Ausgabe 06/2015 - Schwerpunkt Talent

Was kann ich?

• Ich kann vieles, aber wenig richtig. Schreinern, Schlittschuh laufen, Schlagzeug spielen, schweißen, möglicherweise Schafe scheren, müsste ich ausprobieren. Wer weiß, was alles in mir schlummert. Hätte zum Beispiel nicht gedacht, dass ich operieren kann, bis ich Gelegenheit hatte, einen gesplitterten Oberarm zu verschrauben. Das macht Spaß wie so vieles, aber ich nutze nur eine Fähigkeit ernsthaft: schreiben. Genauer: Artikel schreiben. Vielleicht ein Fehler.

Im Korbsessel mir gegenüber sitzt ein Mann, der behauptet, ich befände mich in den „Jahren der Exzellenz“. So nennt er das Lebensjahrzehnt der 50-Jährigen. Man sei kein Anfänger mehr, sondern erfahren, gehöre aber noch nicht zum alten Eisen. Ich finde, meine Exzellenz könnte etwas mehr Wirkung zeigen. Die Aufträge, die ich besonders gern mache, die mich herausfordern und auf die ich stolz bin, werden immer spärlicher.

Ich zerbreche mir den Kopf, woran es liegt. Zu viele Widerworte gegenüber Redakteuren? Langweilige Themenvorschläge? Zu starke, junge Konkurrenz? Die Medienkrise? Die Aufträge, die mich erreichen, ernähren mich und meine Familie. Dafür bin ich dankbar. Sie gereichen mir aber nicht immer zur Ehre; obwohl thematisch oft spannend, liegen sie in einem Bereich, der kritischen Journalisten ein gewisses Unwohlsein bereitet: Unternehmenszeitschriften. Sollte ich umsatteln? Ich möchte etwas ändern, weiß aber nicht, was und wie. Bin unsicher. Ich brauche Rat.

„Woran merken Sie, dass Sie unzufrieden sind?“ Der Mann im Korbsessel ist mein Coach. Ein gemütliches Gesicht mit freundlichen Augen, über denen in entscheidenden Momenten eckige Augenbrauen in Bewegung geraten. Sie erinnern mich an Bumerangs. Ebenso wie die Fragen, die er spielerisch durch den Raum wirft – die berühren, aber nicht verletzen. „Was müssten Sie tun, um noch unzufriedener zu sein?“

Coaches, heißt es, können in fast allen Lebenslagen helfen. Sie begleiten Raucher in ein nikotinfreies Leben, Sportler in die Profiliga, Führungskräfte bei der Karriere. Dabei geht es nie nur um ein Abwägen von Märkten und Möglichkeiten, sondern immer um eine gehörige Portion Psychologie. Es geht ans Eingemachte.

Thomas Stölzel hat sich mir als „Begegnung der dritten Art“ vorgestellt. Unterhalte man sich mit Freunden oder Kollegen, übe man Rücksichten oder hege Vorbehalte. Zu ihm, einem „bezahlten Zuhörer und Klärungshelfer“, könne ich indes vollkommen frei und offen sprechen.

Zuvor hatte ich vier Coaches in Berlin zu sogenannten Erkundungsgesprächen getroffen, um herauszufinden: Mit wem stimmt die Chemie? Wem möchte ich vertrauen? Wer hat Kenntnisse in Bereichen, die mir zugutekommen können?

Für Stölzel habe ich mich entschieden, weil er mir sowohl persönlich als auch fachlich sympathisch ist. Er ist 52 (also ebenfalls in den „Jahren der Exzellenz“), hat als Philosoph und Kulturwissenschaftler für den Rundfunk Features geschrieben, in der Psychiatrie, Organisationsberatung und als systemischer Therapeut gearbeitet, er verfasst Sachbücher über „Mut“, „Staunen“, „Kreativität“ und „Humor“.

Wir reden in einer ehemaligen Dienstbotenwohnung. Bescheidene Deckenhöhe, erstaunlicherweise rundum Stuck. Auf einem Holztablett steht eine Karaffe Wasser bereit. Hier fühle ich mich wohl, um über ein gutes künftiges Leben nachzudenken.

