Ausgabe 02/2012 - Hinter der Statistik

Zurück in die Zukunft

• Die Deutschen kennen die Krise bislang nur aus dem Fernsehen. Zwar schrumpfte im letzten Quartal 2011 die Wirtschaftsleistung, doch blieb am Ende immer noch ein deutliches Plus für das Gesamtjahr. Viele europäische Nachbarländer kämpfen dagegen schon länger gegen eine drohende Rezession. Eigentlich sollte diese Entwicklung auch das deutsche Wachstum bremsen. Denn nach wie vor werden 60 Prozent der Ausfuhren auf dem Binnenmarkt abgesetzt. Steht uns der Niedergang also noch bevor?

Bislang konnten Umsatzeinbußen in den europäischen Krisenländern durch Exporte nach China oder Indien aufgefangen werden. In den aufstrebenden Nationen sind Maschinen und Autos gefragt, deutsche Vorzeigeprodukte also – die noch dazu momentan günstig sind. Zum einen dank geringer Lohnkosten hierzulande und damit attraktiver Preise; zum anderen, weil der schwächelnde Euro Importe aus Deutschland verbilligt.

Ein weiteres Plus: Während Spanien vom Immobiliensektor oder Großbritannien von der Finanzbranche abhängt, ist die Wirtschaft hierzulande breiter aufgestellt. Der Exportindustrie mögen schwere Zeiten bevorstehen. Andere Branchen – der Einzelhandel etwa – schaffen einen Ausgleich. So trug die Binnennachfrage 2011 zum ersten Mal seit langer Zeit zur Stabilisierung der Wirtschaft bei. Dank niedriger Arbeitslosenzahlen legte der Konsum um 1,5 Prozent zu.

Im Jahr 2009 sah die Lage noch ganz anders aus: Die deutsche Wirtschaft schrumpfte um 5,1 Prozent, mehr als in den meisten Nachbarländern. Der dramatische Einbruch bei den Exporten bescherte den Deutschen eine Rezession. "Doch dank Kurzarbeit konnte die Produktion sofort gedrosselt und nach kurzer Zeit wieder hochgefahren werden", sagt Ferdinand Fichtner, Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung - und glaubt, dass es sich bei dem derzeitigen Wachstum eher um eine Erholung als um einen Aufschwung handelt: So ist Deutschland 2011 gerade auf dem Vorkrisenniveau von 2007 angekommen.

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