Ausgabe 10/2015 - Schwerpunkt Immobilien

SimCity

Edles Wild: Weil die Bewohner naturnah und kinderfreundlich wohnen wollen, äsen im Gehege des Central Parks von Songdo Rehe
Schön gedacht: In Songdo City, vor den Toren Seouls, hat alles seine Ordnung. Rings um den großen Park am Flussufer liegen ein Golfplatz, eine internationale Schule und ein Einkaufszentrum.
Entworfen hat das Ensemble die New Yorker Baufirma Gale International, deren Büro im schönsten Gebäude residiert, dem Northeast Asia Trade Tower. Durch das große Panoramafenster des 23. Stocks wirkt die Stadt wie eine Karte des Computerspiels „SimCity“: hier der Wohn-, dort der Geschäftsbezirk, dazwischen ein Naherholungsgebiet mit Park und künstlichem Salzwasserbecken. Noch sind die Bäume, die später einmal zum Lustwandeln im Schatten anregen sollen, Setzlinge und die Mülleimer, die den Abfall per ­Unterdruck in die Tiefe saugen, fleckenlos.
Zwar sitzen schon vereinzelt junge Mütter mit ihren Kindern am Ufer vor moderner Architektur, doch auf den fünfspurigen Straßen der Stadt ist noch viel Platz, und von dem in Korea sehr beliebten Nacht­leben kann hier keine Rede sein.
Gute Aussichten: Das Wohnkonzept der Planer aus New York scheint aufzugehen. Rund 60 Prozent der Häuser sind bereits fertiggestellt und mit 36 000 Bewohnern gut vermietet und verkauft. Die letzten Freiflächen sollen bis zum Jahr 2022 geschlossen sein. Die Nachfrage steigt, und der Ruf der „Geisterstadt“ ­verblasst zusehends. Als ein berühmter südkoreanischer Schauspieler mit seinen Drillingen jüngst nach Songdo zog, staunte das ganze Land über die sauberen Straßen dort.
Die Bewohner nennen die Stadt Gangnam 2, in Anspielung auf den teuersten Stadtteil Seouls, dem großen ­Immobilienwunder der Achtzigerjahre. Obwohl noch immer keine S-Bahn in die Hauptstadt fährt, zieht es auch ältere Menschen in die neue Stadt der kurzen Wege.
Am Wochenende flanieren Besucher von außerhalb durch die Einkaufspassagen, in denen am Abend eines jeden Tages Vivaldi aus den ­Lautsprechern erklingt und eine Stimme sagt: „Wir hoffen, Sie haben Ihr Erlebnis genossen.“

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