Wir haben drei zweistündige Sitzungen innerhalb eines Monats vereinbart. Zur Einstimmung liest Stölzel ein gutes Dutzend Fragen vor. „Worauf sind Sie stolz?“ Ich soll das Gehörte auf mich wirken lassen, gar nicht antworten. Und so träume ich mich durchs Fenster zur hellen, von der Frühlingssonne angestrahlten Fassade gegenüber. „Wofür können Sie andere begeistern?“ Eine Frau auf einem Balkon zupft an orangeroten Blüten, sie verschwimmen zu Tupfern. Mein Blick ist unscharf, ähnlich meiner geistigen Verfassung.

„Angenommen, das Problem, das Sie hergeführt hat, wäre gelöst, was stünde dann an?“ Vor meinem inneren Auge steht plötzlich ein Mensch mit hochgereckten Armen auf einem Gipfel, ich spüre eine volle Ladung Glück, stelle dann fest: Um mich herum geht es abwärts. „Welches Konzept haben Sie für Ihr Alter?“ Eine leere weiße Wand tut sich auf, ich erschrecke mich.

Ich möge mein „leibliches Empfinden einbeziehen“, empfiehlt Stölzel. Möge während des gesamten Coachingprozesses darauf achten, wann in mir etwas „auf- oder zugeht“. Welche Themen ich als beengend oder erweiternd erlebe. Ob ich warme Hände bekomme, feuchte oder kalte, vielleicht ein Ziehen in der Schulter. „Dann passiert viel, und Sie haben die Gewähr, dass Sie stets nah bei sich bleiben.“

Mir wird klar, wie frustriert ich bin

Ich war lange nicht nah bei mir. Habe ich je gewusst, was in mir steckt? In meiner Jugend war es nicht en vogue, Kinder in ihren Fähigkeiten zu bestärken. Meinem Vater fiel nur mein Talent auf, die Haare selbst zu schneiden. Ich war 16, und er sagte: „Der Junge kann ja was.“ Meine Mutter meinte, als ich nicht wusste, was ich studieren soll: „Einen Juristen kann man immer gut in der Familie gebrauchen.“ Da wusste ich immerhin, was ich nicht werden will.

Zum Journalismus habe ich gefunden, weil eine Freundin Bewerbungsunterlagen einer Journalistenschule für mich anforderte. Der Beruf liegt mir. Vielleicht weil ich dank der unterschiedlichen Themen eine gewisse Sprunghaftigkeit ausleben kann.

„Was fehlt Ihnen am meisten in Ihrem Leben?“ In meiner Brust zieht sich etwas zusammen. Ich spüre eine Sehnsucht – nach Zufriedenheit, Kontinuität und Verlässlichkeit.

Ich will nicht länger von der Hand in den Mund leben. Will mich nicht bei jedem Auftrag sorgen, ob ich auch nächsten Monat etwas verdiene. Ich will nicht länger Themenvorschläge an Redaktionen schicken und wochenlang auf Antwort warten. Will nicht länger die Demütigung ertragen, überhaupt keine Antwort zu bekommen. Ich möchte ein Arbeitsverhältnis, das meinem Alter, meinem Können und meiner Erfahrung entspricht. Erst durch Stölzels Fragen wird mir klar, welchen Frust ich mit mir herumtrage.

Er macht Notizen, tastet in diese und jene Richtung, und im Laufe der ersten Sitzung formulieren wir eine Kernfrage: „Wie finde ich etwas, das mich erfüllt und das finanziell nachhaltig einträglich ist?“ Ihm sei wichtig, dass bei dieser „Klärungsbewegung“ etwas „Nützliches“ für mich herauskomme. Auf ein Flipchart malt er eine Skala von 1 bis 10, anhand derer wir prüfen wollen, wie nah wir der Lösung kommen.

