Ausgabe 10/2013 - Blick in die Bilanz

Starbucks: Blick in die Bilanz

Alles Latte

Starbucks hat ein überaus erfolgreiches Quartal hinter sich. Die Erlöse (total net revenues) stiegen um 13 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar. Der operative Gewinn – der Überschuss vor Zinsen und Steuern – legte gar um 25 Prozent auf 615 Millionen Dollar zu. Ein erstaunliches Ergebnis: McDonald’s etwa, mit McCafé über eine eigene Marke ebenfalls im Kaffeegeschäft vertreten, gelang beim Umsatz nur ein mageres Plus von zwei Prozent. Der US-Konzern Yum Brands, zu dem Ketten wie Kentucky Fried Chicken und Pizza Hut gehören, nahm 13 Prozent weniger ein als im Vorjahresquartal.

Der Erfolg von Starbucks ist nicht nur hausgemacht. So profitierten die Amerikaner stark von der Preisentwicklung bei Kaffeebohnen. Ihr Wert verfiel in den vergangenen Monaten dramatisch. Der Börsenpreis ging allein seit Jahresbeginn um mehr als 20 Prozent zurück, entsprechend verbilligt sich der Einkauf. Sichtbar wird dies in den Cost of Sales, die in Relation zum Umsatz sanken. Das wiederum erhöhte das operative Ergebnis. Ein weiterer Glücksfall: Während die Zahl der jährlichen Restaurantbesuche pro Person in den USA seit der Jahrtausendwende rückläufig ist, steigt der aushäusige Konsum von sogenanntem Specialty Coffee. Schlecht für die Fast-Food-Riesen, gut für Starbucks.

Das Unternehmen hat reichlich und vor allem immer wieder neue Spezialitäten im Angebot (jüngste Erfindung: Caramel Ribbon Crunch Frappuccino), die mit Kaffee nicht mehr viel zu tun haben. Getränke insgesamt machten Ende 2012 nur noch 59 Prozent des Umsatzes aus, Tendenz fallend. Pro Jahr werden weltweit 20 bis 30 Snacks auf den Markt gebracht und dabei Trends aufgegriffen, die den Umsatz treiben – wie Ende 2012 Greek Yogurt, der im Moment in den USA alle anderen Joghurt-Sorten verdrängt.

Starbucks verkauft seine Produkte nicht nur in den eigenen ­Läden. Über den Geschäftsbereich Channel Developement vertreibt man in den USA als Großhändler beispielsweise erfolgreich sogenannte K-Cups, versiegelte Einwegkapseln mit gemahlenem Kaffee. Solche „packaged and single serve coffees“ machten zum Ende des vergangenen vollen Geschäftsjahres (es endet bei Starbucks im September) bereits 15 Prozent des Umsatzes aller Produkte aus. Daneben gehören auch Tee und Erfrischungsgetränke zum Sortiment. Der Großhandel ist noch klein, aber mit einer operativen Marge (operating income als Anteil an den total net revenues) von gut 28 Prozent profitabler als alle anderen Sparten.

Das Unternehmen hat einen üppigen Zufluss an Barmitteln (Net cash provided by operating activities), der regelmäßig die Investitionen (net cash used investing acticvities) übersteigt. Die Folge: 1,4 Milliarden Dollar Bares in der Bilanz, steigende Dividendenzahlungen und hohe Rücklagen. Letztere fließen direkt ins Eigenkapital, das mit 5,7 Milliarden Dollar 63 Prozent der Bilanzsumme ausmacht – auch damit liegt Starbucks weit vor Yum Brands (26 Prozent) und McDonald’s (43,2 Prozent).

Ein Schwachpunkt verbirgt sich in den starken Zahlen: Starbucks ist trotz intensiver Bemühungen, international zu wachsen, immer noch extrem – und deutlich stärker als die Konkurrenz – vom amerikanischen Markt abhängig. Dort ­erwirtschaftet die Firma seit Jahren 74,2 Prozent ihres Umsatzes (Yum Brands aktuell: 24 Prozent, McDonald’s: 32), und wächst auch mit 9 Prozent am schnellsten. Asien liegt zwar in puncto Wachstum gleichauf, steuert aber dennoch erst 6,2 Prozent zum Umsatz bei. Die anderen Regionen (EMEA: Europe, Middle East, Africa) kommen kaum von der Stelle, die Erlöse in den dortigen konzerneigenen Läden stiegen im vergangenen Quartal um gerade zwei Prozent, die Höhe der durchschnittlichen Bestellung (Ticket) ist in dieser Region sogar rückläufig. ---

Nach der Gründung 1971 war Starbucks zunächst ein Kaffeelieferant. Auf Drängen von Howard Schultz, späterer Inhaber und bis heute Vorstandschef, eröffnete 1984 in Seattle das erste Café. 1995 begann Starbucks, inzwi- schen börsennotiert, mit der Erweiterung der Produktpalette umMixgetränke, wie Frappuccino, und Eiscreme, die ab 1998 auch außerhalb der Kette vertrieben wurden. Mit dem Kauf von Firmen wie Tazo Tea, Ethos Water und zuletzt La Boulange, einer Bäckerei, wird das Angebot stetig erweitert. In Europa geriet Starbucks ins Gerede, weil die britische Tochter keine Gewinne ausweist und so keine Steuern zahlt. Anders in den USA: Dort führte Starbucks für 2012 Einkommensteuer in Höhe von 674 Millionen Dollar ab. Das Unternehmen betreibt welt-weit 17 651 Cafés und beschäftigt 160 000 Mitarbeiter.

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