen wie Twitter, Tumblr, Zynga, Etsy, Kickstarter, SoundCloud, Foursquare oder mongoDB. Wenger ist ein gefragter Keynote-Sprecher auf Technologie-Konferenzen. Videos von seinen Vorträgen finden sich u. a. bei TED und DLD. Auch sein Blog findet in Tech-Kreisen Beachtung.

www.continuations.com

brand eins: Herr Wenger, Sie haben sehr früh in Twitter investiert. Haben Sie Ihre Anteile rechtzeitig verkauft?

Albert Wenger: Ich bin ein Frühphasen-Investor. Einen Teil habe ich schon vor längerer Zeit verkauft, um mein Portfolio zu diversifizieren. Einen Teil halte ich weiter. Twitter ist bei aller Aufregung im Markt eines der wichtigsten Netzwerke der Welt.

Bei aktuellen Investments schauen Sie sehr stark auf Start-ups aus dem weiten Feld der sogenannten künstlichen Intelligenz (KI). Warum?

Weil wir technikhistorisch an einem Wendepunkt angekommen sind. Als ich vor 35 Jahren angefangen habe, mich intensiv mit Computern zu beschäftigen, da wussten wir im Prinzip schon: Irgendwann wird es künstliche Intelligenz geben. Doch dann begann eine lange Zeit des Scheiterns. Alle möglichen Leute haben alles Mögliche versucht, und nichts hat geklappt. Irgendwann hat sich die Haltung breitgemacht, dass es nie was wird mit der KI. Dass sie ein Hirngespinst von Science-Fiction-Autoren und übermotivierten Wissenschaftlern ist. Jetzt klappt plötzlich vieles.

Zum Beispiel?

Computer übernehmen Aufgaben, von denen wir früher behauptet haben: Das kann nur ein Mensch. Dazu gehören das Autofahren, die Fähigkeit, Sinnzusammenhänge von Sprache korrekt einzuordnen, Bilder zu erkennen oder Krankheiten zuverlässig zu diagnostizieren.

Handelt es sich dabei nicht eher um Automatisierung und Mustererkennung?

Das ist eine Definitionsfrage. Tatsächlich kommt es nicht darauf an, ob der Computer genauso vorgeht wie das menschliche Gehirn. Diese Diskussionen um sogenannte General Artificial Intelligence führen ins Leere. Es geht nur darum, ob eine Rechenmaschine eine bis dato von Menschen erledigte Aufgabe schneller, besser und billiger löst. Technisch gesehen haben auch nicht superkluge Algorithmen jene Durchbrüche der vergangenen Jahre gebracht, die sich noch am ehesten mit Gedankengängen des menschlichen Gehirns vergleichen ließen. Natürlich sind auch die Algorithmen besser geworden, aber den Durchbruch brachten die steigende Rechengeschwindigkeit der IT-Systeme und die Unmengen von Daten, auf die sie zugreifen können.

Was ist für Sie ein solcher Durchbruch?

2004 veranstaltete das US-Verteidigungsministerium die erste Darpa Grand Challenge, ein Wettrennen von unbemannten Landfahrzeugen auf einem abgesperrten Militärgelände in der Mojave-Wüste. Das beste Fahrzeug kam keine zwölf Kilometer weit. Das beste von mehr als 100 Fahrzeugen! 2012 gab Google bekannt, dass seine Autos bereits Hunderttausende Kilometer im Straßenverkehr ohne Unfall zurückgelegt hatten. Seit ein oder zwei Jahren können Computerprogramme menschliche Gesichter zuverlässiger erkennen als die meisten Menschen, und zwar deutlich zuverlässiger. Das war auch so ein Problem, an dem Informatiker über Jahrzehnte verzweifelt sind. Und noch ein drittes Beispiel: Bei der Diagnose bestimmter Krebszellen auf Basis von Röntgenaufnahmen sind Rechner heute schon genauer als die besten Ärzte der Welt – geschweige denn als die durchschnittlichen Ärzte in irgendeinem Provinzkrankenhaus.

