Ausgabe 01/2016 - Artikel

Natrium (Na)

Die besondere Eigenschaft

Reines Natrium ist leicht, silber-metallisch und wachsweich. In der Natur bekommt man das Leichtmetall so aber nie zu sehen. Durch seine Reaktionsfreude tritt es nur in Verbindungen auf, das allerdings besonders reichlich: Es ist das sechsthäufigste Element in der Erdkruste, in den Ozeanen der nach Gewicht meistgelöste Stoff. Neben der Wasserlöslichkeit ist auch die elektrische und thermische Leitfähigkeit von Bedeutung. Unter Druck verändert Natrium seine Farbe: Bei 1,5 Millibar ist es schwarz, dann wird es rot – ab 3 Millibar ist es transparent.

Wer braucht es?

Die bekannteste Verbindung ist die mit Chlorid zu Kochsalz, bei Frost auch als Streumittel geeignet. Ganzjährig nutzt man Natriumchlorid zur Produktion von Chlor, Wasserstoff und Natronlauge. Die Pharmazie braucht Kochsalz für Injektionslösungen. Reines Natrium dient als Kühlmittel in bestimmten Kernreaktoren, den Schnellen Brütern. Weitere mineralische Verbindungen mischt man Metalllegierungen bei, nutzt sie in der Aluminiumherstellung, als Dünger oder Trocknungsmittel für Baumwolle oder Chilischoten, als Sauerstoffquelle beim Tauchen sowie für die Herstellung von Glas, Seife, Textilien, Enteisungsmitteln oder Papier. Als Natron findet man es in Flugschreibern, Backpulver, Putzmitteln, Zahnpasta, Feuerlöschpulvern, Antidepressiva, Tierfutter und Dialysemedikamenten. Synthetische Drogen werden damit gestreckt oder Kokain zu Crack verarbeitet.

Wer verkauft es?

Der Konzern Solvay (Umsatz 2014: 10,2 Milliarden Euro) mit Sitz in Belgien steht hinter einem Fünftel der weltweiten Natron-Produktion, Wettbewerber sind die chinesische Inner Mongolia Yihua Chemical and Industry Co. Ltd und Church & Dwight (Umsatz 2014: 3,3 Milliarden US-Dollar) aus den USA. Die größten Hersteller von Industriesalzen wie Natriumchlorid sind die deutsche K+S (Umsatz 2014: 3,8 Milliarden Euro) und die China National Salt. Für Natronlauge ist FMC Minerals (Umsatz 2014: 4 Milliarden US-Dollar) aus den USA Marktführer.

Wo findet man es?

Die größten deutschen Natriumchlorid-Vorkommen befinden sich in Salzgitter und Bad Reichenhall. Die weltweit größten Lagerstätten dieser und anderer Natrium-Verbindungen werden in der Inneren Mongolei in China, in Südafrika, Indien, Chile, der Türkei, den USA und im Kaukasus ausgebeutet.

Der Weltmarkt …

… ist fragmentiert. Vom reinen Natrium-Metall werden kaum mehr als 100 000 Tonnen jährlich produziert. Der Ausgangsstoff ist das Natriumchlorid, von dem fast 260 Millionen Tonnen pro Jahr auf den Markt kommen, der größte Teil durch Firmen in China und den USA. Das weltweite Angebot für Natriumsulfat liegt bei 16 bis 17 Millionen Tonnen im Jahr, 70 Prozent davon entfallen auf China, zehn auf Europa. Die jährlich produzierte Menge Natron beträgt circa 100 000 Tonnen. Der Jahresverbrauch von Natronlauge liegt bei 55 Millionen Tonnen.

Der Preis …

… bemisst sich oft weniger am tatsächlichen Wert des Materials als an der davon ausgehenden Gefahr. Reines Natrium kann nur unter großem Aufwand gelagert oder transportiert werden. Je kleiner die Menge, desto höher sind die Kosten. Der Preis pro Kilogramm variiert zwischen weniger als 10 oder weit mehr als 100 Dollar. Natron und Natronlauge kostet circa 250 bis 300 Dollar pro Tonne.

Wie geht es weiter?

Für Natron soll die Nachfrage bis 2017 um jährlich vier Prozent steigen, vor allem wegen des Bedarfs an Tierfutter, für das bereits ein Drittel der Weltmarktproduktion verbraucht wird. Zudem produziert das US-Start-up Aquion Energy seit 2015 Natrium-Ionen-Batterien, die billiger und robuster als Lithium-Akkus sind und diese einmal ersetzen sollen. Zu den Investoren gehören Bill Gates und das US-Energieministerium. Bei Natronlauge steigt der Abbau natürlicher Vorkommen, zum Beispiel durch Eti Soda in der Türkei. Das setzt Hersteller wie die amerikanische Firma FMC Minerals unter Druck, die die Lauge auf synthetische Weise herstellen. ---

Legende:

11: Ordnungszahl im Periodensystem

Na: Feste Elemente

22,99: Relative Atommasse

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