Ausgabe 11/2014 - Schwerpunkt Scheitern

Praktiker Baumarkt

Der Tod des Punks in der Popper-Disco

Christopher Seagon, Insolvenzverwalter für das operative Praktiker-Geschäft

• Es war einer der größten deutschen Firmenzusammenbrüche der vergangenen Jahrzehnte. Am 11. Juli 2013 beantragte die Nummer zwei der Baumarktbranche Insolvenz wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit. 15 000 Beschäftigte von Praktiker und der zum Konzern gehörenden Baumarktkette Max Bahr bangten um ihren Job. Seitdem bemühen sich drei Insolvenzverwalter, Ordnung in die Hinterlassenschaft zu bringen. Sie sammeln die Forderungen der Gläubiger, sie verwerten, und sie retten, was von den mehr als 300 Märkten zu retten ist. Jetzt, gut ein Jahr nach dem Zusammenbruch der Baumarktkette, die vor allem durch den Werbeslogan „20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung!“ bekannt wurde, lichtet sich der Nebel. Zeit für eine erste Bilanz.

Warum ist Praktiker gescheitert?

Aus heutiger Sicht erstaunt, dass der Konzern nicht schon früher Insolvenz anmelden musste. Seit Jahren galt er als Sorgenkind der Do-it-yourself-Branche. Die Umsätze waren rückläufig, die Verluste wuchsen von Jahr zu Jahr. Und beim jährlichen Nettoumsatz pro Quadratmeter lagen die Praktiker-Märkte mit knapp 1000 Euro pro Quadratmeter hoffnungslos weit hinter den Besten der Branche zurück – und fast 500 Euro unter dem Branchenschnitt.

Die lange Reihe der Management-Fehler beginnt schon in den Achtziger- und Neunzigerjahren, als Praktiker noch zur Asko Deutsche Kaufhaus AG und – ab 1995 – zur Metro AG gehörte. Im Lauf der Jahre hatte die Baumarktkette sich ein ganzes Sammelsurium kleinerer Konkurrenten einverleibt, die nicht zueinanderpassten – teils an ungünstigen Standorten gelegen, oft mit zu hohen Mieten. Es gab häufige Wechsel an der Unternehmensspitze und keine konsistente Strategie. Allein in den letzten anderthalb Jahren seines Bestehens verschliss Praktiker fünf Vorstände, die mit wechselnden Sanierungskonzepten agierten. Das Strategievakuum sollten vor allem Unternehmensberater ausfüllen: Seit 2009 gingen die Mitarbeiter von sechs namhaften Beratungsfirmen bei Praktiker ein und aus. Die Kosten dafür beliefen sich seit 2011 auf rund 80 Millionen Euro. Leider erwiesen sich die Sanierungsszenarien der Berater allesamt als nicht finanzierbar.

In den Märkten mit dem blauen Praktiker-Schriftzug auf gelbem Grund fand man nur selten kompetente Mitarbeiter, die beim Suchen behilflich waren oder etwas erklären konnten. Viele Läden wirkten vernachlässigt, zuletzt klafften große Lücken in den Regalen. Die Investitionsrate lag praktisch bei null; es wurde auf Verschleiß gefahren. Kein Wunder, dass Praktiker bei fast allen Rankings bei Image und Service auf einem der hintersten Plätze landete. So etwa in dem auf Kundenbefragungen basierenden „Service-Atlas Bau- und Heimwerkermärkte 2013“. In den Kategorien „Atmosphäre der Filiale“, „Qualität der Produkte“, „Umgang mit Reklamationen“ und „Kompetenz der Mitarbeiter“ lag Praktiker unter zwölf Wettbewerbern jeweils auf dem letzten Platz.

