Ausgabe 08/2014 - Mikroökonomie

Mikroökonomie

Eine Nonne in Thailand

Mae Chee Ganigah, 46, lebt auf Ko Phangan als Nonne in einem Kloster der buddhistischen Theravada-Tradition. Als sie zwei Jahre alt war, verfügte ihr Vater auf dem Sterbebett, dass sie Nonne werden sollte. Als Zehnjährige verließ sie die Grundschule, mit 18 Jahren trat sie ins Kloster ein. Seit 28 Jahren kocht sie im Berghöhlenkloster Wat Khao Tahm für die Mönche und Besucher. Ihr Arbeitstag beginnt um zwei Uhr nachts, wenn unten am Strand die Fullmoon-Partys toben.

Verdienst, Grundkosten, Altersvorsorge

Mae Chee Ganigah darf als buddhistische Nonne in Thailand zwar Geld besitzen, verdient aber im Kloster keines – sie arbeitet für Kost und Logis. Nur wenn ihr die Familie oder Besucher welches zustecken, kann sie davon entkoffeinierten Kaffee für sich oder Dosenfutter für ihre Katze kaufen. Eine Krankenversicherung braucht sie nicht, da sie als Nonne kostenlos behandelt wird. Für ein Taxi, die Fähre oder den Zug zahlt sie den halben Preis. Eine Rente steht ihr nicht zu — das Arbeitsleben einer Nonne endet mit dem Tod.

Was bedeutet Ihnen Ihre Arbeit?

Sie ist mir das Allerwichtigste, denn sie gibt mir die Möglichkeit, meinen Geist zu entwickeln. So kann ich innere Ruhe finden und ein besserer Mensch werden. Die Arbeit im Kloster ist für mich vor allem Arbeit an mir selbst.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Der Dharma — die Lehre des Buddha. Ohne sie wäre ich orientierungslos und könnte keine Nonne sein.

Was möchten Sie verändern?

Das hier ist seit 28 Jahren mein Leben. Ich möchte absolut nichts verändern. Ich bin sehr zufrieden.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen wollen?

Dann vertiefe ich mich in die Lehre des Buddha. Es gibt dort so viel zu finden. Weit mehr als beim Shopping oder bei einem Fruit-Shake in der Stadt. Diese kleinen Freuden vermisse ich nicht.

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Ich behandle jedes Problem gleich, egal, wie groß oder klein es ist. Erst muss ich es erkennen, dann seine Ursache finden, dann das Heilmittel suchen, und schließlich muss ich das Heilmittel anwenden. Als meine Mutter im Sterben lag, habe ich einsehen müssen, dass wir alle geboren werden, altern, krank werden und schließlich sterben — kein Mensch kommt darum herum. Meine Mutter nicht, ich nicht und du auch nicht. So sind die Regeln.

Was erwarten Sie von der Zukunft, und was tun Sie dafür?

Ich erwarte nichts. Mein Körper ist vergänglich, ich weiß nicht, wann mein letzter Tag gekommen ist, es könnte morgen sein. Deshalb mache ich keine Pläne. Wenn ich Hoffnung hege und darin enttäuscht werde, füge ich mir unnötigen Schmerz zu.

Was würden Sie tun, wenn Sie ein Jahr nicht für Ihren Unterhalt sorgen müssten?

Ich gehe nur noch an Orte, an denen ich lernen kann. Hätte ich ein Jahr Urlaub, würde ich in ein anderes Kloster ziehen, nicht zu meiner Familie und nicht zu Freunden.

Was denken Sie über die Techno-Musik, die nachts von den Strandpartys ins Kloster heraufdröhnt?

Ich denke nicht darüber nach. Wie alle Dinge auf der Welt ist auch die Musik vergänglich. Die Töne kommen, und sie gehen auch wieder. Fertig. ---

Thailand
Einwohner: 68 Millionen
Währung: Baht (THB – 45 Baht = 1 Euro)
BIP pro Kopf: 4273 Euro
Human Development Index: Platz 103 (Deutschland: Platz 5 von 187 Ländern)

Aktuelle Durchschnittskosten in Thailand
1 Kilo Reis: 1,10 Euro
1 Liter Trinkwasser: 0,20 Euro
1 Glühbirne: 0,30 Euro
1 Haarschnitt: 3,40 Euro
Bußgeld für Raucher in einer Nichtraucherzone: 45 Euro 
1 Hose: 4,50 Euro

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