Ausgabe 11/2014 - Blick in die Bilanz

Es war einmal …

Die ersten sechs Monate dieses Jahres verliefen für Yahoo enttäuschend, im Vergleich mit der Konkurrenz erscheinen sie geradezu katastrophal. Der Umsatz ging um 2,6 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar zurück. Andere Internetfirmen wuchsen derweil zweistellig (Facebook: plus 60 Prozent, Google: plus 20 Prozent). Beim Gewinn sieht es für Yahoo noch düsterer aus. Er verringerte sich um fast ein Fünftel auf 586 Millionen Dollar, während er bei Facebook mit 1,4 Milliarden Dollar 160 Prozent über dem Vorjahr lag. Google kam immerhin auf einen Zuwachs von 4,5 Prozent und damit 6,8 Milliarden Dollar. In ihrem operativen Kerngeschäft, dem Betreiben des Yahoo-Portals mit seinen verschiedenen Funktionen, etwa Nachrichten-, E-Mail- und Chat-Dienste und eine Suchmaschine, verdienten die Amerikaner kaum Geld. Hätten sich die Erträge aus Patentverkäufen nicht auf gut 61 Millionen Dollar mehr als versechsfacht, wäre vom Betriebsergebnis so gut wie nichts übrig geblieben.

Yahoos Hautproblem: Das Portal bietet kaum etwas, das es nicht auch an anderer Stelle – und oft in besserer Qualität – gibt. Die meisten Nutzer starten über Facebook ins Internet (55 Prozent), viele auch via Google (27 Prozent), aber nur 11 Prozent nutzen dafür noch den einstigen Marktführer Yahoo. Tendenz: weiter fallend. Die Folge: sinkende Einnahmen aus Werbung auf der Website (Display). Bei der Suchmaschine (Search) läuft es etwas besser, doch die Erlöse stammen zu 36 Prozent von Microsoft, für deren hauseigene Suchmaschine Bing Yahoo vor vier Jahren die Vermarktung übernommen hat.

Die Vorstandschefin Marissa Mayer, angetreten, um Yahoo neues Leben einzuhauchen, hat vor allem durch Zukäufe auf sich aufmerksam gemacht: 43 seit 2012 für insgesamt 1,3 Milliarden Dollar, darunter das Blogger-Portal Tumblr für 990 Millionen. Die Firmen finden sich, da sie vor allem immateriellen Wert besitzen, fast vollständig in der Position „Goodwill“ wieder. Was sie dem Konzern bringen, weiß keiner so genau. Fest steht: Sie haben alle, so Yahoo in seinem Geschäftsbericht, „keinen wesentlichen Einfluss auf den Konzernumsatz oder -gewinn“.

Großen Einfluss hat derweil die Beteiligung am chinesischen Internet-Riesen Alibaba, die der Konzern 2005 erwarb. Die Asiaten erwirtschaften eine operative Rendite von 48 Prozent (Facebook: 46 Prozent, Yahoo: 3,1 Prozent) und führen an Yahoo brav Dividende ab. Sie verbirgt sich in der Position „Earnings in Equity Interest“, die mit 557 Millionen Dollar fast so hoch ist wie der Nettogewinn. Ohne diese Erträge würde Yahoo knapp an der Verlustgrenze vorbeischrammen. Zwar wird auch der Gewinn von Yahoo Japan, einer separaten Konzerntochter, dort verbucht. Doch der beträgt weniger als ein Drittel von dem Alibabas – und schrumpft.

Ursprünglich besaß Yahoo mal 40 Prozent von Alibaba, verkaufte aber immer wieder Anteile und besserte damit den Cashflow auf. Der Zufluss an Mitteln aus dem operativen Geschäft (net cash provided by operating activities) ist mit 496 Millionen Dollar nicht gerade üppig. Bei Facebook und Google wissen sie kaum wohin mit dem Baren, bezahlen ihre milliardenschweren Investitionen aus eigenen Mitteln und häufen noch Geld in der Bilanz an. Bei Google sind es 61, bei Facebook 14 Milliarden Dollar. Da nehmen sich Yahoos 2,7 Milliarden Dollar mickrig aus, haben sich im Vergleich zum Vorjahr zudem um knapp 20 Prozent verringert. Die Aussichten sind mau: Im Zuge des Alibaba-Börsengangs verringerte Yahoo seine Beteiligung von 24 auf 15 Prozent. Damit ist der Anteil zu gering, um weiter konsolidiert zu werden, fließt also in das Konzernergebnis künftig nicht mehr ein. Marissa Mayer müsste das frei werdende Kapital sehr rentabel investieren, um dies auszugleichen. Die Börse traut ihr das nicht zu. Die gute Kursentwicklung ist Resultat der Spekulation darauf, dass der Konzern mangels Erfolgs verkauft und zerschlagen wird. ---

Yahoo wurde 1994 von David Filo und Jerry Yang, Absolventen der Stanford-Universität, als Anbieter von Navigationshilfen im Internet gegründet. Es war 1996 eine der ersten Internet-Firmen, die an die Börse gingen, und lange Zeit die meistverbreitete Startseite im Netz. Nach dem Zusammenbruch der New Economy verlor Yahoo sich zunehmend in zahllosen Akquisitionen und verpasste wichtige Trends. 2009 trat Yang als Chef ab, ihm folgten fünf glücklose Manager und schließlich 2012 Marissa Mayer. Yahoo hat seinen Hauptsitz in Kalifornien und beschäftigt weltweit rund 12 000 Mitarbeiter.

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