Als die Lage schon bedrohlich wurde, machte die Unternehmensführung einen kühnen Schritt – und begann, die Perlen unter den Filialen auf die Zweitmarke Max Bahr umzuflaggen. Die traditionsreiche Hamburger Baumarktkette, bekannt für ein reichhaltiges Sortiment und guten Service, gehörte mit 78 Märkten seit 2007 zu Praktiker und erwirtschaftete stets auskömmliche Gewinne. Doch der Rettungsversuch mit dem Marken-Upgrade kam zu spät – und wurde von einem langen Winter und einem verregneten Frühjahr 2013 durchkreuzt. Das Geschäft mit dem Verkauf von Geranien, Grillzubehör und Gartenmöbeln kam nicht in Schwung; die sonst umsatzstärksten Monate waren ein einziges Desaster. „Das Unternehmen war schon zu schwach, um einen solchen Ausfall zu verkraften“, sagt Christopher Seagon, der Insolvenzverwalter für das operative Praktiker-Geschäft: „Das war der Todesstoß.“

War die 20-Prozent-auf-alles-Kampagne schuld an der Pleite?

Fast zehn Jahre lang warb Praktiker mit dem legendär gewordenen, von Bruce Willis’ Synchronsprecher martialisch intonierten Slogan „20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung!“ Zwischendurch wurde die Kampagne eingemottet, dann aber, kurz vor der Pleite, noch einmal hervorgeholt und ergänzt um Varianten wie „25 Prozent auf alles ohne Stecker!“

Viele Experten machen die Kampagne mit verantwortlich für die Insolvenz. Die 20-Prozent-Aktionen hätten die Baumarktkunden zu Schnäppchenjägern erzogen, die immer nur dann gekommen seien, wenn es die Rabatte gegeben habe. Gut für den schnellen Umsatz, schlecht für die Rendite. Während anfangs nur ein, zwei Aktionen pro Jahr geplant waren, gewährte Praktiker im Jahr 2007 bereits an 110 Tagen 20 Prozent Preisnachlass. Eine ruinöse Strategie, sagen die Kritiker, darunter fast die gesamte Konkurrenz, und verweisen auf rückläufige Konzernumsätze als Beleg: Zwischen 2008 und 2012 sackte der Erlös der Praktiker-Gruppe von 3,9 auf 3 Milliarden Euro ab.

Auch Roman Becker, Chef des Marktforschungs- und Be-ratungsunternehmens Forum, hält die Rabattkampagne für ruinös – lobt trotzdem ihre Erfinder: „Praktiker betrieb mit seinen Rabattversprechen eigentlich Marketing wie aus dem Lehrbuch.“ In Deutschland, so Becker, gebe es zu viele Baumärkte mit nahezu austauschbarer Produktpalette. In dieser Situation sei es lebensnotwendig, sich unverwechselbar zu positionieren.

Genau das sei Praktiker gelungen. Mit der Kampagne verschaffte sich die Kette ein Alleinstellungsmerkmal in der Branche, gerierte sich als Punk in der Popper-Disco. Nur leider war es wohl das falsche Alleinstellungsmerkmal. „Praktiker ignorierte mit dieser Positionierung die zentralen Kundenbedürfnisse“, sagt Becker. Zu diesen Bedürfnissen zähle vor allem „das emotionale Erlebnis, das die Produkte versprechen“. Ein hochwertiges Angebot, eine exzellente Beratung, eine Verkaufsatmosphäre, die das nahende Selbstverwirklichungserlebnis schon spürbar macht – darauf komme es an. „All das“, so Beckers Fazit, „bot, versprach und verstand Praktiker nicht.“

Gab es nach der Insolvenz eine Chance, zumindest die Filetstücke des Konzerns zu retten?

Es wurde schnell klar, dass der Konzern als Ganzes nicht zu retten war. Insolvenzverwalter Seagon erinnert sich noch gut an die ersten Treffen mit potenziellen Geldgebern. „Die haben sich fast ausschließlich dafür interessiert, welche Investitionen notwendig wären, um die Standorte auf das Niveau der Konkurrenten zu bringen.“ Er hatte selbst schon errechnet, dass mindestens die Hälfte der Praktiker-Märkte und der kurz zuvor auf Max Bahr umgeflaggten Standorte tiefrote Zahlen schrieben. „Wenn wir das auf 250 Märkte hochrechnen, brauchen wir selbst bei einer harten Sanierung im günstigsten Fall sieben bis acht Jahre, bevor das in einer ordentlichen Rendite mündet“, bekundeten die Investoren. „Für eine Paketlösung war das ein Killerkriterium“, sagt Seagon. Auch unter den Wettbewerbern fand sich keiner, der sich mehr als hundert notleidende Praktiker-Standorte aufbürden wollte.