Mein Coach hat einen philosophischen Ansatz. Auf seiner Website bezeichnet er sich als „Metaloge“. Unser „Logos“, sagt er, die Wörter und Sätze, die wir gebrauchen und bilden, seien nicht zufällig. Sie transportierten unbewusste Botschaften und Absichten, die auf Lebenserfahrungen gründen. Es sei daher sinnvoll zu erkunden, warum ich die Kernfrage so und nicht anders formuliert habe.

Warum zum Beispiel missfiel mir die Frage „was erfüllt mich …?“? Intuitiv schien mir die Formulierung zu platt, als würde sie förmlich nach der Lösung grabschen. Warum finde ich eine Suchbewegung sympathischer? Nicht nach einem Ort, „wo finde ich …?“, als schiene auch das zu unmittelbar, sondern nach der Art und Weise, „wie finde ich …?“. Theoretisch kann das ewig dauern. Suchen als Selbstzweck? Tatsächlich liebe ich es zu recherchieren, und je verschlungener die Pfade, desto besser. Mich interessieren offenbar drei Dinge: nicht nur Erfüllung und Geld, sondern ebenso die Suche danach.

Hilft mir Selbsterkenntnis weiter?

Wir betrachten die Kernfrage von allen Seiten, Wort für Wort. Bezeichnend, dass die Finanzen ganz hinten stünden. Tatsächlich interessiert mich Geld nur, wenn ich keines habe. Das Wort „einträglich“, sagt Stölzel, bediene sich eines bäuerlichen Bildes. „Der Landwirt bringt die Ernte ein.“ Klingt nach ehrlicher, kontinuierlicher Arbeit: Ich säe und bekomme etwas dafür. Passt.

Irritierten mich anfangs die kulturphilosophischen Anmerkungen, weil ich fürchtete, sie könnten zu weit weg, in abstrakte Gefilde führen, so stelle ich nun fest: Ja, sie führen weg, aber zu einer klärenden Distanz. Der Mensch sei ein „Metawesen“, sagt er, das zu sich und seinem Leben Abstand und Überblick gewinnen könne. Darin liege unsere Chance.

Er will wissen, was ich meine, wenn ich „ich“ sage. „Sehen Sie Ihr Ich als etwas Aktives oder eher als eine Art Schaumkrone auf einer Wasserschicht?“

„Ich tendiere zur Schaumkrone.“

„Werden Sie von Gefühlen und Impulsen bestimmt oder eher rational?“

„Von Impulsen.“

„Spüren Sie Ihr Ich, oder verstehen Sie es bloß als sprachliche Figur?“

„Als sprachliche Figur. Und sie passt nicht. Das Wort erinnert mich an ein kleines Dreieck. Doch ich glaube, mein Ich ist wahnsinnig komplex, das sich unter der Schaumkrone fortsetzt und das ich nicht durchschaue.“ Interessante Selbsterkenntnis. Aber hilft sie weiter?

Eigentlich wäre es naheliegend zu überlegen, wie ich die besten Redaktionen des Landes überzeugen könnte, mit mir kontinuierlich zusammenzuarbeiten. Könnte zielführend sein. Doch Stölzel folgt einer anderen Spur, die er bei mir glaubt, herauszuhören. Im Nachhinein kommt er mir vor wie ein Detektiv, der beauftragt wurde, etwas Vermisstes zu suchen. Er fragt nach Motiven, prüft verschiedene Fährten und nickt schließlich zufrieden. Er hat den Fall gar nicht gelöst. Aber er ahnt jetzt, was ich wirklich vermisse.

Was erfüllt mich? Ich erzähle vom Vergnügen, für meinen Blog kleine literarische Texte über Menschen aus meinem Viertel zu schreiben. Wie ich es genieße, mit meinen Kindern unterwegs zu sein. Dass ich für meine Wohnung Möbel entwerfe und baue. Wie ich am Klavier Harmonien hinterherlausche, Melodien entwickle. Mir fallen Heureka-Erlebnisse ein, als ich ein Sachbuch schrieb und unbekannte Zusammenhänge entdeckte. Die Kontemplation beim Joggen und beim lateinamerikanischen Tanz. Streunen durch die Natur, Vögel beobachten. Kürzlich gelang es, Widersprüchliches in einem Gedicht zu versöhnen. Überhaupt würde ich gern freier schreiben. Derzeit beschäftigt mich ein Geburtstagsgeschenk für eine Freundin: Ich komponiere einen Song.