Gibt es menschliche Kompetenzen, die Computer nicht entwickeln können?

Wir wissen es nicht. Aber ich wäre vorsichtig, bei Prognosen die Grenzen zu eng zu stecken. Neuronale Netze sind schon lange sehr gut darin, Musik zu erkennen. Das kennt man von Apps, die man an einen Lautsprecher hält, und dann sagen sie einem den Titel an. Das funktioniert mittlerweile auch umgekehrt. Sie können sehr gute Musik komponieren.

Künstliche Kreativität schlägt künftig das kreative Genie?

Das kann so kommen. Skeptiker wenden an der Stelle oft ein: Ein Computer kann Mozart oder Beethoven imitieren, also Musik erzeugen, die auf den Kompositionsregeln dieser beiden Genies aufbaut. Das war bisher vielleicht so, aber langfristig wird sich das ändern. Innovation in der Kultur, in Musik, Film oder Literatur, könnte vonstatten gehen wie in der Biologie, nämlich auf Basis von Evolution nach dem Zufallsprinzip. Computer könnten eigene Kompositionsregeln auswürfeln und testen. Wenn immer mehr Menschen diese Musik mögen, werden die Computer sie verfeinern und weiter austesten. So könnten Kunstformen entstehen, auf die noch kein Mensch gekommen ist.

Von Computern komponierte Musik wird die Welt vermutlich nicht grundlegend verändern.

Die Musik natürlich nicht, aber die Veränderungen, die durch die Automatisierung auf uns zukommen, werden so groß sein wie beim Übergang von der Jäger-und-Sammler-Gesellschaft zu Ackerbau und Viehzucht und von der feudalen Agrargesellschaft zum Industriezeitalter. An diesen Wendepunkten haben die Menschen im Grunde alles verändert, und das werden wir nun auch tun müssen.

Was genau heißt „alles verändern“?

Ich muss ein wenig ausholen. Menschen organisieren und entwickeln sich um Knappheiten herum. Bei den Jägern und Sammlern war das Essen das knappe Gut. Wenn nicht genug da war, sind sie weitergezogen, und deshalb haben die Menschen die ganze Welt relativ schnell bevölkert. Nach dem Übergang zu Ackerbau und Viehzucht war ausreichend Nahrung vorhanden, und es entstanden hierarchisch organisierte Gesellschaften mit Bevölkerungswachstum. Nun wurde der Boden knapp, was zur Folge hatte, dass Menschen acht- bis zehntausend Jahre Kriege um Land führten. Mit der Industrialisierung wurden dann Bodenschätze, Produktionsmittel und später Kapital zur Knappheit. Die Bedeutung des Bodens nahm ab, aber die agrarisch geprägten, politischen Eliten blieben gedanklich lange auf den Boden fixiert. Deshalb führten sie auch bis ins 20. Jahrhundert Kriege um Land. Heute sind wir in der Situation, dass die Bedeutung von Kapital abnimmt, die Eliten das aber noch nicht verstanden haben.

Was müssen sie verstehen?

Dass heute Aufmerksamkeit die knappe Ressource ist. Damit meine ich die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf die richtigen Fragen und Probleme zu richten und damit das knappe Gut richtig zu priorisieren.

Wie meinen Sie das?

Aufmerksamkeit fehlt auf zwei Ebenen. Individuell verschwenden wir unendlich viel Zeit mit Ablenkungsübungen – zum Beispiel damit, unseren Twitter-Feed oder Facebook-Stream zu aktualisieren. Stattdessen sollten wir uns öfter fragen, was wir wirklich mit dem Leben anfangen wollen. Kollektiv gibt es eine groteske Verteilung der Aufmerksamkeit zugunsten des Kapitals. Wie viele Menschen arbeiten weltweit im erweiterten Sinn für Banken und die Finanzindustrie? Abermillionen. Wie viele Menschen versuchen weltweit herauszufinden, welche Asteroiden die Erde treffen könnten und was man eventuell dagegen tun sollte, wenn einer auf uns zurast? Es sind weniger, als in einer McDonald’s-Filiale arbeiten. Dabei ist diese Frage für die Menschheit unter Umständen von extrem großer Bedeutung. Gleiches gilt natürlich auch für den Klimawandel. Auch hier stehen Bedrohung und Aufmerksamkeit in einem grotesk schlechten Verhältnis.