Für die Sahnestücke im Portfolio der Insolvenzverwalter hingegen gab es ernsthafte Interessenten. Vor allem die 78 Max-Bahr-Märkte standen im Fokus der Wettbewerber, allen voran Globus SB-Warenhaus und die Baumarktkette Hellweg. Beide waren bereit, Max Bahr als Ganzes zu kaufen. Die Rettung scheiterte jedoch am Widerstand der Royal Bank of Scotland, größter Gläubiger der zwischenzeitlich ebenfalls insolvent gegangenen britischen Immobiliengesellschaft Moor Park, der ein Großteil der Max-Bahr-Standorte gehörte. Eine Einzelverwertung der Immobilien erschien der Bank profitabler als eine Paketlösung. Nur einen Tag nach dem Scheitern der letzten Bemühungen, die Perle des Konzerns zu retten, präsentierte die Royal Bank of Scotland mit dem Konkurrenten Bauhaus einen Käufer für 22 Max-Bahr-Märkte.

Wem nützt das Aus von Praktiker?

„Die ganze Branche wird davon profitieren, dass Praktiker den Markt verlässt“, sagt Alfred Hornbach, Chef der jetzigen Nummer vier der Do-it-yourself-Ketten, kurz nach der Pleite. Ähnlich sieht das der Branchenverband. „Das Marktschreierische ist weg aus der Branche“, sagt Peter Wüst, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten (BHB). „Praktiker hat einen massiven Preiskampf ausgelöst.“ Man spricht von einer „überfälligen Marktbereinigung“. Schon 2005 hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young prophezeit, dass von den damals 14 Baumarktketten binnen zehn Jahren die Hälfte, vielleicht aber auch drei Viertel vom Markt verschwinden werden.

Der Großteil des früheren Praktiker-Jahresumsatzes von drei Milliarden Euro verteilt sich jetzt auf die im Markt verbliebenen Konkurrenten. Das erste Halbjahr 2014 (das allerdings im Gegensatz zum Vorjahr nicht durch schlechtes Frühjahrswetter belastet war) bescherte ihnen im Schnitt ein Umsatzplus von 14,1 Prozent. Zu Jahresbeginn formulierte der BHB noch zurückhaltend, „ein Fünftel bis ein Drittel des Umsatzes der Praktiker-Gruppe“ werde „nicht zu halten sein“. „Abwandernde Umsätze“ nennt man so etwas. Sie landen – zumindest vorübergehend – bei anderen Handelsformaten. Bei Internet-Versendern beispielsweise, aber auch bei Gartencentern, Discountern und beim Fachhandel.

Aber natürlich warten die Wettbewerber aus der Baumarktbranche nicht nur darauf, dass ihnen ein Teil der Umsätze des früheren Konkurrenten zufällt. Sie haben sich inzwischen auch nach Kräften aus dem Fundus der Praktiker- und Max-Bahr-Märkte bedient. „Die Vermieter der attraktiven Standorte hatten in etlichen Fällen schon zum Zeitpunkt des Praktiker-Zusammenbruchs Optionsmietverträge mit potenziellen Nachfolgern“, berichtet Insolvenzverwalter Seagon. Von den rund 230 Standorten unter seiner Regie waren bis Anfang Oktober 114 definitiv entweder neu vermietet oder verkauft. Hagebau, Obi und Toom sicherten sich jeweils 21 Märkte, Bauhaus zehn, Globus sieben und Hornbach vier. An 30 Standorten wirtschaften jetzt Branchenfremde, beispielsweise Elektronik-Stores, Möbelhäuser oder Tierfutterhandlungen. Von den 78 ursprünglichen Max-Bahr-Märkten haben mittlerweile sogar 73 einen Nachfolger. Auch hier griffen alle großen Baumarktketten zu; das größte Paket sicherte sich Bauhaus. Manchmal gibt es für die Nutzung auch ungewöhnliche Zwischenlösungen. So gab die Stadt Köln Ende September bekannt, dass sie in einem ehemaligen Praktiker-Markt in Köln-Porz Notunterkünfte für 200 Flüchtlinge einrichtet.

