Ausgabe 11/2015 - Artikel

Antimon (Sb)

Die besondere Eigenschaft

Das Element ist schizophren, es hat drei Identitäten: Das metallische Antimon glänzt silberweiß, das amorphe Antimon ist schwarz und in der elektrolytisch hergestellten Form hochexplosiv, schon leichtes Ritzen erzeugt Funken. In flüssigem Zustand gehört es zu den wenigen Stoffen, die sich beim Erstarren ausdehnen.

Wer braucht es?

In Metallgießereien mischt man Antimon in Legierungen aus Zinn oder Blei, damit sie sich beim Erkalten in alle Ecken der Gussform ausdehnen. So gelingen komplizierte Gebilde, auch die Statuetten für den Academy Award of Merit, den Oscar. Weniger prominent tritt Antimon in Bleiummantelungen für Erdkabel, in Lötzinn oder Zinngeschirr auf.

Für heftige Reaktionen sorgt es in Sprengstoffzündern und Streichhölzern. In Tarnanstrichen absorbiert es Infrarotstrahlen. Die Bergbauindustrie setzt es zum Abscheiden von Silber aus Goldschmelzen ein. Autositze, Kinderbekleidungen, Elektrogeräte und Kabel-Isolierungen lassen sich damit flammfest färben. Auf Flammschutzmittel entfällt mehr als die Hälfte des globalen Antimonverbrauchs. Die zweitwichtigste Verwendung sind Blei-Säure-Batterien, für Fahrzeuge oder auch Elektro-Torpedos in U-Booten. In der Agrarindustrie wird es für Pestizide oder zum Beizen von Saatgut benutzt. Als bedenklich gilt der verbreitete Einsatz als Katalysator für die Herstellung von PET-Flaschen – Antimon ist möglicherweise krebserregend.

Wer verkauft es?

Insgesamt stehen sechs chinesische Unternehmen hinter mehr als zwei Dritteln des globalen Angebots. Das größte, die Hsikwangshan Twinkling Star Co. Ltd., liefert 25 Prozent der Weltmarktproduktion. Weitere relevante Player sind Anzob MFC, ein Joint Venture zwischen Tadschikistan und den USA, sowie GeoPro Mining (Russland). Die an der Londoner Börse gelistete Tri-Star Resources Plc. begann im September mit der Förderung in Sohar (Oman), außerdem entwickelt das Unternehmen Minen in Kanada und der Türkei. Im ersten Halbjahr 2015 stand nach Steuern ein Minus von 1,6 Millionen Britischen Pfund in den Büchern, aber keine Umsätze.

Wo findet man es?

Antimon kommt in mehr als 260 Mineralen vor. Stibnit wird als häufigste Quelle genutzt. Die wichtigsten Lagerstätten befinden sich in China, Südafrika, Australien, Tadschikistan, der Türkei, Laos, Myanmar, Bolivien, Russland und Kanada.

Auf dem Weltmarkt …

… sinkt die Nachfrage. Antimon wird zwar seit 2010 von der EU als versorgungskritisch eingestuft – Deutschland ist vollständig auf Importe angewiesen –, doch das Angebot war in jüngster Zeit mehr als ausreichend. Auch China meldet weniger Bestellungen. Mehr als die Hälfte des Jahresverbrauchs von circa 200 000 Tonnen entfallen auf Asien, 20 Prozent auf Europa. China exportiert fast 80 Prozent der globalen Fördermenge. Doch der Anteil sinkt, weil Tadschikistan, Russland, Myanmar und Laos die Förderungen ausweiten – die allerdings oft wieder in China zur Aufbereitung landen. Größter europäischer Verarbeiter von Roh-Antimon ist Belgien.

Der Preis …

… für Antimontrioxid (99,8 Prozent) liegt aktuell bei mehr als 5500 US-Dollar pro Tonne. 2011 waren 17 160 US-Dollar fällig. Ein Anstieg von mehr als 1200 Prozent im Vergleich zu 2001. Ursache war ein Bergwerksunglück im Jahr 2009 beim Marktführer Hsikwangshan – und unter anderem die Schließung von mehr als 100 illegalen Antimon-Minen in China.

Wie geht es weiter?

Antimon-Zinnoxid kann als transparenter Stromleiter in Solarzellen, LCD und Plasmabildschirmen das teure Indium-Zinnoxid ersetzen. Neue Chancen bietet auch der Einsatz des Elements in Infrarot-Dioden-Lasern – für technische Gas-Analysen – oder Hochgeschwindigkeitskondensatoren für die Steuerung von Stromnetzen. Andererseits nimmt die Nachfrage nach Bleibatterien ab. Zudem bauen neben den genannten Ländern auch Mexiko, die Türkei und die Slowakei die Förderung aus. Die Versorgung dürfte daher künftig nicht mehr kritisch sein. ---

Legende:

51: Ordnungszahl im Periodensystem

Sb: Feste Elemente

121,76: Relative Atommasse

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