Was hat das mit Automatisierung zu tun?

Sie wird es uns erlauben, dass wir uns in vielen Bereichen vom Zwang zur Arbeit befreien. Wir müssen nicht mehr in Fabriken schuften oder uns mit langweiligen Bürotätigkeiten herumschlagen. Wir haben die historische Chance, Wissen und Kultur in einem Umfang zu erzeugen und zu teilen, der bisher undenkbar war. Langfristig wird das so kommen, aber die Übergangsphase wird sich ausgesprochen schwierig gestalten. Die Entscheider in Politik und Wirtschaft sind weltweit nach wie vor voll darauf eingestellt, die Kosten für Kapital zu senken, um Menschen klassische Arbeit zu verschaffen. Vollbeschäftigung ist in Anbetracht der technischen Fortschritte aber schlichtweg anachronistisch. Stattdessen werden wir endlich viel mehr Zeit haben, über Sinnvolles nachzudenken. Auch beim Müßiggang übrigens.

Gibt gern mal den Roboter:
Investor Albert Wenger

Das ist eine schöne Utopie. Die Maschine arbeitet, der Mensch liegt in der Hängematte und fährt die Roboterrendite ein. Warum sind Sie so sicher, dass anstrengende Arbeit weniger wird? Die Programmierer im Silicon Valley und anderswo arbeiten bis zum Umfallen. Auch die Vergangenheit lehrt: Technische Entwicklung hat unterm Strich zu mehr menschlicher Arbeit geführt, nicht zu weniger.

Es gibt einen grundsätzlichen Unterschied zwischen einem Webstuhl und einem intelligenten Computer. Ein Webstuhl kann schneller Stoff herstellen als ein Mensch, es braucht aber noch Arbeit und Kapital. Ich muss Kapital einsetzen, um Arbeit am Webstuhl zu reduzieren. Neue und bessere Webstühle sind teuer. Das Kapital hierfür muss erwirtschaftet werden. Mit dem Kapital ist im Industriezeitalter die Arbeit gewachsen: Mehr Kapital, mehr Wachstum, mehr Arbeit, das war die dominierende Entwicklungslogik der Industriegesellschaft. Körperliche Arbeit wurde dabei schrittweise reduziert, dieser Wegfall aber durch Kapitalwachstum bei geistiger Arbeit und im Dienstleistungsbereich mehr als kompensiert.

Computer hingegen entkoppeln Kapital und Arbeit. Ökonomisch betrachtet, gilt nun das Prinzip der Null-Grenzkosten, das wir von anderen digitalen Anwendungen kennen. Eine Software zu entwickeln kostet Geld, oft viel Geld. Aber wenn sie erst einmal läuft, kann der Entwickler sie zu extrem geringen Kosten beliebig oft vertreiben. Software wird heute zu Null-Grenzkosten ausgeliefert. Konkret heißt das zum Beispiel, dass eine Krebsdiagnose so gut wie nichts mehr kostet. Dies wird dramatische Auswirkungen auf den Preis von menschlicher Arbeit haben, und zwar auch von hoch bezahlten Spezialisten. Die Arbeit verliert ihren Wert, genau wie Kapital nicht mehr der entscheidende Wachstumsfaktor ist, weil diejenigen, die über ihre Plattformen zu Null-Grenzkosten ausliefern können, ohnehin über mehr als genug Kapital verfügen. Facebook und Google geben eine Vorahnung davon, was auf uns zukommt.

Null-Grenzkosten sind in den volkswirtschaftlichen Theorien nicht vorgesehen. An ihnen scheitern alle Modelle.