Zu den unmittelbaren Profiteuren des Zusammenbruchs gehören zweifellos Barrington Wilshire und Sothic Capital, zwei Hedgefonds, die mit umfangreichen Leerverkäufen auf fallende Kurse und den Untergang der Baumarktkette gewettet hatten. Zwei Monate vor der Pleite verfügten sie über Leerverkaufspositionen, die zusammen gut vier Prozent des Praktiker-Aktienkapitals ausmachten. Zwischen dem Beginn des Engagements der Fonds und der Insolvenzanmeldung fiel der Aktienkurs von mehr als einem Euro auf knapp zehn Cent. Es dürfte ein glänzendes Geschäft geworden sein.

Wie stehen die Gläubiger und Aktionäre da?

Bis heute sind allein für Praktiker – also ohne Max Bahr – Gläubigerforderungen von „deutlich über einer Milliarde Euro“ bei den Insolvenzverwaltern eingegangen, verteilt auf 17 000 Anmeldungen. Sie stammen von Banken, Lieferanten, Vermietern, den Käufern einer 2011 ausgegebenen, 250 Millionen Euro schweren Anleihe, von Geschäftswagen-Leasingfirmen, Reinigungsunternehmen, Autowerkstätten sowie Kunden, die ihre Gutscheine nicht mehr loswurden oder niemanden mehr finden, der die Gewährleistung für die kaputte Bohrmaschine übernimmt. Ob diese Gläubiger aus der Insolvenzmasse irgendwann einmal einen Anteil ihrer Forderungen erhalten werden, kann Christopher Seagon noch nicht sagen. „Wenn überhaupt, dann wird sich die Quote im unteren einstelligen Prozentbereich bewegen.“

Die Lieferanten, so Seagon, kommen zwar „nicht ganz ohne Haircut weg“, sind aber durch Warenkreditversicherungen und Pfandrechte an den Waren vergleichsweise gut gepolstert. Allein der mehrwöchige Verkauf der restlichen Bestände brachte mehr als 200 Millionen Euro ein. Die Vermieter der Standorte, für die es mittlerweile einen Nachmieter oder Käufer gibt, sind ebenfalls fein raus. Härter trifft es die Eigentümer der schlechten Standorte, für die sich noch kein Interessent gefunden hat. Nur bis einschließlich Januar 2014 zahlte der Insolvenzverwalter die Miete. Bei einem durchschnittlich großen Baumarkt dürfte sich der durch Leerstand verursachte Mietausfall durchaus auf 40 000 bis 50 000 Euro pro Monat belaufen.

Bleiben die Aktionäre. Sie haben einen Totalverlust erlitten. Das gilt vor allem für die österreichische Investorin Isabella de Krassny, die über zwei Beteiligungsgesellschaften fast 20 Prozent der Praktiker-Aktien hielt. Den Verlust beziffert sie selbst auf 15 Millionen Euro. „Wir nagen nicht am Hungertuch“, sagt sie. Allerdings galt die Aktie schon seit geraumer Zeit als äußerst riskante Anlage. „Was denken die meisten?“, fragte ein Glücksritter Anfang 2013 in einem Internet-Zockerforum. „Weiter Finger weg oder 3000 Stück kaufen? Habe mit 3500 Stück schlappe 8000 Euro verloren, würde gern ein paar Euronen zurückgewinnen.“ Als substanzlose Hülle geistert die Aktie übrigens immer noch herum. Sie notiert derzeit bei knapp über einem Cent.

Sind die Beschäftigten mal wieder die Leidtragenden?

Die größten Verlierer unter den rund 15 000 Beschäftigten sind ohne Zweifel die etwa 5000 Minijobber. Sie wurden aus der Insolvenz in die Arbeitslosigkeit entlassen. Derzeit weiß niemand, wie viele von ihnen wieder einen Job gefunden haben.