Während ich plaudere, achte ich darauf, ob in mir etwas auf- oder zugeht. Es öffnet sich ein Scheunentor.

Das also bedeutet „Begegnung der dritten Art“: Ausbruch, Steilflug, Wohltat für Geist und Seele. Ich bade im Luxus, mir gedanklich alles erlauben zu können. Normalerweise würde ich mich schämen, offen über Flow-Erfahrungen zu sprechen mit der Idee, mein Leben zu ändern. Wie anmaßend! Doch der Mann, der mir seine langen Beine mit Bequemschuhen entgegenstreckt, runzelt nicht mal mit der Stirn. Sagt nicht: Nette Utopie, aber wir sollten auf dem Teppich bleiben. Er nimmt meine Fäden auf, spricht von einem Reichtum an Möglichkeiten und überlegt, wie man die weiterspinnen könnte.

Moment mal. Laufe ich nicht in die Irre? Setze ich nicht zu viel Hoffnung in diesen Menschen? Dass er mir hilft, eine Illusion zu verwirklichen? Krachend schließt sich das Scheunentor. Davor bringt sich jemand in Stellung, den ich gut kenne: Mr. Nörgler. „Du hast zu wenig Talent“, flüstert er, „zu wenig Fantasie“ – „tu, was du willst, aber es sind Hobbys“ – „du kannst es nicht wirklich, und das wird sich in den verbleibenden Jahren nicht mehr ändern“.

Stölzels Augenbrauen sind in Bewegung geraten. „Es gibt jemanden, der Sie hindert an einem selbstgenüsslichen Tun? Dass Sie sich daran freuen, was Sie sind und was Sie können?“

„Ich glaube schon.“

„Ich denke, wir sind an einem kardinalen Punkt angekommen.“

Es gibt eine Theorie, derzufolge jedes Kerntalent einen Kernschatten hat, einen Widersacher. Wer sein Talent entfalten möchte sollte zunächst diesen Schatten finden. Mein Coach schlägt vor, „den Nörgler und den Lebenskünstler“ ins Gespräch zu bringen. „Wie bei einer Teambesprechung zwischen dem, der ewig rumstänkert und motzt, und dem, der versucht, das Team konstruktiv voranzubringen.“ Wenn ich Lust habe, möge ich zu Hause einen Dialog mit den beiden schreiben.

Die Suche nach Antworten ist Teil der Lösung

In dieser zweiten Sitzung kommt es mir vor, als bekäme ich einen neuen Weitblick. „Wie wäre es, wenn Sie Ihr Brot auf andere Weise als durch Schreiben verdienen würden?“, fragt Stölzel. Wenn ich den Journalismus aufgäbe und meine Kreativität in einem geschützten Raum auslebte, in dem Geld keine Rolle spielt? Wie wäre es, wenn ich meinen Lebensunterhalt durch Schreinern bestritte? Oder als Nachtwächter?

Absurd, denke ich – und finde andererseits die Vorstellung, mit meiner Hände Arbeit Geld zu verdienen, äußerst attraktiv. Kann man einen Traum umso leichter realisieren, je radikaler man ihn zuspitzt?

Tage später am Küchentisch wage ich mich an den Dialog. Hinter der Tür zu meiner inneren Gesellschaft erwarten mich zwei Widersacher: ein kleiner Junge, der Wutanfälle kriegt, wenn nicht alles unverzüglich klappt; und eine Frau, ähnlich meiner Mutter, die mich bittet, brav zu bleiben, weil sie Angst hat, ich könnte als brotloser Möchtegern-Künstler enden.