So ist es. Null-Grenzkosten heißt übertragen: Du kannst ab einer bestimmten Produktionsmenge eine Pizza für null Cent herstellen und ausliefern. Dann hat niemand auf der Welt mehr eine Chance, gegen dich zu konkurrieren, und du belieferst die ganze Welt mit Pizza. Genau diese Situation haben wir jetzt schon in einigen Bereichen von Informationstechnologie und Internet. Das schlägt aber noch nicht so stark auf den Preis von Arbeit durch, solange der Computer ein Werkzeug ist, menschliche Arbeit aber nicht ersetzt. Doch das ist der Durchbruch, vor dem wir stehen, und deshalb wird der gesellschaftliche Umbruch durch Automatisierung so radikal sein. Das Problem ist: Wir sind auf diesen Umbruch zurzeit nicht vorbereitet, und das müssen wir schleunigst ändern.

Inwiefern?

Wir müssen drei Freiheiten erweitern: die ökonomische, die informationelle und die persönliche. Ökonomische Freiheit heißt, die Grundbedürfnisse wie Essen, Wohnen, Transport und Computer-Hardware des Einzelnen müssen gedeckt sein, und zwar ohne Zwang zur Arbeit. Sie haben die Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen in Ihrem Magazin früh und ausführlich geführt. Eine Automatisierungsrendite kann die Möglichkeit schaffen, das Grundeinkommen zu finanzieren. Und vor dem Hintergrund der verschwindenden Jobs wird das auch dringend nötig sein. Wir müssen zweitens die informationelle Freiheit erweitern, indem wir möglichst vielen Menschen Zugang zu möglichst vielen Informationen verschaffen. Darunter fallen dann Themen wie Netzneutralität, das Verhindern von großen Firewalls wie jener in China, der Rückbau eines allzu restriktiven Urheber- und Patentrechts.

Und was verstehen Sie unter persönlicher Freiheit?

Diese Dimension der Freiheit wird aus meiner Sicht zurzeit extrem unterschätzt. Wir müssen alle lernen, mit dem Reichtum an Informationen und der Vielfalt der Meinungen in der digitalen Welt konstruktiv umzugehen. Oder anders formuliert: Wir müssen lernen, in der digitalen Welt rationale Menschen zu bleiben. Das kann nicht der Staat für mich erledigen, das ist eine Aufgabe und Anforderung an jeden Einzelnen. Das fängt bei banalen Dingen an: Wie bekommen wir es hin, dass Menschen sich nicht im Internet gegenseitig beleidigen, sondern es als eine globale Plattform des konstruktiven Ideentauschs begreifen? Wir sehen an vielen Stellen eher gegenteilige Tendenzen, bei denen Hass-Spiralen in Gang gesetzt werden und Menschen sagen: Deine Idee beleidigt meinen Glauben, und deshalb muss ich dich jetzt umbringen.

Etwas größer gefasst lautet das Problem: Die digitale Disruption stiftet viel Verwirrung. Das führt dazu, dass Menschen mit extrem einfachen Antworten Gehör finden. Bei ISIS: „Zurück ins dunkelste Mittelalter.“ Bei der US-amerikanischen Rechten: „America first!“ Gleichzeitig wird in vielen Ländern Osteuropas die Demokratie zurückgedrängt, in Ungarn und Polen, in Russland sowieso, und in den USA erleben wir ebenfalls seit 15 Jahren eine Einschränkung demokratischer Prinzipien. An den Erweiterungen der drei benannten Freiheiten arbeitet hingegen so gut wie kein Land systematisch. Stattdessen versucht die Politik überall, die Löcher zu stopfen, die ein sich beschleunigender technischer Wandel im alten System reißt. Bis der Dammbruch kommt.

Sie klingen nicht wie ein Optimist, als der Sie eigentlich gelten.