Die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – die vor der Pleite bereits einen Sanierungsbeitrag in Höhe von 17,3 Millionen Euro geleistet hatten, indem sie drei Jahre lang auf fünf Prozent ihres Bruttojahresgehalts verzichteten – konnten für drei bis sechs Monate in eine der sechs Transfergesellschaften wechseln. Es war eines der bisher größten Projekte solcher Art in Deutschland. Rund 5500 Beschäftigte machten von dem Angebot Gebrauch. Durch das Transferkurzarbeitergeld in Höhe von 75 Prozent des bisherigen Nettogehalts waren sie finanziell vergleichsweise gut gestellt – und konnten die Zeit nutzen, um sich mit Unterstützung der Transfergesellschaft einen neuen Job zu suchen oder sich weiterzuqualifizieren, indem sie beispielsweise den Gabelstaplerschein oder einen Excelkurs absolvierten und so ihre Vermittlungschancen verbesserten.

Für eine detaillierte Abschlussbilanz des Projekts ist es noch zu früh; demnächst soll die Arbeit der sechs Gesellschaften wissenschaftlich evaluiert werden. Allerdings zeichnet sich ab, dass mehr als 60 Prozent der Teilnehmer mittlerweile wieder in Arbeit sind. „Eine sehr gute Größenordnung“, urteilt Klaus Kost, der als Geschäftsführer der Beratungsfirma Project Consult GmbH (PCG) in Essen die Arbeit der sechs Transfergesellschaften koordiniert. „Die Praktiker-Standorte sind bundesweit gestreut und haben im Schnitt nicht mehr als 50, 60 Beschäftigte“, erklärt er die vergleichsweise gute Quote. „Da fällt die Vermittlung naturgemäß leichter, als wenn an einem einzigen Standort 2000 Leute zu vermitteln sind.“

Am besten lief es offenbar für die Beschäftigten der 78 Max-Bahr-Märkte. Der Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder geht davon aus, „dass drei Viertel der ehemals 3600 Arbeitsplätze erhalten werden konnten beziehungsweise die Mitarbeiter eine neue Anstellung in den übernommenen Märkten erhalten haben“. Manche Belegschaften wurden von den Nachfolgern komplett übernommen. Der alte Job ist es trotzdem nicht mehr. Christopher Seagon hört „von Beschäftigten, die sagen: ‚Das ist ja richtig anstrengend, das ist eine ganz neue Welt. Wir lernen jetzt, wie ein Baumarkt funktioniert.‘ “

Ein Wermutstropfen bleibt: In vielen Fällen registrieren Betriebsrat und Gewerkschaft eine Verschlechterung der Vertragsbedingungen im neuen Job. „Da steht zwar oft das gleiche Bruttogehalt wie vorher“, sagt Marco Steegmann, Handelsexperte der Gewerkschaft Verdi, „aber dafür müssen die Beschäftigten jetzt pro Woche beispielsweise ein paar Stunden länger arbeiten.“ Auch beim Urlaubsanspruch und beim Weihnachtsgeld gebe es meist deutliche Abstriche.

Praktiker zahlte tarifgebundene Löhne. Auch gab es, mit einer Handvoll Ausnahmen, in jedem Baumarkt einen Betriebsrat – ein Relikt aus der Zeit, als die Kette zur Metro-Gruppe gehörte. „Praktiker mag kein besonders gut geführtes Unternehmen gewesen sein“, lautet das Fazit des Gewerkschafters Steegmann: „Aber ein schlechter Arbeitgeber war es nicht.“ ---

<span style="rot">2008</span> <span style="rot">2009</span> <span style="rot">2010</span> <span style="rot">2011</span> <span style="rot">2012</span>
Umsatz in Mio. (mit Ausland) 3907 3663 3448 3183 3003
Umsatz, nur Praktiker Deutschland. 1869 1835 1680 1506 1408
Umsatz, nur Max Bahr Deutschland 702,4 690,6 685,5 694,8 699,9
Jahresüberschuss/-fehlbetrag Praktiker Deutschland (in Mio. Euro) 4,4 -9,3 -33,6 -554,7 -189,9
Mitarbeiter (mit Max Bahr, ohne Minijobber) 13.189 12.291 11.811 11.239 11.128

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