Ich überlebe eine Überraschung. Hinter der Tür sitze: ich. Zurückgelehnt, verschränkte Arme, ein Typ, der versucht, Überlegenheit auszustrahlen. Spontan nenne ich ihn Stopper. Er hört einer Figur zu. Sie fühlt sich unterdrückt. Leidenschaftlich wirbt sie dafür, der Welt intensiver zu begegnen, mehr aus sich selbst zu schöpfen. „Du spinnst“, sagt Stopper, „du drohst, dich zu verlieren.“ Er fühlt sich unwohl, hat Angst, argumentiert pragmatisch: „Wer schafft denn die Kohle ran?“

Zur dritten Sitzung verspäte ich mich. Ich konnte mich nicht vom Klavier losreißen, ich arbeite an dem Geburtstagssong für die Freundin. Er beginnt romantisch wie eine Halbmondnacht mit zugefrorenen Pfützen und soll im schunkelnden Dreivierteltakt enden. Nichts Geniales, aber immerhin. „Was ist genial?“, fragt Stölzel. „Das kann eine Belastung sein.“ Und verweist als Gegenbeispiel auf den flämischen Maler Jan van Eyck, der unter seine Bilder das bescheidene Motto schrieb: „Als ik kan“ – so gut ich es vermag.

Ich werde wohl keine Schreinerlehre beginnen oder nachts Schlösser kontrollieren, um meine Schaffenskraft ganz der brotlosen Kunst zu widmen. Trotzdem macht es mir Spaß, mir solch ein Leben vorzustellen. Ein weiteres Ergebnis nach drei Sitzungen: Die Verknüpfung von Erfüllung und Einkommen stellt momentan eine „Überforderung“ dar, wie Stölzel es ausdrückt. Statt dieser „Ideallösung“ scheint eine „Vizelösung“ aussichtsreicher: Ich fröne meinen kreativen Leidenschaften ohne das Muss, einem Markt zu gefallen. Und schöpfe daraus so viel Kraft, dass ich spielerischer als bisher lukrative Aufträge bearbeite, die nicht in der Beletage des Journalismus angesiedelt sind.

Es scheint also nicht viel rumgekommen zu sein beim Coaching. Doch ich fühle mich der Antwort auf meine Kernfrage näher. Ordnete ich mich anfangs auf der Skala von 1 bis 10 bei 5,5 ein (ich hatte mir schon zuvor einige Gedanken gemacht), so sage ich jetzt: 9,5. Ich fühle mich befreit vom Zwang, mit dem Kopf gegen eine Wand zu rennen, hinter der ich das berufliche Paradies vermute. Und vom Druck, mich für oder gegen etwas entscheiden zu müssen. Ich genieße ein entspanntes Alles-ist-möglich-Gefühl.

Die „Klärungsbewegung“ hat in die Unklarheit geführt. Neu ist: Ich akzeptiere die Ungewissheit. Denn sie kann bereichernd wirken. Die Suche nach Antworten ist erfüllend, Teil der Lösung. Sie weist einen Weg.

Am Samstagabend nach dem letzten Coaching überreiche ich der Freundin ein selbst beschriebenes Notenblatt mit ein paar Versen. Etwa 50 Gäste sind gekommen, darunter etliche Profimusiker. Ich möge doch den Song vortragen, bitten das Geburtstagskind und die Musiker.

Vor mir ein altes Klavier, die schwarzen Tasten so abgewetzt, dass die Holzkerne hervorlugen. Sieht pittoresk aus, aber ganz anders als zu Hause. Ein Standmikrofon ragt mir ins Gesicht. Hinter mir lümmeln auf Sofas und Sesseln erwartungsfroh die Profis. Erwähnte ich schon, dass ich noch nie vor anderen gespielt habe? Und Angst vor Fehlern habe?

Den Teil mit der Halbmondnacht kriege ich hin, auf den vereisten Pfützen rutsche ich aus, verwechsle Akkorde, vergesse Melodie und Text. In meinem Kopf fällt ein Vorhang. Grandios gescheitert. Doch ich habe meinen Perfektionismus bekämpft. Es war eben, um mit Jan van Eyck zu sprechen, „als ik kan“. Wie auch dieser Text. Und was sonst noch alles kommen mag. ---

* Name geändert

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