Ich bin in langfristiger Perspektive optimistisch, dass dank Technik immer mehr Menschen an den wirklich wichtigen Problemen arbeiten werden – der Klimawandel steht da ganz oben auf der Liste. Mittelfristig bin ich in der Tat eher pessimistisch. Zu viele Menschen werden zu schnell zu viel verändern müssen, und das wird, wie bei den früheren großen Transformationsphasen in der Weltgeschichte, auch in Gewalt münden. Das geschieht ja bereits jetzt. Dringlich erscheint mir: Für die technische Übergangsphase brauchen wir endlich ein positives Zukunftsbild einer digital geprägten Welt.

Noch herrscht eher die Angst vor, dass irgendwann Maschinen die Menschen beherrschen.

Das wird nicht passieren. Es gibt keinen Automatismus, wie einige im Silicon Valley glauben. Die Technik wird sich nicht verselbstständigen. Die Geschichte der Menschheit ist die Summe menschlicher Entscheidungen. Wir entscheiden, was wir wollen. Das wird so bleiben.

Ein positives Weltbild für die nächste Entwicklungsstufe des maschinenunterstützten Informationszeitalters müssen wir auch gar nicht neu erfinden. Es ist ganz schlicht die Rückbesinnung auf die humanistischen Werte. Die lassen sich doch im Kern auf folgende Formel bringen: Die Fähigkeit, Wissen zu schaffen, macht uns Menschen einzigartig. Alle Menschen können und sollen an diesem Prozess teilhaben. Die digitale Revolution ermöglicht uns zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte, dieses humanistische Ideal in die Praxis umzusetzen. Diese Chance dürfen wir nicht verspielen.

Nun sind Sie kein Utopist, sondern Kapitalist. Welche Firmen stehen konkret auf dem Einkaufszettel von Union Square?

Ganz konkret werde ich es Ihnen nicht sagen. Aber so viel: Wir schauen uns gerade viele Start-ups und Technologien an, die Wissen günstig verbreiten. Dazu gehören zum Beispiel intelligente digitale Lernplattformen. Ein zweites Feld ist Diagnostik im medizinischen Bereich, und hier scheinen uns besonders offene Systeme interessant, die zu marginalen Grenzkosten schnell ausgeliefert werden könnten. Ein dritter Bereich sind Blockchain-Anwendungen.

Über die reden hierzulande gerade alle. Vor allem die Banken.

Zu Recht. Wobei sich die Anwendungsmöglichkeiten keineswegs auf Finanzdienstleistungen beschränken. Der Clou an Blockchain ist: Mit dieser Technik lassen sich die Netzwerkeffekte auf den großen Plattformen untergraben oder vielleicht sogar eliminieren (siehe auch brand eins 04/2015, „Die drei Zauberworte“). Alle Netzwerkeffekte in der digitalen Ökonomie beruhen darauf, dass eine Firma mehr Daten hat als eine andere. Die Daten in einer Blockchain gehören aber allen Beteiligten. Sie sind dezentral gespeichert, und alle haben gleichrangig Zugang. Damit werden die Machthebel und Wettbewerbsvorteile von großen Playern im Netz dramatisch reduziert. Blockchain könnte für die Daten werden, was das World Wide Web für den Zugang zu Information war: ein Durchbruch im Hinblick auf die Demokratisierung von Daten.

Gibt es schon Geschäftsmodelle?

Nein. Bei Blockchain befinden wir uns in einer sehr frühen Phase des Experimentierens. Die Technik ist noch nicht reif für die Umsetzung, und niemand weiß bislang, für welche Geschäftsmodelle sich Blockchain wirklich eignet. Die Situation fühlt sich ein wenig an wie das Web in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre.

Wenn es für kommerziell erfolgreiche Anwendungen noch zu früh ist, warum ist dann der Hype schon jetzt so groß?

Weil genug Menschen erkennen, dass Blockchain das Potenzial in sich trägt, die Kontrolle über Daten fundamental zu verändern. Und weil sie spüren, dass eine Welt ohne zentrale Kontrolle von Daten viel innovativer sein wird als die zentralisierte Datenwelt, die wir zurzeit haben. ---

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